SPD-Landtatgsfraktion schlägt Alarm - Nachgefragt bei den Kommunen
Kommunale Schwimmbäder von Schließung bedroht

Freibad im freien Fall? So schlimm ist es gar nicht, sagt Erbendorfs Bürgermeister Hans Donko. Archivbild: njn
Politik
Weiden in der Oberpfalz
04.11.2016
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In der Schwimmhalle Weiherhammer werden zur Freude von Schwimmmeister Martin Spitzer die Fenster ausgewechselt. Bild: Schönberger
 
Wo die Kommunen sich finanziell strecken müssen, da ist das Ehrenamt gefragt. So wie auf der Altglashütte, wo Siegfried Walter und der Förderverein die Anlage in Schuss halten. Archivbild: Grüner
 
Einige Bäder im Landkreis (im Bild das Freizeitzentrum Perschen) werden in einer Auflistung des Innenministeriums als dringend sanierungsbedürftig eingestuft. Die Träger sind überrascht. Natürlich stehen jährlich Unterhaltsmaßnahmen an, doch die Bäder seien keineswegs marode. Bild: Archiv

München. Nach einer Auflistung des Innenministeriums sind in der Oberpfalz gegenwärtig sieben öffentliche Schwimmbäder von der Schließung bedroht.

Von Jürgen Umlauft, Wolfgang Würth, Martin Staffe, Thorsten Schreiber, Martin Maier, Berthold Zeitler , Claudia Völkl, Clemens Hösamer, Gertraut Portner und Philipp Mardanow

Es handelt sich dabei unter anderem um die Freibäder Hirschbach und Etzelwang im Landkreis Amberg-Sulzbach sowie Pleystein (Landkreis Neustadt/WN) und Erbendorf (Landkreis Tirschenreuth). Inklusive dieser sind in der Oberpfalz 36 öffentliche Schwimmbäder - darunter auch Naturbäder und Schulschwimmhallen - dringend sanierungsbedürftig. Das ist gut ein Drittel der öffentlichen Bäder im Bezirk. Privat betriebene Bäder sind nicht aufgeführt. Bayernweit gelten derzeit 299 öffentliche Bäder als sanierungsbedürftig, 54 droht deshalb die Schließung. Das erfuhr SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher auf Anfrage aus dem Innenministerium.

Sonderfonds zur Sanierung von öffentlichen Schwimmbädern


Vor diesem Hintergrund hat die SPD-Fraktion in den laufenden Beratungen für den Doppelhaushalt 2017/18 einen Sonderfonds zur Sanierung von öffentlichen Schwimmbädern in Höhe von 15 Millionen Euro jährlich gefordert. Die staatliche Förderung sollte in Härtefällen zudem auf bis zu 100 Prozent ausgeweitet werden, sofern die Kommunen keine Eigenmittel aufbringen können. Das könnte auch der Stadt Bärnau helfen, die ihr Hallenbad bereits schließen musste, erklärte die Oberpfälzer SPD-Abgeordnete Annette Karl. Wie Bärnau seien viele Kommunen nicht mehr in der Lage, die anfallenden Sanierungen durchzuführen und die laufenden Betriebskosten für ihre Bäder zu bezahlen. "Die Staatsregierung darf die Kommunen nicht im Stich lassen", sagte Karl. Über den SPD-Antrag zur Einführung eines Sonderfonds entscheidet der Haushaltsausschuss des Landtags voraussichtlich in der kommenden Woche.

Schwimmunterricht an Schulen entfällt


Eine Folge der Bäderschließungen sei, dass Schulen den erforderlichen Schwimmunterricht nicht mehr im notwendigen Umfang durchführen könnten. Schwimmkurse seien aber wichtig, um Badeunfälle zu verhindern, betonte Karl. Nach einer aktuellen Studie der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) könne inzwischen jedes zweite 10-jährige Kind nicht schwimmen. Ein Grund dafür sei ausgefallener Schwimmunterricht mangels zur Verfügung stehender Bäder. Die Staatsregierung verweist in ihrer Antwort darauf, die Förderrichtlinien für kommunale Schwimmbäder erst 2013 erweitert zu haben. Demnach seien die Förderbedingungen vor allem für Bäder verbessert worden, die auch als Schulsportstätten genutzt werden. Der Fördersatz betrage je nach Finanzkraft der Kommune bis zu 80 Prozent, erläuterte Innenstaatssekretär Gerhard Eck. Außerdem werde bei von Schulen genutzten Bädern auch der laufende Unterhalt gefördert.

