Stadtrat diskutiert Haltepunkt Ulmenweg – Ja zu weiterer Planung
Bahn-Station Nord: Es liegt kein Sinn darin

Ist die beschauliche Ruhe, die nur der unmittelbare Anliegerverkehr stört, bald vorbei? Im Ulmenweg hält sich die Begeisterung über die Bahn in Grenzen - nicht nur wegen des Bahnhaltepunktes, sondern auch aus Sorge um die Lärmbelästigung, die mit dem ansteigenden Güterzugaufkommen absehbar ist. Bild: Wieder
Politik
Weiden in der Oberpfalz
12.05.2016
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Offene Fragen: Sollen hier an der Bushaltestelle auch die Autofahrer ihre Fahrzeuge im Ulmenweg abstellen? Bild: Wieder

Die Begeisterung für den geplanten Bahnhaltepunkt im Ulmenweg schwindet. In der Stadtratssitzung zweifelten viele am Sinn einer Bahn-Station Weiden-Nord. Weiden braucht vor allem einen barrierefreien "Hauptbahnhof", wofür es allerdings derzeit keine Gelder gibt. Geld gibt's für neue Haltestellen. Auch deshalb stimmten die Stadträte mit 22:16 dafür, dass weitere Untersuchungen für den Bahnhaltepunkt Hammerweg angestellt werden: Weiden müsste die Kosten für Fahrradunterstellplätze tragen.

Sowohl Oberbürgermeister Kurt Seggewiß als auch Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm betonten, dass es derzeit nur um Voruntersuchungen und Kostenermittlungen für den neuen Haltepunkt gehe, noch nicht aber um dessen Einrichtung. Bohm deutete an, dass die Einbindung dieser Bahn-Haltestelle in den Busverkehr "Tücken" habe. "Wir wollen den Takt-Knoten Ulmenweg nicht kaputt machen wegen eines halbperiphären Haltepunkts der Bahn." Die Bayerische Eisenbahngesellschaft sei sicherlich klug genug, in einem eigenen Paket diese Einbindung zu verhandeln. "Darum können wir die Unterzeichnung der Unterlagen guten Gewissens empfehlen."

"Wir wissen alle, dass uns die Barrierefreiheit des Bahnhofes ungleich lieber ist", sagte Bohm. Alle Stadträte klopften dazu Beifall. Weiden unterstütze den neuen Haltepunkte Hammerweg auch aus taktischen Gründen: "Wir brauchen die Eisenbahngesellschaft noch für den Bahnhof."

Seggewiß: "Nice to have"


Seggewiß nannte es unverständlich, dass die Bahn die Barrierefreiheit des Bahnhofes "schiebt und schiebt" - "und dann kommt ein Progrämmchen, mit dem man Haltepunkte macht". Der Oberbürgermeister forderte vor allem die CSU auf, über die Mandatsträger in München endlich Druck für den Umbau des Bahnhofes zu machen. Er sei von der Sinnhaftigkeit eines Bahnhaltepunkts im Hammerweg nicht überzeugt. Ein Haltepunkt Weiden-Nord sei allenfalls ein "Nice to have" (schön zu haben).

Nur einen einzigen Vorteil sah Hans Blum (CSU) im neuen Haltepunkt: "Er bremst das Güterverkehrsaufkommen. Das könnte den Lärm senken." Blum schlug eine Befragung der Bürger in Weiden-Nord sowie der Beschäftigten in den Betrieben vor. Als "nicht stimmig" wertete Karl Bärnklau (Grüne) die Unterlagen: Der Stadt werde eine Zusage zur Kostenübernahme abgenötigt, wobei diese Kosten nicht klar seien. "Konkrete Angaben wären schon hilfreich. Warum Fahrradständer? Wer mit dem Rad zum Haltepunkt kommt, könnte auch zum Bahnhof fahren. Andererseits bräuchten Autofahrer, die umsteigen wollen, Stellplätze. In der Ulmenstraße? Wo? Wie sieht es mit der Zuwegung zur Station aus. Davon sehe und höre ich nichts."

Die öffentliche Diskussion um die Haltestelle sei schon weiter als der Stadtrat, räumte SPD-Fraktionschef Roland Richter ein. Noch seien Vor- und Nachteile nicht abgewogen. "Grundsätzlich ist ein neuer Haltepunkt aber gut." Richter schlug eine ortsteilgebundene Bürgerbefragung vor. "Wir hätten auch lieber eine Bahnhofsinitiative und keine Stationsoffensive."

Da keine Kosten vorlägen, sei es auch müßig, über Kosten zu reden, stellte Rainer Sindersberger (Bürgerliste) fest. "Wir haben auch unsere Bedenken. Woher sollen die täglich 250 Fahrgäste kommen?" Zugleich fragte Sindersberger, warum bisher die Wünsche, einen Haltepunkt in Rothenstadt zu schaffen, ignoriert würden. Weiden werde von der Bahn "sehr, sehr vernachlässigt". Wenn schon neue Haltepunkte, dann in Rothenstadt oder im Norden in der Nähe der WTW, so Sindersberger.

Bereits am 18. Mai lädt die CSU zur Ortsbesichtigung in den Hammerweg, verkündete Kreisvorsitzender Stephan Gollwitzer. Er erklärte: "Die Bahn macht den Haltepunkt nicht, weil sie uns Gutes tun will. Sie steht in starker Konkurrenz mit dem Fernbus, versucht mit dieser Stationsoffensive neue Kunden zu gewinnen. Sie sucht ihr Geschäft."
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Volker Gebhard aus Amberg in der Oberpfalz | 13.05.2016 | 08:31  
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