Ruf nach starkem Staat

Rainer Wendt zeigt an, wo es seiner Meinung nach langgehen sollte. Der Autor von "Deutschland in Gefahr" stellte sein Buch bei einer Lesung in der Buchhandlung "Stangl & Taubald" vor. Bild: man
Politik
Weiden in der Oberpfalz
30.09.2016
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Er ist ein flotter Fahrer und ständig unterwegs. Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, hat deshalb schon ein paar Strafzettel kassiert. Damit kann er leben, das lächelt er weg. Der 59-Jährige kann auch herzhaft über Polizisten-Witze lachen, "wenn sie gut sind". Aber dann ist für ihn langsam Schluss mit lustig.

"Wir brauchen einen starken Staat", sagt Rainer Wendt im Brustton der Überzeugung. Denn die Lage ist ernst. Und zwar so ernst, dass er ein Buch geschrieben hat mit dem Titel "Deutschland in Gefahr". Es sind 189 diskussionswürdige Seiten geworden, die dem gebürtigen Duisburger aktuell Platz zehn in der Spiegel-Bestsellerliste bescheren. Sogar auf Rang vier war sein Werk schon geklettert, das der ehemalige Hauptkommissar bei seiner bundesweit ersten - und vorläufig einzigen - Lesung am Mittwochabend in der Buchhandlung "Stangl & Taubald vorstellte. Der Autor hat offenbar einen Nerv getroffen. Über 80 Gäste lauschten dem Auftritt des Medien-Profis. Polizisten waren darunter, Rentner, Akademiker, Arbeiter, Angestellte - und auch ein paar bekennende Fans der "Alternative für Deuschland". In diese Ecke will sich Wendt nicht stellen lassen: "Die AfD ist nicht meine Partei. Ich bin Mitglied der CDU, die von Werten getragen wird und nicht von Protest."

Prozess gegen AfD


Auch wenn argumentativ durchaus Schnittmengen mit der Gefolgschaft Frauke Petrys bestehen, wehrt sich Wendt gegen Vereinnahmung und hat sogar einen Prozess gegen die Bundes-AfD geführt - und gewonnen. Diese hatte mit dem Konterfei des Polizei-Gewerkschafters ihre Facebook-Seite geschmückt. Das Bild musste wieder entfernt werden.

Rainer Wendt will eine schlagkräftige Polizei und eine effiziente Justiz, die Straftäter auch mal lieber wegschließt, statt ihnen immer wieder Bewährung zu geben. Damit der Staat seine Schutzfunktion gegenüber dem Volk wieder pflichtgemäß ausüben könne, müsse für den personellen Aufschwung ganz viel Geld in die Hand genommen werden - auch für Kindergärten, Schulen, Finanzämter und andere Einrichtungen der Daseinsvorsorge.

"Wenn es uns nicht gelingt, unsere Kitas zu stärken, werden wir unsere Jugend nicht zu rechtstreuen Menschen erziehen", sagt der fünffache Vater. Auch in den Schulen liege Vieles im Argen: Gebäude verkommen, Lehrer würden von Anwaltskindern untergebuttert. "Ja, sind wir denn im Irrenhaus, wenn Nachsitzen schon als Freiheitsberaubung gewertet wird?" "In Sachen Integration", sagt Wendt, "haben wir's bisher gründlich vermasselt." 1,5 bis 2 Millionen Menschen kämen ins Land, und der öffentliche Dienst baue massiv Personal ab: "Was muss man eigentlich geraucht haben, um zu glauben, dass das klappt?" Verständnisvolles Nicken im Publikum auch bei der Feststellung, dass der Staat in der Flüchtlingskrise einen "Kontrollverlust" erlitten habe. "Merkwürdigerweise haben viele Ankommende ihr wertvolles Handy gerettet, aber ihren Pass verloren."

Seit der berühmten Silvesternacht in Köln sei auch wieder ein besonderer "Politiker-Sprech" in Mode gekommen. Wieder einmal werde allseits die "volle Härte des Rechtsstaats" gefordert, Verurteilungen gebe es in der Folge kaum. Überhaupt sei das mit der Sprache so eine Sache. Wer mit Zäunen flankierte Transitzonen zur Feststellung der Identität fordere, werde gleich mit dem Vorwurf belegt, er sei für Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl.

"Wir brauchen mehr Personal und müssen es auch richtig einsetzen", bilanziert der Sprecher für das gesamte Aufgabenspektrum der Polizei - von der Geschwindigkeitskontrolle über häusliche Gewalt bis hin zur organisierten Kriminalität. "Der Staat muss sich wieder zu seinen Mitarbeitern bekennen."

Spende für Kollegen


Zu seinen eigenen Kollegen bekennt sich Wendt auf besondere Weise. Er spendet sein Buchhonorar der Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft, die Erholungsheime für Beamte betreibt, die im Dienst schwer verletzt oder traumatisiert wurden. Nicht nur für diese Geste gab es an diesem Abend freundlichen Applaus.

Die AfD ist nicht meine Partei. Ich bin Mitglied der CDU, die von Werten getragen wird und nicht von Protest.Rainer Wendt


Die Polizei bekommt alles vor die Füße geworfen, was an gesellschaftlicher Fiktion schiefgegangen ist.Rainer Wendt


"Kanzlerin nicht geisteskrank""Ich sehe nicht, dass die Politik die Zeichen der Zeit überall erkannt hat", antwortete Rainer Wendt auf die Frage aus dem Publikum, ob er im Handeln von Vater Staat eine Trendwende erkennen könne. Der 59-Jährige redete des Weiteren einem Integrations-Ministerium das Wort, um der Lage endlich Herr zu werden. Dass er innerparteilich häufig in Opposition zu Angela Merkel stehe, hebt das "leidenschaftliche CDU-Mitglied" sogar hervor. Aber dann geht es ihm doch entschieden zu weit, als Roland Magerl , Betriebsratsvorsitzender von BHS Corrugated und AfD-Kreisvorsitzender, der Kanzlerin wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage "Geisteskrankheit" attestiert. Diesen Einwurf wies Wendt scharf zurück. (man)
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