Reaktionen aus der Region zum Gauck-Rückzug
„Ein Versöhner, kein Spalter"

Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Rede am Montag im Schloss Bellevue in Berlin. Bild: dpa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
07.06.2016
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US-Präsident Barack Obama und Joachim Gauck im Sommer 2013 in Berlin. Archivbild: dpa

Viel Respekt erntet Bundespräsident Joachim Gauck für seine Entscheidung, für eine zweite Amtszeit nicht mehr zu kandidieren - auch von Politikern aus der Region. Als Wunschkandidaten für die Nachfolge werden von ihnen nur zwei Namen genannt.

Weiden/Amberg. (esa/we) Die Bundes- und Landtagsabgeordneten aus der Region, die 2012 Mitglied der Bundesversammlung waren, äußern Verständnis für Gaucks Entscheidung, 2017 nicht mehr für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Auf einen Nachfolger können oder wollen sich die meisten der befragten Politiker noch nicht festlegen. Lediglich Norbert Lammert und Frank-Walter Steinmeier werden als mögliche Kandidaten genannt.

Für Uli Grötsch, Bundestagsabgeordneter für die SPD aus Waidhaus, ist Gaucks Entscheidung nachvollziehbar. Er beschreibt das Staatsoberhaupt als "einen Versöhner, keinen Spalter". So ein Versöhner müsse auch seine Nachfolgerin oder Nachfolger sein, meint Grötsch auf Anfrage unserer Zeitung. Er würde sich freuen, wenn es bei der Wahl im kommenden Jahr einen gemeinsamen Kandidaten von SPD, Linken und Grünen gäbe.

Karl Holmeier, Mitglied des Bundestags für die CSU aus Cham, findet, dass "Joachim Gauck das Amt des Bundespräsidenten mit seiner ruhigen und besonnenen Art sehr aufgewertet hat". Weiter meint Holmeier, dass die Union die Nachfolgefrage "mit Vernunft und Disziplin" behandeln und einen geeigneten Kandidaten vorschlagen werde.

"Er ist ein Bundespräsident, wie ich ihn mir vorstelle, den Menschen zugetan, wegen seiner Integrität und Ausstrahlung überall auf der Welt anerkannt und für die Kraft seiner Worte bewundert. Joachim Gauck hat sicher Maßstäbe gesetzt", so Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder (SPD) aus Wernberg-Köblitz. Einen Wunschkandidaten für die Wahl 2017 nennt sie nicht.

"Bundespräsident Joachim Gauck versteht es, Menschen überall auf der Welt zusammenzuführen", findet die Bayrische Sozialministerin Emilia Müller (CSU) aus Bruck. Gleichzeitig sei Gauck in Deutschland über Parteigrenzen hinweg als Staatsoberhaupt, aber auch als moralische Instanz geschätzt und anerkannt. Seine Entscheidung, nicht für eine erneute Amtszeit zur Verfügung zu stehen, verdiene Respekt, so Müller.

Tobias Reiß aus Brand, Mitglied des Landtags für die CSU, charakterisiert Gauck als "einen Bundespräsident, der die Menschen zusammenführen konnte und dabei dennoch immer wieder klare und auch kritische Worte zu vielen Themen fand." Auch Reiß ist der Meinung, nun müsse man besonnen über einen Nachfolger nachdenken.

Barbara Lanzinger, Bundestagsabgeordnete (CSU) aus Amberg, schreibt über Gauck, dass er "gute Arbeit geleistet hat". Sie sei gespannt, wer in den kommenden Wochen für das Amt vorgeschlagen werde.

"Er hat besonders bei schwierigen Themen großes Geschick darin gezeigt, die Menschen in unserem Land zusammenzubringen", so Reiner Meier, Bundestagsabgeordneter für die CSU. Der Tirschenreuther ist einer der wenigen, die sich auf einen konkreten Nachfolger festlegen und einen Namen nennen: Bundestagspräsident Norbert Lammert, weil er breiten Respekt in allen politischen Lagern genieße, begründet Meier.

Auch Annette Karl, SPD-Landtagsabgeordnete aus Neustadt/WN, hat einen Vorschlag für Gaucks Nachfolge: Außenminister Frank-Walter Steinmeier. "Große Fußstapfen" hinterlasse Gauck, der für ein liberales und weltoffenes Deutschland stehe, so Karl.

Albert Rupprecht, CSU-Bundestagsabgeordneter aus Weiden resümiert, dass Gauck "immer im Einsatz für Freiheit und eine offene Gesellschaft" sei. Gauck habe seiner Meinung nach im In- und Ausland einen großartigen Dienst für Deutschland geleistet. Für Spekulationen über den nächsten "Steuermann", bleibe noch genügend Zeit.
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