Sozial schwache Wortwahl
Stadtteil herabgewürdigt: Genossen rügen CSU

"Richtiggehend geärgert" hat sich SPD-Stadtverbandsvorsitzender Norbert Freundorfer. Parteifreund Alois Schinabeck wetterte über eine "Herabstufung des Stadtteils Stockerhut". Und auch Fraktionschef Roland Richter erkannte "die Gefahr einer Stigmatisierung". Grund für die genossenschaftliche Entrüstung in der Stadtratssitzung: ein Antrag der CSU zum Projekt "Jugend stärken im Quartier" (siehe auch nebenstehenden Bericht). Nach SPD-Meinung war er höchst unsensibel formuliert.

Wörtlich heißt es darin: "Nach wie vor gibt es in Weiden sozial schwache Gebiete wie etwa den Ortsteil Stockerhut." "Ich bin von der Stockerhut. Herr Wildenauer auch", stellte Freundorfer auch mit Blick zum Bürgerlisten-Stadtrat fest. Und, in Richtung CSU: "Nach Ihrer Definition sind wir sozial schwach." Freundorfer hätte sich folgende Formulierung gewünscht: "In Stadtteilen wie Scheibe oder Stockerhut leben mehr Menschen mit sozialen Problemen." Markus Bäumler (CSU) sagte Danke - "für die Aufklärung, wie man einen Antrag schreibt".

Richter erkannte "ein sensibles Thema, bei dem Leute schnell betroffen sind". Schinabeck störte sich noch an einer anderen Aussage im Antrag. Laut CSU liegt in der Stockerhut "zum Beispiel die Anzahl der Schulabbrecher deutlich über dem Durchschnitt". Dafür gebe es keinen Beleg, sagte der Genosse. Die Unterschiede zwischen Max-Reger- und Pestalozzischule dürften hier nicht signifikant sein. Im übrigen vermutete Schinabeck wie vorher schon Freundorfer, die CSU meine wohl "Schulverweigerer" und nicht "Schulabbrecher". Denn letztgenannte wären ja auch Gymnasiasten, die vor dem Abitur das Handtuch werfen.

Generell an der "stadteilbezogenen Diskussion" störte sich OB Kurt Seggewiß. Bei Jugendlichen aus dem Hartz IV-Umfeld handle es sich schließlich um ein "gesamtstädtisches Problem".
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