Schmerzen beim Personal
Kliniken-Beschäftigte klagen über Belastungen und weniger Geld

Politik
Weiden in der Oberpfalz
21.01.2016
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Unter den Beschäftigten der Kliniken Nordoberpfalz AG brodelt es. Einerseits arbeiten sie oft bis zur Erschöpfung, andererseits hatten sie zum Jahresende einige Hundert Euro weniger in der Lohntüte. Vorstand Josef Götz zeigt vollstes Verständnis für den Ärger.

Was die immense Arbeitsbelastung angeht, kann der Kliniken-Chef sogar etwas Entwarnung geben. So sind im gerade zu Ende gegangenen Jahr 60 neue Stellen "im Bereich des Patienten" geschaffen worden. Und für 2016 sieht der Wirtschaftsplan weitere 40 bis 45 dieser Stellen vor. Bei einer Klausurtagung am Wochenende muss er allerdings vom Aufsichtsrat noch abgesegnet werden. Götz gibt die Richtung vor: "Wir müssen nachsteuern."

Anonyme Klage


Mitarbeiter der Kliniken AG haben sich vor wenigen Tagen an den "Neuen Tag" gewandt. Sie wollen auf die für sie unbefriedigende Situation aufmerksam machen. Anonym. Aus Angst vor Repressalien trauen sie sich nicht, ihre Namen zu nennen. Vorstand Götz setzt sich trotzdem mit den Vorwürfen auseinander. Bei der neuesten Krankenhausreform habe man, auch mit Hilfe der hiesigen Abgeordneten, das Schlimmste verhindert. Aber eine wesentliche Verbesserung habe man auch nicht erreicht. Das heißt, und so beschreiben es die Mitarbeiter, dass in vielen Abteilungen absolute Personalknappheit herrscht, dass Teile des Personals wegen des Sparzwangs "bis zur physischen und psychischen Erschöpfung ausgenutzt werden". Dazu komme, dass die Mitarbeiter immer wieder bei negativen Betriebsergebnissen Abstriche beim Dezembergehalt (Weihnachtsgeld) hinnehmen müssen, Im aktuellen Fall wurden 2,1 Prozent des Jahresbruttoeinkommens abgezogen. Götz rechnete gegenüber dem "Neuen Tag" selbst vor, dass dies bei einer Krankenschwester im Durchschnitt 350 Euro netto ausgemacht habe.

Projekt 2020 gebeugt


Getoppt werden soll dies noch durch das "Darlehen der Mitarbeiter an die AG" zur Verbesserung der Liquidität. Betriebsrat und Gewerkschaften scheinen sich dem "Projekt 2020" zu beugen, mutmaßen die Beschäftigten.

Alle im Tarif halten


Götz sieht die Probleme, verweist aber auch darauf, dass seit der Gründung der AG 2006 die Zahl der Vollzeitstellen von 1806 auf 2036 zugenommen habe. Zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, eine davon Verdi-nah, hätten festgestellt, dass die AG das einzige Unternehmen in Deutschland sei, in dem es weder Outsourcing noch Gründungen von Tochtergesellschaften mit Niedriglohnniveau gebe. "Wir wollen alle im Tarif halten." Auch das Reinigungs- und das Küchenpersonal. Das habe auch zur Folge, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Auslagerungen gebe.
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