Stadt will Dienstleistungen bündeln und Kosten sparen
Sozialbürgerhaus bis 2018

Die Stadt Weiden plant ein Sozialbürgerhaus. Was sich dahinter verbirgt, erläuterten (von links) Sozialdezernent Hermann Hubmann, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Zukunftscoach Roswitha Ruidisch. Die zuständige Projektgruppe soll nun die vorhandenen Strukturen und Arbeitsabläufe in den beteiligten Ämtern untersuchen und anhand der Ergebnisse das künftige Sozialbürgerhaus planen. Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
20.07.2016
115
0

Die Stadt Fürth hat ein Sozialrathaus eingerichtet. Die Stadt Weiden will ein Sozialbürgerhaus. Doch zunächst mal soll eine Projektgruppe die Planung vorantreiben.

Was sich hinter dem Begriff Sozialbürgerhaus verbirgt? Mitarbeiter aus Jugendamt, Sozialamt, Jobcenter und eventuell der Ausländerbehörde werden hier unter einem Dach zusammengefasst, um die Bürgerfreundlichkeit zu steigern, doppelte Bearbeitung oder auch Sozialmissbrauch zu vermeiden. "Die Sozialausgaben der Stadt sind gewaltig gestiegen", nennt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß einen Anlass für diese Überlegungen. Rund 120 Millionen Euro umfasst der städtische Haushalt 2016 insgesamt. Davon sind allein 43 Millionen Euro für soziale Sicherung vorgesehen. Also über ein Drittel.

Effizienter und günstiger


"Natürlich hat jeder Leistungsempfänger Anspruch darauf", sagt Sozialdezernent Hermann Hubmann. Durch eine engere Zusammenarbeit der beteiligten Behörden und die Nutzung effizienter Schnittstellen, ließen sich aber vermutlich Kosten sparen. "In Weiden gibt es zwar über 40 000 Erwerbstätige und 27 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Zugleich haben wir aber eine Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent", so Hubmann. "Über 70 Prozent davon empfangen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II, sogenanntes Hartz IV, und 21 Prozent der Weidener Kinder unter 15 Jahren gelten als hilfebedürftig."

Viele dieser Klienten würden sowohl vom Sozialamt als auch vom Jugendamt und dem Jobcenter betreut. Ziel des geplanten Sozialbürgerhauses sei es zugleich, diese Menschen verstärkt in Arbeit zu bringen, so dass sie sich künftig selbst versorgen können. Auch Fälle von Sozialmissbrauch ließen sich durch eine engere Verzahnung der Behörden vermutlich schneller aufdecken, meint Hubmann. "Wir hoffen, insgesamt die Kosten im Sozialbereich zu reduzieren." Die betroffenen Bürger würden ihre Ansprechpartner künftig an einer Stelle finden und müssten nicht mehr so viele Wege zurücklegen.

Denn das ist ebenfalls Ziel des neuen Projekts: Die beteiligten Mitarbeiter sollen unter einem Dach sitzen. "Die Bezeichnung Haus ist dabei zu hoch gegriffen", wiegelt OB Seggewiß ab. Obwohl - wenn er's genau bedenkt: "Das Jugendamt platzt jetzt schon aus allen Nähten." Der konkrete Raumbedarf muss aber laut Hubmann erst noch ermittelt werden und hängt natürlich von der Zahl der beteiligten Mitarbeiter ab. Das Landratsamt Neustadt ist zwar nicht direkt beteiligt, wird aber laufend über die Entwicklungen informiert.

Grünes Licht vom Stadtrat


Der Stadtrat hat in nichtöffentlicher Sitzung bereits grünes Licht für das Sozialbürgerhaus gegeben. Eine Projektgruppe, an der neben Mitarbeitern der bereits genannten Ämter auch die Stabsstellen Projektmanagement, Demografischer Wandel und die Organisationsabteilung der Stadt beteiligt sind, soll die Planung jetzt vorantreiben. Hubmanns Ziel ist es, die Idee Sozialbürgerhaus bis spätestens Herbst 2018 umzusetzen. Der Sozialdezernent geht im Frühjahr 2019 in Pension. "Bis dahin hätte ich die Sache gerne erledigt."

Vorbilder in Fürth und MünchenDie Stadt Fürth, die einen ähnlich hohen Anteil an Hartz-IV-Empfängern aufweist wie Weiden, hat bereits vor einiger Zeit ein Sozialrathaus eingerichtet. In diesem "Ämtergebäude für den Sozialbereich", wie es auch genannt wird, finden sich das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, das Kulturamt, das Amt für Soziales, Wohnen und Seniorenangelegenheiten, der Betriebsärztliche Dienst und die Beratungsstelle Bildungspaket.

Um einige Nummern größer ist die Idee Sozialbürgerhaus dagegen in der Landeshauptstadt München umgesetzt worden. Dort wurden bereits seit den 1990er Jahren zwölf Sozialbürgerhäuser realisiert, die jeweils Bürger aus mehreren Stadtbezirken betreuen und zugleich Anlaufstelle für Anträge an das Jobcenter sind. Die Weidener Projektgruppe wird laut Sozialdezernent Hermann Hubmann beide Einrichtungen aufsuchen, um sich Anregungen zu holen und aus den Erfahrungen vor Ort zu lernen. Hubmann: "Die neue Organisation in Weiden soll schließlich helfen, Probleme zu lösen und nicht neue Probleme schaffen." (ps)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.