SPD Weiden-Ost freut sich über junges Mitglied
Sozialdemokrat mit 15

Er spielt gern Tischtennis oder X-Box. Neuerdings mischt der 15-jährige Sascha Anton auch bei der SPD mit. Entsprechend freut sich Ortsvorsitzender Horst Fuchs über den Parteinachwuchs. Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
17.12.2015
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Was Sascha Anton aus Weiden mit dem Santa-Cruz-Zwergfrosch aus Brasilien gemein hat? Beide sind ähnlich seltene Exemplare. Denn mit 15 Jahren hat der Augustinus-Gymnasiast einen Mitgliedsantrag der SPD Weiden-Ost unterschrieben. Frühestens mit 14 ist ein Parteibeitritt überhaupt erst möglich. "Meistens sagen die Menschen erst ab 40 Jahren Ja zur SPD", weiß der Vorsitzende des Ortsvereins, Horst Fuchs. Umso mehr Fragen wirft der Beitritt des Schülers Sascha Anton auf. In der Redaktion hat er sich ihnen zusammen mit Fuchs gestellt.

Zur SPD mit 15. Warum, Sascha?

Sascha Anton: Aus zwei Gründen: Erstens interessiere ich mich sehr für Politik, mein Lieblingsfach ist Sozialkunde. Und zweitens reden die anderen nur, wenn sie unzufrieden sind. Das habe ich auch getan, also geredet - und erkannt, ich darf mich nicht beschweren, ich muss einfach aktiv mitarbeiten.

Wie haben Sie reagiert, als der Mitgliedsantrag von Sascha auf Ihrem Tisch landete, Herr Fuchs?

Horst Fuchs: Ich war überrascht, griff zum Telefon und fragte Gisela Birner von der Geschäftsstelle, ob das sein kann. Zumal der junge Mann angekreuzt hat, aktiv mitarbeiten zu wollen. Sie hat alles bestätigt. Ich kannte den jungen Mann nicht. Also rief ich gleich bei ihm an.

Sascha Anton: Ich saß da gerade im Auto und war sehr überrascht von dem Anruf. Wir haben uns verabredet. Wenig später begann ich mit meiner aktiven Mitarbeit.

Die wie aussah?

Sascha Anton: Ich habe nach Absprache mit Horst Fuchs 50 Umfragebögen an meine Freunde - alle zwischen 14 und 16 Jahre - verteilt. Damit wollte ich herausfinden, wie die Jugend zur Politik steht. 21 Bögen kamen zurück. Das Ergebnis zeigte, Politik wird nicht ausreichend präsentiert. Ein Facebook-Auftritt wäre hier hilfreich, fanden meine Freunde.

Apropos Freunde: Wie reagierten Sie auf ihren Parteibeitritt?

Sascha Anton: Keiner glaubte so reicht, dass ich das wirklich mache. Entsprechend erstaunt waren sie dann. Mittlerweile sind meine Freunde ein bisschen stolz auf mich, weil jemand vorangeht.

Gibt es jemand, der Sie zum Vorangehen animiert hat? Vielleicht das Elternhaus?

Sascha Anton: Meine Eltern meinten, sie finden es gut, wenn ich meinen Weg gehe. Nun führte er eben zur SPD.

Warum sind Sie nicht zur CSU?

Sascha Anton: Ich hatte gute Gespräche zum Beispiel mit meinem Lehrer Roland Richter.

Horst Fuchs: Er ist der SPD-Fraktionschef.

Sascha Anton: Dr. Matthias Loew wohnt in der Nachbarschaft.

Horst Fuchs: Der SPD-Stadtrat.

Sascha Anton: Ja, genau. Und ich habe die Parteiprogramme gelesen. Die SPD setzt sich für soziale Gerechtigkeit ein. Dass jeder die gleichen Chancen hat, ist mir wichtig.

Was wollen Sie als junges Parteimitglied bewirken?

Sascha Anton: Ich hoffe, andere junge Leute zum Mitmachen inspirieren zu können. Sonst gibt es irgendwann keine Partei mehr. Vielleicht gelingt das mit Veranstaltungen, die verstärkt Jugendliche ansprechen.

Horst Fuchs: Genau. Bei politischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen müssen wir uns künftig ganz anders strukturieren.

Was steht denn demnächst auf der Agenda der SPD Weiden-Ost?

Horst Fuchs: Der traditionelle Wandertag.

Wie kann er für die Jugend interessant gestaltet werden? Fahren alle unter 20 mit Inlinern mit?

Horst Fuchs: Ja, zum Beispiel. Die Idee finde ich gut. Was meinst du, Sascha?

Sascha Anton: Vielleicht. Trotzdem, glaube ich, bliebe die Skepsis meiner Klassenkameraden, bei einem SPD-Inline-Skating mitzufahren. Genau da muss man dran bleiben.

Haben Sie eigentlich politische Vorbilder, Sascha?

Sascha Anton: Eigentlich nicht. Aber bei der SPD-Weihnachtsfeier im Postkellersaal habe ich von einem Genossen erfahren, dass Roland Richter auch schon früh, also mit 16, der Partei beigetreten ist. Das fand ich toll.

Wollen Sie einmal Berufspolitiker werden?

Sascha Anton: Ich spiele mehr mit dem Gedanken, bei der Polizei anzufangen. Aber genau weiß ich das noch nicht.

Horst Fuchs: Vorher aber werde ich der Vorstandschaft vorschlagen, Sascha als beratendes Mitglied in unsere Vorstandssitzungen aufzunehmen. Er kann wichtige Impulse geben.

Sozialdemokrat ab 14, Christsozialer ab 16Ein Neumitglied mit 15 Jahren wie Sascha Anton begrüßt die SPD "sehr selten", weiß die Geschäftsstellenleiterin der Partei, Gisela Birner: "Das sind meistens junge Leute mit familiärer Vorbelastung." Eine Mitgliedschaft ist ab 14 möglich. Aktuell zählt die Weidener SPD zwei Mitglieder zwischen 14 und 16 Jahren, informiert Birner. Was sie nach Rücksprache mit SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Norbert Freundorfer allerdings nicht verrät, ist die aktuelle Mitgliederzahl der SPD in Weiden.

Auskunftsfreudiger zeigt sich die CSU. 658 Mitglieder zählen die Weidener Christsozialen aktuell, fast 30 Prozent davon sind Frauen, informiert Fraktionschef Wolfgang Pausch. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 58 Jahren. Ein derart junges Mitglied habe die Partei in jüngster Zeit nicht begrüßen dürfen, sagt Pausch. Kann sie auch nicht. "Das lässt unsere Satzung nicht zu." Ein CSU-Beitritt ist demnach erst ab 16 Jahren möglich. Für alle, die sich früher engagieren möchten, bietet die Junge-Union ab 14 Jahren einen Anlaufpunkt.

Wer Interesse an einem Parteibeitritt hat, kann über einen Ortsverein oder die Geschäftsstelle (SPD: Hinterm Zwinger 22; CSU: Sonnenstraße 2, Bürgerliste/Freie Wähler/FDP: Schulgasse 21, Grüne: Hermannstraße 1) gehen. "Junge Leute treten aber meist übers Internet ein", weiß Gisela Birner.

Sascha Anton wählte den klassischen Weg: Er druckte den Mitgliedsantrag aus, füllte ihn aus und warf ihn in den Postkasten der SPD-Geschäftsstelle. Seine Unterschrift genügte. Seither zahlt er von seinem Taschengeld 2,50 Euro pro Monat - den Beitragssatz für Menschen ohne Einkommen, sagt Birner. (mte)
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