Schlachthofvilla bezugsfertig

Mit Stockbett, Spind und Schreibtisch: Dezernent Hermann Hubmann (links) und Jugendamtsleiterin Bärbel Otto (Vierte von links) eröffneten am Freitag ein Übergangsheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Betrieben wird die Einrichtung von der Stadt selbst. Leiterin ist Erzieherin Renate Griswold (Dritte von links), die von vier Mitarbeitern unterstützt wird. Bild: ca

Erwachsene Flüchtlinge kommen in Erstaufnahmeeinrichtungen. Sind unbegleitete Jugendliche darunter, muss sich die Stadt kümmern. 67 Minderjährige leben aktuell unter den Fittichen des Jugendamts. Für künftige Neuzugänge eröffnete die Stadt am Freitag ein Übergangsheim in der ehemaligen Schlachthof-Villa.

(ca) Im Parterre können jetzt 14 junge Männer zwischen 14 und 17 Jahren einziehen, untergebracht in 4- bis 6-Bett-Zimmern, dazu Wohn- und Esszimmer mit gebrauchter Küche. Im ersten Stock (früher Elternzentrum "Mobile") leben zwei afghanische Flüchtlingsfamilien. Im zweiten Stock ist der Oberpfälzer Waldverein beheimatet, der mit den Untermietern so gut auskommt, dass er einen Freifunkknoten für das vereinseigene Wlan eingerichtet hat.

Neu ist, dass die Stadt selbst die Einrichtung für die UMFs (Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) betreibt. Bisher vergab man das an Träger, beispielsweise die Dr. Loew Soziale Dienstleistungen. Nur: Den Trägern fehlen inzwischen die Fachkräfte. Der Markt ist leer gefegt, sagt Jugendamtsleiterin Bärbel Otto. Aus diesem Grund verschiebt sich auch die Eröffnung einer UMF-Wohngruppe in der Mooslohstraße, die für nächste Woche geplant war.

Betreuer über Nacht da

In der alten Schlachthof-Villa sind es jetzt städtische Mitarbeiter, die sich kümmern. Die Leitung übernimmt die neue Kraft Renate Griswold, eine Erzieherin mit langjähriger Berufserfahrung. Sie wird unterstützt von vier Hilfskräften. Morgens, abends und nachts ist immer ein Betreuer vor Ort. Dazu wurde ein separates Einzelzimmer eingerichtet.

Tagsüber wird von den jungen Flüchtlingen niemand zu Hause sein: Wer am Wochenende ankommt, sitzt nach dem Gesundheitscheck schon am Montag im Deutsch- und Orientierungskurs. Den Kurs hält die gfi, Tochter des beruflichen Fortbildungszentrums bfz. Es folgt ein "Clearing-Gespräch" durch das Jugendamt: Will der Jugendliche zu Verwandten? Dann wird bei der Familienzusammenführung geholfen. Bleibt er, wird je nach Selbstständigkeit eine Folgeeinrichtung gesucht (Pflegefamilie bis betreutes Wohnen).

Es ist möglich, dass schon am Wochenende die ersten Betten belegt werden. "Man kann sich hier wohlfühlen", betonte Jugendamtsleiterin Bärbel Otto am Freitag bei einem Rundgang mit Dezernent Hermann Hubmann. Die Zimmer sind hoch: ideal für Stockbetten. Die Jungs dürfen sich auf einen Kicker freuen, der noch geliefert wird. Ein Schachbrett ist auch vorhanden: In der Notunterkunft in der Berufsschulhalle ist das "Spiel der Könige" sehr beliebt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.