Rauchmelderpflicht in Bayern
Unverzichtbare Lebensretter

Ab Ende 2017 müssen in jeder Wohnung Rauchmelder installiert sein. Seit 2013 gilt die Pflicht für Neubauten. Bild: dpa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
05.09.2016
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Sie retten Leben, lösen aber auch viele Fehlalarme aus: Rauchmelder. Bis Ende 2017 sind sie in allen Wohnungen Pflicht, schon jetzt rüsten Eigentümer auf. Obwohl die Zahl der Fehlalarme in Bayern steigt, befürworten Feuerwehren das Gesetz.

Weiden/Amberg/Neustadt/WN. (esa/dpa) In Amberg hat Wohnungsbau und Siedlungswerk Werkvolk alle vermieteten Wohnungen bereits mit Rauchmeldern ausgestattet, sagt Torsten Wolf, Leiter der Mietabteilung. 2015 hat die Genossenschaft mit dem Projekt begonnen. In Regensburg, wo die Werkvolk ebenfalls Häuser besitzt, seien die Mitarbeiter gerade dabei, in den Räumen Rauchmelder zu installieren. Im Durchschnitt rechnet Wolf pro Wohnung mit vier Rauchmeldern - es hinge jeweils von der Größe der Wohnung und der Zimmeranzahl ab. "Im Bad und in der Küche gibt es keine", erklärt Wolf.

"Die Sicherheit für unsere Mieter ist uns wichtig", sagt der Abteilungsleiter. Daher will das Unternehmen die Kosten für die Geräte nicht auf die Mieter umlegen. "Gerade für ältere Menschen sind Rauchmelder sinnvoll, wenn sie zum Beispiel vergessen, die Herdplatte auszuschalten. Dann zieht der Rauch ins nächste Zimmer und der Rauchmelder geht an", erläutert er.

Angebote einholen


So weit wie Werkvolk sind andere Unternehmen noch nicht. In älteren Mietwohnungen der Stadtbau hängen bisher noch keine Rauchmelder. 15 000 Stück muss die Stadtbau Weiden beschaffen, gerade vergibt sie den Auftrag dafür, berichtet ein Mitarbeiter. Die Wohnungseigentümer haben eine externe Firma bestimmt, die den Großteil der Rauchmelder wartet, sagt Peter Schröpf von der Wohnungseigentümer-Verwaltung.

Auch das Landkreissiedlungswerk in Neustadt/WN hat gerade Angebote für die Geräte eingeholt, sagt Diplomingenieur Alois Vollath, der beim Landkreissiedlungswerk die Technik betreut. 2000 Rauchmelder benötigt er, die das Unternehmen wahrscheinlich mieten werde. Pro Wohnung entstehen etwa 21 Euro Kosten für Miete, Wartung und Dokumentation, erläutert Vollath, der die Rauchmelderpflicht für "absolut sinnvoll" hält. "So gut wie fast nicht" informierten sich Mitglieder beim Mieterbeistand Weiden über die Rauchmelderpflicht, sagt Rechtsanwalt Marcel Schurig.

Weniger Tote


Trotz der steigenden Zahl der Fehlalarme sehen die Feuerwehren das Gesetz positiv. Zwar werde es künftig wohl noch mehr falsche Alarmierungen geben, die kleinen Geräte seien aber bei Bränden extrem wichtig, sagt Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband. "Ein Feuerwehrmann möchte ja eine lebende Person retten und keine tote bergen." "Wir erhoffen uns davon natürlich eine Verringerung der Brandtoten in Wohnungen", sagt Weiß. Der Landesfeuerwehrverband rät, nicht die billigsten Rauchmelder zu kaufen und sie an geeignete Stellen, fernab von regelmäßigem Rauch, aufzuhängen. Pflicht ist es, die Warngeräte in Fluren, Schlaf- und Kinderzimmern anzubringen.

Dass es mehr Fehlalarme geben werde, sei wahrscheinlich. Noch vor einem Jahrzehnt zählten die bayerischen Feuerwehren 17 600 Fehlalarme, seitdem werden die Rettungskräfte immer öfter falsch benachrichtigt. 2015 waren es 23 000 Meldungen. Drei Viertel davon sind laut Innenministerium auf Brandmeldeanlagen und Rauchmelder zurückzuführen. Insgesamt rückten die Feuerwehren im Freistaat bei fast einem Zehntel der 218 000 Alarmierungen vergeblich aus. (Angemerkt)

Das GesetzDie Rauchmelderpflicht ist in der jeweiligen Landesbauordnung geregelt. In Bayern ist der Eigentümer einer Wohnung für den Einbau verantwortlich, für die Wartung der Geräte der Besitzer - in einer Mietwohnung ist dies der Mieter. Seit 2013 müssen Eigentümer in Neubauten Rauchmelder anbringen, bis Ende 2017 auch in bestehenden Wohnräumen. Eigentümer können sich kaum leisten, keine Geräte anzubringen. Denn bei einem Brand mit Verletzten oder Toten interessiert sich der Staatsanwalt dafür, ob ein Rauchmelder in der Wohnung war oder nicht. (esa)
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