Schockbilder auf Zigarettenpackungen
Ekelfotos ohne großen Effekt

In Thailand zeigt eine Frau Zigarettenpackungen mit drastischen Bildhinweisen auf die Gesundheitsgefahr durch das Rauchen. Auch in Deutschland kommen Schachteln mit Schockbildern bald in den Handel. Bild: dpa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
28.05.2016
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Verfaulte Zähne, Löcher im Kehlkopf, Raucherbeine. Seit dem 20. Mai müssen Zigarettenschachteln mit Schockbildern bedruckt werden. Ein ekliger Anblick, der die Menschen vom Rauchen abhalten soll. An der Wirkung zweifelt nicht nur die Tabakindustrie.

Laut einer EU-Richtlinie müssen die Schockbilder zwei Drittel der Verpackungsfläche abdecken. Auf beiden Seiten. Unsere Zeitung hat Raucher, Mediziner und Vertreter der Tabakbranche gefragt: Bringen die Bilder etwas?

Der Raucher

"Des is mir wurscht. Oder wie's der Lateiner sagen würde: Das tangiert mich nur peripher." Wenn die Schockbilder auf die Zigarettenpackungen kommen, wird Manfred Zapfl weiter rauchen. Der 60-Jährige steht vor dem Café Frieden in der Weidener Altstadt und zieht genüsslich an seiner Kippe. Der Pensionär aus Weiden findet die Schockbilder zwar "abartig und ekelerregend", glaubt aber nicht, dass sie Menschen vom Rauchen abbringen. "Wer raucht, der weiß, dass das nicht gesund ist. Das weiß ich auch." Zapfl setzt zum nächsten Zug an.

Er rauche seit über 40 Jahren, bleibe aber "am Tag unter einer Schachtel". Die Bilder machen ihm zwar nichts aus, aber fair findet er sie nicht: "Das ist keine gute Lösung. Es sollte was getan werden, aber nicht auf diese Art." Die Bilder würden die Raucher nur weiter ächten. "Warum hackt man immer auf den Rauchern herum? Wer rauchen will, soll rauchen." Falls ihn die Bilder doch stören sollten, hat Zapfl bereits eine Lösung: "Kann sein, dass ich mir dann ein Lederetui für die Schachtel kauf."

Der Mediziner

Dr. Roland Brey vom Gesundheitsamt Amberg-Sulzbach geht davon aus, dass mit solchen Bildern bei Rauchern kein großer Effekt erzielt werde: "Rauchen ist keine rationale Sache. Raucher blenden die Bilder einfach aus, die nehmen das gar nicht wahr." Die Fotos sind zwar effektvoll, doch die meisten Raucher wird das nicht beeindrucken, sagt Brey. "Das ist eine Sucht, und ob solche Bilder wirklich motivieren, mit dem Rauchen aufzuhören, ist zu bezweifeln."

Roland Brey hält die Schockbilder dennoch für eine gute Sache - "gesamtgesellschaftlich". Obwohl diese Art der Aufklärung in Fachkreisen lange verpönt gewesen sei. Die Bilder dienten als Abschreckung für Kinder und Jugendliche. "Die kann man damit eher dazu bewegen, auf das Qualmen zu verzichten", behauptet Brey. Das helfe das Image des Rauchens weiter zu verschlechtern. "Rauchen ist gar nicht mehr so in, gerade bei jungen Menschen."

Der Produzent

British American Tobacco ist nach eigenen Angaben der drittgrößte Tabakkonzern in Deutschland. In Bayreuth produziert das Unternehmen Tabakwaren für den nationalen wie internationalen Markt. Unter anderem Lucky Strike, eine der beliebtesten Marken Deutschlands.

Ralf Wittenberg, Sprecher der Geschäftleitung, ist mit den Schockbildern nicht einverstanden: "Mit der neuen Tabakproduktdirektive wird massiv in die Rechte von Unternehmen zur Produktion und Vermarktung eines legalen Produktes eingegriffen und der Verbraucher in bislang nicht dagewesener Art und Weise bevormundet." Die Umstellung der Produktion bringe große Schwierigkeiten. "Allein in Deutschland muss die Industrie mehr als 2500 Artikel stichtagsgenau umstellen. Wir fahren Sonderschichten, haben Zeitarbeitskräfte eingestellt, unsere Zulieferer machen Überstunden. Wie die in Berlin und Brüssel das durchdrücken, ist absolut nicht nachvollziehbar", klagt Wittenberg.

Der Lobbyverband

Laut dem Deutschen Zigarettenverband existiert kein "überzeugend belegter Wirkungszusammenhang zwischen Verpackungs- und Produktgestaltung und der Entscheidung von Nichtrauchern, mit dem Rauchen zu beginnen, bzw. von Konsumenten, das Rauchen aufzugeben". Die EU-Kommission hätte bisher nicht beweisen können, dass die großflächigen Bilder gegenüber den Textwarnhinweisen besser wirken.

Der Vertrieb

Im Weidener Schreib- und Tabakwarengeschäft von Horst Blenz sind die Schockbilder noch kein Thema. Blenz glaubt, dass die Bilder nichts bewegen: "Der, der raucht, der raucht immer." Er fühlt sich an die Zeit erinnert, als die Textwarnhinweise aufkamen: "Da hat's auch geheißen, dass weniger geraucht wird. Ist aber nicht passiert." Bei den Fotowarnungen werde das genauso sein. Packungen mit Ekelbildern habe er noch nicht bekommen.

Auch bei der Paul Schmidt GmbH in Hartmannshof habe man noch keine gesehen. In der Firma heißt es: Das dauert noch. Die Hersteller hätten noch gewisse Polster. Das Unternehmen beliefert die nördliche Oberpfalz mit Zigaretten und den dazugehörigen Automaten. Bei dem Tabakhändler kann man die Politik sogar ein wenig verstehen. Die sehe sich in der Verantwortung, alle Sachen zu regulieren, die Risiken fördern. Mittlerweile wisse jeder, welche Folgen der Tabak-Konsum habe - trotzdem verzichte keiner auf seine Kippen.
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