Nachgefragt in Grafenwöhr und Erbendorf


Ob es den Sonderfonds wirklich braucht? Eine Nachfrage bei den Gemeinden lässt Zweifel aufkommen: In Grafenwöhr erklärt ein entspannter Bürgermeister Edgar Knobloch, dass sich das Waldbad in einem sehr guten Zustand befindet. "Wir ergänzen und erneuern die Ausstattung und Anlagen ständig", sagt er. Weshalb das Bad dann auf der Liste auftaucht? Weil die Stadtverwaltung ein entsprechendes Kreuz auf einem Fragebogen gesetzt hat, den das Innenministerium vor einiger Zeit ins Rathaus geschickt hat. Falsch sei die Einschätzung der Verwaltung nicht. "Wir müssen uns tatsächlich um das Dach über den Umkleiden kümmern", sagt Knobloch. Vermutlich sollen die Arbeiten dazu im nächsten Jahr anlaufen. Den Badebetrieb beeinflusse dies aber in keinster Weise.

Auf die Bremse tritt auch Erbendorfs Bürgermeister Hans Donko: Von der Schließung sei das Erbendorfer Freibad weit entfernt, er könne sich auch nicht erklären, weshalb das Ministerium das Bad so einschätzt. "Im Fragebogen haben wir unser Bad als sanierungsbedürftig eingestuft", sagt Donko. Getan werden müsste in Erbendorf nämlich Einiges. Eine solche Sanierung wäre aber tatsächlich nötig. "Wichtig wäre uns eine energetische Generalsanierung", so Donko. "Doch ohne staatliche Hilfen können wir eine solche Aufgabe nicht schultern." Also doch Bedarf für einen Sonderfonds?

Wichtig wäre uns eine energetische Generalsanierung.Hans Donko, Bürgermeister von Erbendorf

Bürgermeister überrascht


Etwas überrascht war Pleysteins Bürgermeister Rainer Rewitzer. Die Stadt hat bereits eine Studie in Auftrag gegeben, um die Kosten für die Sanierung zu ermitteln. Nach dieser Bestandsaufnahme sollen Mittel im Haushalt bereitgestellt werden. Es sei bedauerlich, dass weder Bund noch Land dafür Fördergelder in Aussicht stellten, kritisierte der Rathauschef. Im Herbst und Frühjahr gehen jedenfalls die üblichen notwendigen Reparaturarbeiten über die Bühne, damit der Eröffnung rechtzeitig zum Beginn der neuen Badesaison nichts im Weg steht, versichert Rewitzer.

"Ich weiß nicht, warum wir auf der Liste stehen.", erklärt auch Moosbachs Bürgermeister Hermann Ach. Das Ozon-Hallenbad sei erst 2010 aufwendig energetisch saniert worden. "Zudem machen wir immer wieder etwas an der Einrichtung." 2015 wurde eine neue Lüftungsanlage eingebaut und heuer der Zugangs- und Umkleidebereich erneuert.

Neue Fenster


Ähnlich äußern sich die Rathauschefs in Windischeschenbach und Weiherhammer. Weiherhammer ist zurzeit dabei, für 19.000 Euro neue Fenster einzusetzen. Weitere sollen 2017 für 90 000 Euro folgen. "Ansonsten ist unser Bad top in Schuss", stellt Ludwig Biller klar. "Dass wir ein sanierungsbedürftiges Freibad hätten, das von der Schließung bedroht wäre, davon sind wir weit entfernt", sagt sein Kollege Karlheinz Budnik in Windischeschenbach. Das Blockheizkraftwerk sei auf dem neuesten Stand, die Duschen seien heuer saniert und mit dem Freibadförderverein eine Abdeckplane gekauft worden. Die Stadt lasse alle turnusmäßigen Reparaturen ausführen.

