Prozess gegen Vietnamesen wegen Drogenbesitz
"Seise": Achter Tag im Prozess gegen vier Vietnamesen

Symbolbild: dpa

Tag 8 im Prozess gegen vier Vietnamesen aus Tschechien, die im September 2014 auf der A 6 mit fast einem halben Kilo Crystal erwischt wurden. Laut Anklage sollte die Lieferung nach Schweden gehen. Die Wahrheitsfindung gestaltet sich schwierig.

Gleich zu Beginn nahm der Älteste im Quartett (40 Jahre) alle Schuld auf sich. Jetzt muss mühsam bewiesen werden, dass auch die anderen Drei - darunter eine Frau - mit im Boot waren.

Beispielsweise ein 37-jähriger Koch. In Haft soll der Vietnamese von seinen Drogengeschäften erzählt haben, behauptete letzte Woche ein Zellennachbar. Nur: Kann das stimmen? Am Mittwoch vernahm die Strafkammer am Landgericht Weiden die Zellengenossen. Sie hatten sich im Sommer in der JVA Nürnberg eine Vierer-Zelle mit dem kleinen Mann geteilt.

"Wir konnten uns nicht verständigen", sagte ein inhaftierter Maurer aus Nürnberg. Der Angeklagte spreche kein Deutsch. "Das einzige Wort, das er kann, ist: Seise." Richter Peter Werner fragte den Maurer auch nach eigenen Fremdsprachen-Kenntnissen außer Deutsch. Antwort: "Frängisch."

"Seise" passt auch auf den Verlauf des Prozesses: Eine wichtige Zeugin fällt aus. Die Zollbeamtin, mit deren Vernehmung man im Juli begonnen hatte, ist schwer erkrankt. Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle zog in Betracht, dass der Vorwurf der "bandenmäßigen" Einfuhr fallengelassen werden könnte. Die Anwälte signalisierten ihrerseits, auf die Sachbearbeiterin zu verzichten. Verteidiger Adam Zurawel zog gar seinen Befangenheitsantrag gegen das Gericht zurück: "Wir sind da ein bisschen zu leidenschaftlich vorgegangen."

Ganz anderer Meinung war Staatsanwalt Rene Doppelbauer. Für ihn liegen nach wie vor "massive Anhaltspunkte" für eine bandenmäßige Einfuhr vor. "Da hat sich nichts geändert." Alternative zur Vernehmung der Zollbeamtin sei die Verlesung ihrer Aktenvermerke. Für nicht nötig hielt Doppelbauer auch ein weiteres Gutachten, das Zurawel für seinen 40-jährigen Mandanten forderte. Der Älteste sei zur Tat schwerstabhängig gewesen sein - und damit nicht voll schuldfähig. Rechtsmediziner Prof. Betz sah das zuletzt anders. Der Staatsanwalt zweifelte nicht daran.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.