Rio-Krwall: Angeklagter steht wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Polizisten vor Gericht
Brutaler Drogenrausch

Das "Rio", Linken-Treff in einem Rückgebäude in der Asylstraße. (Bild: Götz)

"Unendlich leid" tue ihm die Sache, beteuerte der Angeklagte. Seit Mittwoch steht der 28-Jährige vor Gericht. Angeklagt ist er unter anderem des versuchten Totschlags: Mit einem Stuhl hatte er auf einen Polizisten eingeschlagen.

Mit einem ausführlichen Geständnis begann der Angeklagte am Mittwoch die Verhandlung vor dem Schwurgericht. Oberstaatsanwalt Rainer Lehner warf ihm vor, Ende Februar einen Polizisten mit einem Stuhl dermaßen traktiert zu haben, dass dieser zu Bruch ging. Nun musste sich der 28-Jährige wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung an einem Vollzugsbeamten verantworten.

Wegen Ruhestörung und einer Schlägerei waren die Polizisten in den frühen Morgenstunden ins "Café Rio" in der Asylstraße 11 gerufen worden, einen Treff linksorientierter junger Leute. Die Beamten nahmen einen aggressiven jungen Mann fest. Sie mussten ihn zu Boden bringen und fixieren, nachdem er mit einer Flasche auf sie losgegangen war. Während der Festnahme traktierten mehrere Gäste die Gesetzeshüter. Die Auseinandersetzung eskalierte: Der Angeklagte schnappte sich einen Holzstuhl und zog ihn dem Polizeihauptmeister über den Kopf.

Zwei heftige Schläge

Den ersten Schlag wehrte der Beamte mit dem Unterarm ab. Als der damals 27-Jährige zum zweiten Mal ausholte und den Polizisten am Kopf und im Nackenbereich traf, bewahrte ihn nur seine Schutzweste vor schwersten Verletzungen. Der Beamte trug Prellungen und Schürfwunden davon, war zwei Wochen dienstunfähig.

Vor Gericht berichtete der Angeklagte, dass er den ganzen besagten Tag über Bier getrunken, Crystal geschnupft und gekifft habe. Nach einer Musikveranstaltung im Jugendzentrum sei er zur "After-Show-Party" ins "Rio" gegangen. Aus "irgendeiner Intention heraus" habe er mit dem Stuhl zugeschlagen, als er "einen Kampf" bemerkt habe.

Als er sich vergegenwärtigt habe, dass er etwas Schreckliches getan hatte, sei er geflüchtet, habe sich in einem benachbarten Keller versteckt und bei einem Bekannten übernachtet. Zusammen mit vier Bekannten sei er tags darauf, auf Anraten einer Psychiaterin, ins Bezirksklinikum Regensburg gefahren.

Weniger erfreulich als das offene Geständnis des Weideners waren die Zeugenaussagen einiger seiner Freunde. Sie beriefen sich auf Erinnerungslücken, wollten bei Gesprächen nichts gehört haben und erzählten - wie schon in ihren Aussagen bei der Polizei - völlig Unglaubhaftes. Bei der Aussage einer 26-Jährigen, die offensichtlich und beharrlich log, platzte Landgerichtspräsident Walter Leupold der Kragen. Er drohte ihr eine lange Freiheitsstrafe an. Drei Sympathisanten im Gerichtssaal, die ihre Missachtung mit Gelächter und Lachen kund taten, ließ Leupold kurzerhand aus dem Saal entfernen.

Fortsetzung am 24. 10.

Die Einvernahme weiterer Zeugen - eines Mitbewohners bis zum Tag der Festnahme sowie weiterer Bekannter - erbrachte, dass der Angeklagte höchstwahrscheinlich ein Drogen- und Alkoholproblem hat. Der Prozess wird am 24. Oktober fortgesetzt.
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