Staatliche Hilfe für Generalsanierung in Erbendorf notwendig


"Die Staatsregierung darf die Kommunen nicht im Stich lassen", sagte Karl. Über den SPD-Antrag zur Einführung eines Sonderfonds entscheidet der Haushaltsausschuss des Landtags voraussichtlich in dieser Woche. Ob's dazu wirklich kommt? Erbendorfs Bürgermeister Hans Donko versteht zwar nicht, warum seinem Bad sogar die Schließung drohen soll. "Im Fragebogen haben wir unser Bad als sanierungsbedürftig eingestuft." Getan werden müsste war einiges. "Wichtig wäre uns aber eine energetische Generalsanierung. Doch ohne staatliche Hilfen können wir eine solche Aufgabe nicht schultern."

Wenn's Geld gibt, will sich Gottfried Härtl nicht verschließen. Aktuellen Anlass sieht der Bürgermeister beim Friedenfelser Freibad allerdings nicht. Und er weiß auch nicht, wie die Gemeinde auf die Liste gekommen ist. "Vielleicht stammt das noch vom Aktionsplan der Steinwald-Allianz, da war unter anderem das Freibad mal mit drauf", mutmaßt Härtl. Das Gemeindeoberhaupt lobt vor allem die Arbeit des Fördervereins. "Ohne den wär so eine Einrichtung eh nicht zu schultern." Die Gemeinde könne zwar teilweise etwas eingreifen. Und auch der Bademeister sei Bediensteter der Gemeinde. "Aber das Gros der Arbeitseinsätze erledigen die Ehrenamtlichen."

Tirschenreuths Hallenbad gut in Schuss


Aktuell nichts geplant hat auch die Stadt Tirschenreuth. "Was getan werden muss, tun wir immer schon im Herbst nach dem Saison-Ende", sagt Bürgermeister Franz Stahl. Zwar hat die Stadt vor Jahren einmal eine Generalsanierung angedacht, aber dann wieder verworfen. "Dann hätten wir unsere räumliche Struktur verändern, vielleicht auch unsere Wasserfläche verringern müssen. Das hätte es auch nicht gebracht." Und überhaupt: "Unser Bad ist gut in Schuss und genießt einen guten Ruf auch über die Stadtgrenzen hinaus."

Warum auch das erst in den vergangenen Monaten für 245.000 Euro instandgesetzte Hallenbad am Stiftland-Gymnasium in der Sanierungsliste steht, kann sich Walter Brucker nicht vorstellen. "Das muss jetzt schon ein paar Jahre halten", sagt der Sprecher des Tirschenreuther Landratsamtes. Wie es danach weitergeht, ob eine Generalsanierung oder gar ein Neubau notwendig sein wird, das soll eine Machbarkeitsstudie zeigen, die demnächst in den zuständigen Ausschüssen vorgestellt werden soll.

Bärnau: Sanierung beschlossen - Bürgermeister dagegen


Die Stadt Bärnau hat ja ihr Hallenbad wegen baulicher und hygienischer Mängel schließen müssen. Der Stadtrat hat dann nach durchaus kontroversen Diskussionen mit knapper Mehrheit eine Sanierung beschlossen, doch Bürgermeister Alfred Stier weigert sich den Beschluss auch zu vollziehen und hat die Rechtsaufsicht am Landratsamt eingeschaltet. Das Waldfreibad auf der Altglashütte kann eh nur dank der Unterstützung des Fördervereins am Leben erhalten werden. Wichtiger als eine mögliche Sanierung ist dort allerdings eine Personalie: Bade- und Schwimmmeister Siegfried Walter braucht einen Nachfolger mit entsprechender Ausbildung. Derzeit übernimmt er diese Aufgaben ehrenamtlich in seinem Rentendasein.

