"Sehr viel" geladen: 55-jährige Lieferantin fliegt auf - Fünfeinhalb Jahre Haft
Marihuana für München

Symbolbild: dpa
Die Bundespolizisten hatten den richtigen Riecher. "Das sehr gepflegte, teure Auto passte einfach nicht zum Erscheinungsbild der Fahrerin", berichtet eine 37-jährige Beamtin. Zusammen mit ihrem Kollegen unterzog sie das Fahrzeug einer Kontrolle auf dem Autobahnparkplatz Ullrichsberg. Aus dem Kofferraum strömte ihr süßlicher Geruch entgegen. Marihuana. Auf die Frage an die Fahrerin, welche Menge der Droge sie denn dabei habe, antwortete die Frau: "Sehr viel".

Am Donnerstag stand die 55-Jährige wegen illegaler Einfuhr von Betäubungsmitteln vor der 1. Großen Strafkammer. Zweieinhalb Kilo hatten die Beamten bei ihr sichergestellt. Dazu noch ein paar Gramm Methamphetamin - nach Angaben der Frau für ihren Eigenkonsum. Im Verhör hatte sie später zugegeben, Monate zuvor schon zwei Schmuggel-Fahrten mit jeweils einem Kilo Marihuana gemacht zu haben.

Die aus Tschechien stammende Frau lebt seit ihrer Scheidung von einem Münchener Chirurgen in der Nähe der Landeshauptstadt mit zwei Töchtern in einem Eigenheim. Das Rauschgift habe sie von einer Bekannten in Marienbad erhalten, erklärte die Angeklagte. Sie sei beauftragt worden, es an einen Türken in der Nähe von München zu übergeben. Dieser habe bei der ersten Lieferung gedroht, sie umzubringen, wenn sie jemals etwas verrate.

Bei der Wohnungsdurchsuchung waren eine Feinwaage, Kleinmengen Crystal und ein Laptop aufgetaucht, auf dem Hunderte Bilder von Hanfplantagen zu sehen waren. Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl vermutete daher, dass die Angeklagte nicht, wie behauptet, auf dem Bauernhof ihres Freundes in Tschechien mitgearbeitet habe. Vielmehr sei sie wohl in eine Organisation eingebunden gewesen, die dort Marihuana anbaut, um es in München zu verkaufen.

Im Gegensatz zu Verteidiger Jörg Meyer (Regensburg) hielt Härtl eine Einweisung der Angeklagten in eine Entzugsanstalt für nicht angezeigt. Dr. Thomas Wenske, forensischer Psychiater an der Universität Erlangen, hatte keinen zwanghaften Hang zu Drogen erkannt. Landgerichtspräsident Walter Leupold, Richter Markus Fillinger und die beiden Schöffinnnen verurteilten die gelernte Krankenschwester zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe - ein Jahr weniger, als Härtl gefordert und neun Monate mehr, als Rechtsanwalt Meyer beantragt hatte.
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