Sirenen heulen die ganze Nacht

Um der Opfer des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" zu gedenken, umschlingen seit Dienstagabend schwarze Trauerbänder die Fahnen am Rathaus von Issy-les-Moulineaux, der Partnerstadt Weidens nahe der Hauptstadt Paris. Bild: hfz

Nicht mal zehn Kilometer trennen Weidens Partnerstadt Issy-les-Moulineaux von den Redaktionsräumen des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris. Nach dem Mordanschlag am Mittwoch dort fühlt "Issy" mit. Auch weil die Stadt an einen Teil ihrer eigenen Geschichte erinnert wird.

"Das Land muss angesichts der Barbarei vereint sein." Das fordert André Santini nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin in Paris. Der Bürgermeister von Weidens Partnerstadt Issy gab zudem Order, die Fahnen am Rathaus in Issy "zu Ehren der Opfer" auf Halbmast zu setzen.

In Paris erinnert sich Alexander Bscheidl. Der Geschäftsführer von Vantage Paris - die Mutterfirma hat ihren Sitz in Weiden - erzählt: "Ich wohne nur zwei Kilometer vom Tatort entfernt. Nie hätte ich gedacht, dass in unserem guten Viertel im 11. Arrondissement mit vielen Familien eine solche Tragödie passiert." Erst im Büro erfuhr der Oberpfälzer, der seit acht Jahren in Frankreich lebt, von der Tat. "Die ganze Nacht über heulten in Paris die Polizeisirenen." Nun sagt Bscheidl: "Eine Karikatur darf nicht zwölf Menschenleben kosten." Aber die Tat habe das Wir-Gefühl der Franzosen gestärkt. Für Sonntag werden erneut große Kundgebungen erwartet. "Es gab 12 Tote. Aber es gibt in Frankreich 66 Millionen Verletzte", meint der Geschäftsführer von Vantage Paris. Mit den Mitarbeitern hielt er am Mittwoch eine Schweigeminute für die Opfer ab.

Auch die Menschen in Issy, knapp zehn Kilometer vom Anschlagort entfernt, trauern. Und sie erinnern sich. Denn schon früher gab es in Frankreich Angriffe auf Medien. Die jüngsten Vorfälle ereigneten sich ausgerechnet in Issy. Gleich zwei Mal kam es dort im November 2013 zu heiklen Situationen. So stürmte erst ein Mann mit einer Schrotflinte die Lobby des Fernsehsenders BFM TV, der in Issy ansässig ist. Er hatte es auf den Direktor abgesehen, der gerade die Post holte. Der Mann mit dem Jagdgewehr verschwand wieder. Nur drei Tage später tauchte er am 18. November andernorts wieder auf: in der Redaktion der Zeitung "Libération". Hier verletzte der Mann, der später als Abdelhakim Dekhar identifiziert und festgenommen wurde, mit einer Pistole einen Foto-Assistenten schwer. Er bezeichnete den Anschlag als einen "politischen Akt" und Journalisten als "professionelle Lügner".

Bürgermeister Santini sagt derweil über die Opfer: "Sie fielen im Namen der Freiheit." In Gedanken sei er bei deren Angehörigen und Freunden.
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