Seit Mai 2014 gilt das neue Gesetz zur Unterstützung von Schwangeren in Not: Zwei Fälle auch in ...
Rund 80 vertrauliche Geburten

Ein Neugeborenes liegt im Kreißsaal. Frauen, die ihr Kind abgeben, haben den Wunsch, dass dieses Kind in einer Adoptionsfamilie behütet aufwachsen kann, erzählen Beraterinnen. Bild: dpa
Weiden/Köln. (paa) Seit in Kraft treten des neuen Gesetzes hat es in der Oberpfalz zwei vertrauliche Geburten gegeben. Bundesweit nutzten seit 1. Mai 2014 rund 80 Frauen diese Möglichkeit. Bei der vertraulichen Geburt hat das Kind im Alter von 16 Jahren die Möglichkeit, seine Herkunft zu erfragen. Dazu werden beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben Herkunftsnachweise hinterlegt. Seit Mai 2014 waren es rund 80, teilte die Sprecherin des Bundesamtes in Köln auf Anfrage mit. Neben den zwei vertraulichen Geburten gab es im Jahr 2014 auch zwei anonyme Geburten in der Oberpfalz, sagt Hilde Forst von Donum-Vitae in Amberg.
Die Möglichkeit zur vertraulichen Geburt bezeichnet Forst als „eine wirklich gute Situation für Frauen, die jetzt nicht zu ihrem Kind stehen können“. Die Gründe für diese Zwangslage seien häufig im Umfeld zu finden. Diese Frauen würden auch die Schwangerschaft verheimlichen. Und: Für sie sei es wichtig, dass auch die Standes- und Jugendämter nichts von der Niederkunft erführen.

Häufig Gewalterfahrung

Frauen, die eine anonyme Geburt wählen, wollen, dass ihr Kind auch später nichts von seiner Herkunft erfährt. Forst erzählt, dass dies nach einer vorhergehenden Gewalterfahrung der Fall sei. Diese Frauen würden sagen: „Das kann ich dem Kind nicht erzählen.“ Alle Frauen wollten, dass ihr Kind behütet in einer Adoptionsfamilie aufwachsen könne.

Mit dem „Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt“ wurde die Möglichkeit zu einer „anonymen Geburt“ geregelt. Das neue Gesetz soll eine Antwort auf die Debatte darüber sein, wie viel Schutz und Anonymität schwangere Frauen in Notsituationen bei der Geburt ihrer Kinder brauchen oder ihnen zugestanden werden soll. Es ging und geht um eine Abwägung zwischen dem Recht des Kindes, seine Herkunft zu kennen, und dem Wunsch der Mutter nach Anonymität. Mit einer an der jeweiligen Notsituation der Schwangeren orientierten Beratung und ihrer Begleitung vor und nach der Geburt soll verhindert werden, dass ihre Not Frauen dazu treibt, ihr Kind allein zur Welt zu bringen. Das aber bedeutet Gefahren für Leib und Leben der Mutter und des Neugeborenen. Es droht auch Schlimmeres: eine verzweifelte Panikreaktion, in der die Mutter ihr Neugeborenes tötet.

Kinder ausgesetzt

Immerhin ergab die Studie „Anonyme Geburt und Babyklappen in Deutschland“, die im Jahr 2012 im Auftrag des Bundesfamilienministeriums vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) durchgeführt wurde, dass jährlich in Deutschland zwischen 30 und 35 Kinder nach der Geburt ausgesetzt werden. Zwei Drittel dieser Neugeborenen sterben.

„Das bedeutet leider auch, dass Schwangere bisher vom Hilfesystem nicht immer erreicht werden“, schreibt Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in ihrem Vorwort zur Broschüre „Vertrauliche Geburt“ ihres Ministeriums.
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