Rege Diskussion über Zukunft des Keramik-Museums
CSU stellt richtigen Antrag zur falschen Zeit

Der Freistaat eröffnete das Keramikmuseum vor nunmehr 26 Jahren im "Waldsassener Kasten". Finanziert wird es aber von der Stadt. Noch. Denn das Stadtsäckel ist leer. Was also tun? Die CSU stellte nun einen entsprechenden Antrag im Stadtrat, votierte für eine Fusion mit der im gleichen Gebäude liegenden Regionalbibliothek. Dafür erntete sie viel Lob, aber auch harsche Kritik. Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
27.07.2016
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"Mit Keramik-Museum und Regionalbibliothek werden wir nie Gewinne machen", sagt OB Kurt Seggewiß. Aber das Defizit kann sinken. Wie das geht, will die CSU wissen: Die Institutionen müssen verstärkt zusammenarbeiten, ein Konzept dafür muss her. Der Vorschlag kommt an im Stadtrat. Nur einer warnt, der Plan kann nach hinten losgehen.

Auch wenn das Jubiläumsjahr 2015 für das Keramik-Museum mit mehr Besuchern und Einnahmen alles in allem ein großer Erfolg war (siehe Infokasten), wie Personaldezernent Reiner Leibl in der Stadtratssitzung sagt: Das Defizit der Einrichtung (minus 213 000 Euro) hat sich trotzdem kaum verringert, stellt SPD-Fraktionschef Roland Richter kritisch fest. Genau an dieser Stelle setzt der Antrag der CSU an.

Demnach soll die Zusammenarbeit zwischen Museum und Regionalbibliothek intensiviert werden, über einen gemeinsamen Eingang, gemeinsame Öffnungszeiten und Aktionen nachgedacht werden. Vielleicht kann auch das Maria-Seltmann-Haus bei einem Konzept "Kultur-Scheibe" miteinbezogen werden, regt CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch an.

Antrag zur falschen Zeit


Erarbeiten soll das Konzept eine Arbeitsgruppe, wie es sie bereits für das Keramikmuseum gibt. Allerdings ergänzt um Stadträte und die Verantwortlichen der Institutionen. Das Ziel der Fusion: Einsparungen durch konzeptionelle Änderungen - und nicht nur durch Projekt-Fördergeld - zu generieren, hofft Pausch. Denn die vertragliche Bindung mit der Neuen Sammlung München, dessen Zweigstelle das Museum ist, laufe 2016 aus. "Scheitern die Nachverhandlungen, müssen wir zumachen. Das wollen wir keinesfalls."

Sei's drum, findet SPD-Fraktionschef Roland Richter und erinnert an einen Grundsatzbeschluss vom Dezember 2013. Danach stimmten die Stadträte unter dem Spardruck einstimmig dafür, den auslaufenden Vertrag zu kündigen und neu zu verhandeln. "Damals waren wir uns einig, das ist eine Riesenchance, Einfluss zu nehmen." Der Freistaat solle ein Teil des Defizits fürs das Museum übernehmen, "in dem ohne einen Anruf in München nicht mal eine Vase verrückt werden darf". Beidseitig zu fahren, sei keine klare Linie. "Der Antrag kommt deshalb ein halbes Jahr zu früh." Er müsse vertagt werden. Die Arbeitsgruppe aber könne durchaus zusammenkommen.

Gisela Helgath (Grüne) widerspricht: "Der Antrag kommt zur rechten Zeit." Denn aufgeschreckt vom Spardruck habe sich im Stadtteil Scheibe viel getan. "Die Keramischen" gründeten sich. Stadtteilfeste unter dem Motto "Drehscheibe der Kulturen" habe es gegeben. Auch Grünen-Kollege Veit Wagner sagt: "Ich schätze diesen Antrag. Kultur kostet nunmal, aber Kultur in der Provinz braucht es. Deshalb müssen wir eher über Defizitverringerung reden." Lothar Höher macht dabei wenig Hoffnung auf Unterstützung aus München: "Es gibt 27 Zweigmuseen in Bayern. Unterstützt der Freistaat eines, muss er bei allen ran."

Genau diese Unterstützung aber habe sich Nürnberg erkämpft, weiß Dr. Mattias Holl. Seither zahle München für das Staatsorchester in der Frankenmetropole. "Ich wünsche mir hier mehr Beharrlichkeit", sagt der SPD-Stadtrat, der zwei Dinge grundsätzlich feststelle: Erstens habe er nichts gegen eine Fusion der Einrichtung. Sparen werde sich die Stadt dadurch aber nichts. Vielmehr steigen so die Personalkosten, vermutet Holl. Deshalb pocht er zweitens darauf, endlich eine Grundsatzentscheidung zu treffen, ob Weiden dieses Museum nun will oder nicht - mit allen Konsequenzen, sprich: Kosten.

Diskussion um Kündigung


Gegen sechs Stimmen (Richter, Gabi Laurich und Gerhard Bolleiniger von der SPD sowie drei von der Bürgerliste) sprach sich das Gremium für die Erarbeitung eines Konzepts in einer erweiterten Arbeitsgruppe aus. Im März soll es den Stadträten vorgestellt werden. Ob bis dahin der Vertrag gemäß des Grundsatzbeschlusses gekündigt wird, blieb unklar. Vor allem auch deshalb, weil Personaldezernent Leibl erst die Kündigungsfristen prüfen muss.

So lief das Jubiläumsjahr des Keramik-MuseumsEin Jahr lang hat das Internationale Keramik-Museum seinen 25. Geburtstag gefeiert. 88 Veranstaltungen stemmten der Freundeskreis "Die Keramischen", die Neue Sammlung München und die Stadt in dieser Zeit. Das hat rund 6500 Besucher angesprochen, informiert Personaldezernent Reiner Leibl am Montag im Stadtrat.

Damit habe sich die Zahl der Besucher im Vergleich zu 2014 um gut 1500 erhöht. "Und dies trotz der Erhöhung von Eintritts- und Führungsgebühren."

Deutlich gestiegen sei auch die Resonanz von Weidener Schulklassen nach Einführung der Eintrittsgebühren. So nahm das Museum durch Eintritte und Führungen rund 8000 Euro ein.

Ein großes Kompliment sprachen Leibl sowie die Stadträte in diesem Zusammenhang dem Freundeskreis "Die Keramischen" aus. Er habe hervorragende Öffentlichkeitsarbeit geleistet und personelles Engagement gezeigt. (mte)


Ich wünsche mir mehr Beharrlichkeit.Dr. Matthias Holl (SPD) zum Grundsatzbeschluss, Neuverhandlungen mit dem Freistaat über die Übernahme von Kosten im Keramik-Museum zu führen
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