Sorge um Zukunft der Christen im Irak: Archimandrit Emanuel Youkhana fordert Eingreifen der Welt
Schutzzone für irakische Minderheiten

Seit Jahrzehnten pendelt Emanuel Youkhana zwischen Deutschland und dem Irak, um den Christen dort zu helfen. Bild: Thomas Prieto Peral
Politik
Weiden in der Oberpfalz
11.08.2014
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Von Alexander Pausch

Trotz des Vormarsches der Milizen des "Islamischen Staates" (IS) im Nordirak will Emanuel Youkhana die Hoffnung nicht aufgeben. Die Zuversicht zieht der Archimandrit der assyrischen Kirche des Ostens aus der Hoffnung auf eine internationale Intervention, und aus der Hilfe der deutschen Kirchen. Letztere unterstützen seit Jahrezehnten die Arbeit der christlichen Hilfsorganisation "Christian Aid Program Northern Iraq" (Capni), dessen Leiter der 55-jährige Priester ist.

Bedeutet das Vorrücken von IS das Ende der Christen im Irak?

Emanuel Youkhana: Auf den ersten Blick erscheint es so. Insbesondere wegen des dramatischen Kollapses der irakischen Armee in Mossul im Juni und dem Versagen der Peschmerga, die Ninive-Ebene zu schützen. Zudem werden weite Teile des Irak, etwa ein Drittel von IS kontrolliert. Wesentlich ist aber die Akzeptanz von IS und des Scharia-Staates durch die sunnitische Gesellschaft. Es sind jetzt zwei Monate vergangen, dass IS Mossul eingenommen hat und trotz deren barbarischen Handlungen gibt es keinen Widerstand der arabischen Sunniten in Mossul. Das ist ein klarer Hinweis.

Dennoch: Wenn man die katastrophalen Konsequenzen der Situation für den Irak, den Nahen Osten und die internationale Gemeinschaft in Betracht zieht, vertraue ich darauf, dass etwas unternommen werden wird, um das zu verhindern.

Jenseits von finanzieller Hilfe und Solidarität, was brauchen die Christen. Brauchen Sie militärischen Schutz?

Youkhana: Die irakische Regierung hat über ein Jahrzehnt lang darin versagt, die Christen zu schützen. Das irakische Militär ist im Angesicht von IS auseinandergebrochen. Die Peschmerga haben versagt, die Ninive-Ebene zu verteidigen, wo Christen mit Jesiden und anderen leben. Die Christen im Land können zu ihrem Schutz auf keine der verschiedenen irakischen Mächte vertrauen. Wir fordern internationalen Schutz für unsere Leute und unser Land. Es ist eine Schande, dass Militär und Gewalt die einzigen verbleibenden Optionen sind, um eine 2000 Jahre alte friedliche christlich-irakische Gemeinschaft zu schützen.

Die netten Stellungnahmen irakischer Politiker und der internationalen Gemeinschaft sind nicht dazu angetan, die leidenden und verfolgten Menschen zu überzeugen. Es ist sinnlos, wenn die Vereinten Nationen an IS appellieren, keine Verbrechen gegen andere Religionen zu verüben. Unsere Erinnerungen an das Desaster von 1991 sind noch frisch, als Millionen irakischer Kurden in die Türkei und den Iran fliehen mussten. Es war das internationale Eingreifen, nicht die Appelle, die sie geschützt haben. Ja, Gewalt ist notwendig, um ein für alle Mal eine Lösung für diesen Konflikt zu finden.

Ein Großteil ihrer Arbeit der vergangenen Jahrzehnte ist zerstört. Haben Sie noch Hoffnung?

Youkhana: Wir sind Menschen der Hoffnung. Wir leben von Hoffnung. Und wir teilen Hoffnung.

Dennoch, Hoffnung muss durch Taten gestärkt und verwirklicht werden. Ein internationales Eingreifen, um die Ninive-Ebene als eine Schutzzone zu sichern, wäre eine solche Tat. Diese würde die gemeinsame Hoffnung der Christen und Jesiden in der Region wachsen lassen.

Was unsere Bildungs-, Versöhnungs- und auch Entwicklungshilfeprogramme betrifft, denke ich, bestätigt die gegenwärtige Lage, dass wir mehr solcher Programme benötigen, wenn die gegenwärtige Krisenphase beendet ist. Ich bin sicher, unsere deutschen Partnerkirchen und -organisationen teilen diese Auffassung.

Es ist zu früh, um den Schaden an unseren Aufbauprogrammen in der Nineve-Ebene, in Telkeif, Telskuf und Sharafiya zu bewerten. Zumindest wissen wir, dass das Druckerei-Zentrum in Sharafiya nicht beschädigt worden ist, da IS nicht bis nach Sharafiya gekommen ist. Die Miliz stoppte in der Nähe, bei Telskuf.
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