Auch Armin Schärtl, Vorsitzender des Zweckverbandes Freizeitzentrum Perschen betont, dass der Zweckverband jährlich einen sechsstelligen Betrag investiere, um das Bad in Schuss zu halten, sei es für die energetische Aufwertung oder den Kinderbereich. "Wir hatten heuer wieder 100 000 Besucher. Wenn das Freizeitzentrum für einen Sonderfonds in Frage komme, würde man natürlich gerne zugreifen. "An den Filteranlagen ist immer was zu machen", so der Nabburger Bürgermeister.

Von Nennung überrascht


Mit einiger Überraschung reagiert das Schwandorfer Rathaus auf die angebliche "Sanierungsbedürftigkeit" der städtischen Bäder. Auf eine entsprechende NT-Anfrage antwortet Pressesprecher Lothar Mulzer, dass sich "die von der Stadt Schwandorf betriebenen drei Bäder Erlebnisbad (Freibad) an der Schwimmbadstraße, das Hallenbad im Stadtteil Dachelhofen und das Lehrschwimmbecken in der Kreuzbergschule sich in einem technisch einwandfreien Zustand befinden." Für die drei Bäder "werden jeweils im Haushalt die erforderlichen Mittel für laufende Unterhaltsarbeiten eingestellt. Eine Sanierung größeren Stils steht aktuell für keine der genannten Einrichtungen an, sagte Mulzer, "von einer Schließung war noch nie die Rede". Die Umfrage des Innenministeriums sei im Rathaus bekannt, die Antwort darauf sei sinngemäß die gleiche gewesen wie oben. "Insoweit sind wir von der Nennung unserer Bäder in der Liste des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr überrascht", sagt Mulzer.

Erstaunt von der Einstufung des Panoramabads Wackersdorf als "sanierungsbedürftig" zeigt sich Bürgermeister Thomas Falter (CSU): "Das kann sich nur um veraltete Daten handeln. Das ist nicht der Fall." Seit der Generalsanierung vor gut zehn Jahren werde das Bad weiter in Schuss gehalten. Als nächstes seien Arbeiten am Sanitärtrakt mit Duschen und Toiletten notwendig, die Falter unter "laufenden Unterhalt" einstuft. Für das finanzstarke Wackersdorf ist das eher kein Problem.

"Die Anlage ist grundsätzlich gut gepflegt", so Bürgermeister Heinz Weigl über das Oberviechtacher Freibad. Allerdings sei es nach über 40 Jahren selbstverständlich, dass verschiedene Maßnahmen anstehen. Insgesamt sind etwa 500.000 Euro für die Freibad-Sanierung vorgesehen, was bei den Haushaltsberatungen 2017 noch im Stadtrat zu diskutieren ist. "Ich hoffe, dass wir die Maßnahmen dann im Haushalt unterbringen und 2017 auch bewerkstelligen können", fügte Weigl an.

"Keiner hat nachgefragt"


In Neunburg vorm Wald wundert sich Stadtwerkeleiter Willi Meier über die Aufstellung aus dem Ministerium - "bei mir hat deswegen keiner nachgefragt". Er verdeutlicht, dass es sowohl im Erlebnisfreibad als auch im Hallenbad keinen Sanierungsstau gebe. "Wir sehen beide Bäder als wichtige Infrastruktureinrichtungen", bekräftigt der Werksleiter.

Sanierungsbedürftige Bäder in der OberpfalzLandkreis Amberg-Sulzbach: Freibäder Hirschbach, Illschwang, Kastl, Rieden, Etzelwang, Freudenberg sowie Waldbad Sulzbach-Rosenberg.

Landkreis Neustadt/WN: Freibäder Pleystein und Windischeschenbach, Hallenbäder Weiherhammer und Moosbach, Waldbad Grafenwöhr.

Landkreis Tirschenreuth: Freibäder Erbendorf, Friedenfels, Mitterteich, Tirschenreuth, Barnäu, Hallenbad Tirschenreuth, Waldstrandbad Plößberg.

Landkreis Schwandorf: Freibäder Nabburg, Neunburg vorm Wald, Oberviechtach, Schwandorf, Wackersdorf, Hallenbäder Schwandorf I und II sowie Schwarzenfeld und Neunburg vorm Wald. (jum)


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