Schnaittenbacher Bluttat: Opfer laut Staatsanwalt "abgeschlachtet und niedergemetzelt"
"Sie hatte keine Chance"

War es wirklich so, dass der Gelegenheitsarbeiter Hermann K. durchdrehte, als ihm seine Frau in der gemeinsamen Schnaittenbacher Wohnung intime Einzelheiten aus der Beziehung zu ihrem elf Jahre jüngeren Liebhaber schilderte? Oder hatte er das in der Nacht zum 11. Februar 2014 geschehene Kapitalverbrechen geplant und es dann sehr bewusst mit 53 Messerstichen ausgeführt? Das Amberger Schwurgericht ist um die juristische Einordnung des gewaltsamen Übergriffs nicht zu beneiden. Denn der vom Gesetzgeber her vorgegebene Strafrahmen geht bei Mord oder Totschlag im Affekt weit auseinander.

Für den Leitenden Oberstaatsanwalt Harald Riedl bestand am achten Prozesstag kein Zweifel: "Es war Mord." In seinem Plädoyer, das eineinhalb Stunden in Anspruch nahm, schilderte Riedl die Geschehnisse vor, während und nach der Bluttat detailliert. Er beschrieb, dass sich die 38-jährige Heike K. von ihrem Mann unbedingt trennen wollte, die Beziehung zu einem anderen Mann aufbaute und dann am späten Abend des 11. Februar 2014 noch einmal in die gemeinsame Wohnung kam.

Was der angeklagte Gelegenheitsarbeiter dort in Szene setzte, hielt Riedl für geplant und mit den Mordmerkmalen der niederen Beweggründe versehen. "Wir haben von Beginn der Ermittlungen an zahlreiche Varianten von ihm gehört", sagte Riedl und fuhr fort, dass Hermann K. die Dinge "immer mehr in ein für ihn günstiges Licht zu rücken versuchte". Das alles sei zulasten seiner Ehefrau geschehen.

Wesentlich erschien dem Leitenden Oberstaatsanwalt ein Satz, den der 47-Jährige nach dem Verbrechen vor dem Haus an der Rosenbühlstraße in Schnaittenbach von sich gab. Er lautete: "Das macht man mit Leuten, die lügen und betrügen." Ein "Blackout", wie von Hermann K. ins Feld geführt, stehe da nicht zur Debatte. Noch einmal führte Riedl den Richtern danach vor Augen: "Was er uns erzählte, wurde immer absurder."

Zum Beispiel auch, dass ihn seine Frau mit einem Messer bedroht, ja sogar angegriffen habe. Zur Tat seien vier Messer verwendet worden. Hermann K. habe sie der Reihe nach aus der Küchenschublade geholt. "Er ging zielgerichtet vor", resümierte Riedl und hielt den 47-Jährigen für schuldfähig. Die Frau sei regelrecht "abgeschlachtet und niedergemetzelt" worden. "Sie hatte keine Chance." Deswegen, so der Leitende Oberstaatsanwalt, müsse das Schwurgericht von Mord ausgehen. "Und darauf steht lebenslang."

Dem Antrag auf eine lebenslange Haftstrafe schloss sich die Nebenklagevertreterin Ilka Lang-Seifert aus Weiden an. Für die Schwester und die Mutter des Opfers sprechend, sagte sie: "Dieser Mann ist gefährlich." Er habe zuvor schon andere gequält. Dann fragte die Anwältin: "Wieso sollte er damit aufhören, Menschen zu schikanieren?" Deswegen müsse besonders die Familie von Heike K. "vor seiner Grausamkeit geschützt werden".

Die Bewertung von Verteidiger Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn (Weiden) sah völlig anders aus. Er deutete auf seinen Mandanten und sagte: "Seine Botschaft an das Gericht lautet: Ich bin kein Mörder." Danach beleuchtete der Anwalt die ehelichen Auseinandersetzungen detailliert, sah seinen Mandanten in der Rolle eines Gatten, der kurz vor der Tat von einem Nebenbuhler erfahren habe und unterstrich: "Er wollte Klarheit." Dann seien die Geschehnisse aus dem Ruder gelaufen.

Hermann K. weise einen Tötungsvorsatz von sich, ließ der Verteidiger erkennen und schloss sich dieser Auffassung an. "Er wollte ihr nur einen Denkzettel verpassen", zeigte sich Schnupfhagn überzeugt und fügte hinzu, es sei eine "spontane Tat gewesen". Deswegen müsse das Verbrechen als "minderschwerer Fall des Totschlags" gewertet werden. Dafür seien acht Jahre Haft ausreichend.

Der sich ansonsten sehr lautstark einmischende Hermann K. bekam das Schlusswort. Plötzlich weinte er und sagte nur einen Satz: "Ich wollte meine Frau nicht töten." Das Urteil wird am Freitag verkündet.
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