Schwestbehinderte im Heilpädagogischem Zentrum vergewaltigt - 5 Jahre Haft für 22 jährigen
Opfer bewusst ausgesucht

Die 1. Strafkammer des Landgerichts Weiden hat einen 22-Jährigen wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Der junge Mann hatte zugegeben, sich im Sommer 2014 an einer schwerstbehinderten Mitbewohnerin im Heilpädagogischen Zentrum in Irchenrieth (Landkreis Neustadt/WN) vergangen zu haben.

Durchschnittlich intelligent

Am Freitag, dem zweiten Verhandlungstag, wurde deutlich, dass der 22-Jährige dort eigentlich nichts verloren hatte. Er ist durchschnittlich intelligent, wenn auch mit einem IQ von 84 am unteren Rand. Er leide allenfalls an einer leichten Lernbehinderung und ADHS, sagte der psychiatrische Gutachter. Eine Absencen-Epilepsie aus seiner Kindheit sei abgeklungen. Nach Einschätzung des Psychiaters ist der Angeklagte voll schuldfähig.

Auf Vergewaltigung steht ein Strafrahmen bis 15 Jahre. Dass es zu einer Verurteilung von "nur" fünf Jahren kam, hat der Angeklagte seinem Geständnis zuzuschreiben. "Eine Tat wie diese würde sich ohne Geständnis so nicht ahnden lassen", sagte Landgerichtspräsident Walter Leupold in der Urteilsbegründung.

Sogar Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf, sonst kein Freund der überstrapazierten "schlechten Kindheit", wertete zugunsten des 22-Jährigen sein desaströses Elternhaus. Ebenso Vorsitzender Richter Leupold: "Das Leben hat ihm keine Chance gelassen." Heimaufenthalte, zwei Stiefväter, Schläge, eine alkoholkranke Mutter. Dabei hätte er vielmehr besonderer Förderung bedurft. "Wenn er in behüteter Umgebung aufgewachsen wäre, würde sich sein Leben völlig anders darstellen." Leider habe der Angeklagte aus seinen eigenen leidvollen Erfahrungen keine Schlüsse gezogen. "Nein, er nutzte selbst ein armes, hilfloses Wesen aus." Das Gericht gehe nicht von einer Spontan-Tat aus. Der Angeklagte nutzte zielgerichtet die Zeit zwischen den drei nächtlichen Rundgängen des Personals.

Die nach einer Meningitis schwerst geistig behinderte Mitbewohnerin habe er sich dabei bewusst ausgesucht. Die 54-Jährige kann sich nicht äußern. "Ein Opfer, das sich kaum wehren konnte, das ihn nicht verpfeifen konnte." Das "schreit danach, in Richtung 15 Jahre zu gehen".

Einigung auf die Mitte

Verteidiger Tobias Konze hatte 4 Jahre und 10 Monate für ausreichend erachtet, Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf 5 Jahre und 3 Monate. Die Richter Walter Leupold und Markus Fillinger sowie zwei Schöffen einigten sich schließlich auf die Mitte.
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