Schätzlerbad muss ohne Extrazuschuss von Stadt im Juli schließen
Kurz vor dem Untergang

Besucherrekord im Schätzlerbad 2015. Das freute den Schwimmverein Weiden 1921 eV als Betreiber natürlich, trieb aber auch die Kosten in die Höhe. Am Ende brauchte es eine Extra-Zahlung von der Stadt in Höhe von 100 000 Euro. Und auch für 2016 reicht der veranschlagte Betriebskostenzuschuss voraussichtlich nur bis Juli, dann muss das Bad schließen. Außer, die Stadt schießt nochmal 50 000 Euro nach. Archivbild: Hartl
Politik
Weiden in der Oberpfalz
20.04.2016
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Noch bevor das Schätzlerbad am 1. Mai öffnet, schwant dem Schwimmerverein als Betreiber, dass es bereits im Juli wieder schließen muss. Es sei denn, die Stadt stockt den Betriebskostenzuschuss auf. Schon wieder. Die Mitglieder des Finanzausschusses sollen die Zusatzmittel bewilligen. Nur: Keiner kann sich so recht dafür begeistern.

Den Offenbarungseid leisteten die Verantwortlichen des Schwimmvereins (SV) bereits im Februar bei Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, verrät dieser am Dienstag im Finanzausschuss. Seither war klar: Der nach langem Ringen im Oktober 2014 vom Stadtrat gewährte, auf 500 000 Euro gekürzte Betriebskostenzuschuss für 2016 reicht bestenfalls für einen Badebetrieb bis Mitte oder Ende Juli. Es braucht 50 000 Euro extra, um die vorzeitige Schließung zu verhindern, erklärt Stadtkämmerin Cornelia Taubmann im Finanzausschuss - und fragt dessen Mitglieder: "Stocken wir auf oder nicht?"

Ein Mitglied zieht sich bei der Diskussion zwangsweise aus dem tagenden Stuhlkreis zurück auf die Zuhörerbank: Bürgerlisten-Stadtrat Reinhard Meier. Als Vorsitzender des Schwimmvereins ist er Betroffener - und damit nicht stimmberechtigt.

Hin- und hergerissen in der Sache ist die SPD-Fraktion, erklärt Chef Roland Richter: "Einerseits stehen wir uneingeschränkt zum Schätzlerbad und wollen den Badebetrieb für die volle Saison. Andererseits stehen wir aber auch zur Haushaltskonsolidierung." Nochmal 50 000 Euro für den Schwimmverein: "Das ist im Sportbereich schwer zu kommunizieren."

Einmalig zweimalige Zahlung


Obendrein sei bereits 2015 ein einmaliger Zuschuss für das Schätzlerbad von 100 000 Euro nötig gewesen. "Also würden wir heuer einmalig die zweimalige Sonderzahlung genehmigen", führt Richter das Dilemma der Entscheider vor Augen. Sein Fazit: "Wir stellen die 50 000 Euro zur Verfügung, appellieren aber eindringlich an die Verantwortlichen, weiter an den Kosten zu arbeiten. Es muss hier mehr Transparenz her."

"Jetzt werden wir schon wieder angehalten draufzulegen", wettert CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch. Er weist auf den von der Regierung verordneten Konsolidierungskurs, auf die draußen schwer vermittelbare Ungleichbehandlung der Sportvereine und auf seine Angst hin, dass die 50 000 Euro dem SV nicht mal reichen werden, um wenig später doch einzulenken. Die Sache muss grundsätzlich diskutiert werden, die Stadt braucht Planungssicherheit, fordert Pausch. "Aber ich kann mich damit anfreunden, heuer die 50 000 Euro mitzutragen." Nur, die CSU-Fraktionsmeinung vertrete er damit nicht.

Das macht CSU-Kollege Markus Bäumler deutlich. Er spricht von Daumenschrauben, die man dem SV anlegen muss: "Wenn nichts fruchtet, muss man darüber nachdenken, den Betrieb komplett an die Stadtwerke zu übergeben. Ich bin der Meinung, die kriegen das zu den Kosten hin."

Widerspruch setzt es da seitens des OB: "Ich glaube nicht, dass die Stadtwerke in der Lage sind, das ,Schätzler' zu betreiben." Die Stadtwerke würden zwar ihr technisches Know-how einbringen, haben ein Blockheizkraftwerk installiert, liefern Strom, Gas und Personal. Der SV als Betreiber arbeite aber unter Finanzbeamten Reinhard Meier auch sehr gewissenhaft: "Es gab immer belegbare Zahlen, Daten und Fakten für den Finanzbedarf."

Aktuell argumentiert der SV mit höheren Kosten für Strom, Wasser und Personal wegen der gestiegenen Zahl der Badegäste (plus 32 000 gegenüber dem Entscheidungsjahr 2014) sowie durch Lohnerhöhungen. Zudem bahne sich nach vier zurückhaltenden Jahren ein Investitionsstau für die Beckenbäder an.

Einstimmiges "Ja, aber"


Also was tun? Für OB Seggewiß ist das keine Frage: "Denn das hält kein Stadtrat und auch kein Oberbürgermeister aus, wenn wir die 50 000 Euro nicht zahlen und das Schätzlerbad macht mitten im Sommer zu." Am Ende sahen es alle ähnlich. Stimmte das Gremium doch trotz aller Kritik einstimmig für den Vorschlag des Grünen-Stadtrats Karl Bärnklau: Ja, die 50 000 Euro für den Schwimmverein sollen am Montag in den Nachtragshaushalt eingestellt werden. Zugleich aber wird der SV aufgefordert, ein Konzept vorzulegen, nach dem der Betriebskostenzuschuss in Höhe von 500 000 Euro künftig ausreichend ist.

Wer aber hofft, damit ließen sich die Wogen glätten, irrt. OB Seggewiß warnt Sekunden nach der Abstimmung, dass das mit dem Konzept nicht funktionieren wird, "weil es schließlich bereits jedes Jahr ein fundiertes Zahlenkonzept gegeben hat".

Badespaß beginnt am Tag der Arbeit

Der erste Tag der Schätzlerbad-Saison fällt heuer auf einen Sonntag: Am 1. Mai eröffnet das Freibad in der Mooslohe erstmals seine Pforten für Badegäste. Der letzte Badetag wird am 15. September sein.
Das hält kein Stadtrat und auch kein Oberbürgermeister aus, wenn wir dem Schwimmverein die 50 000 Euro nicht zahlen und das Schätzlerbad macht mitten im Sommer zu.OB Kurt Seggewiß
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