Stadtrat diskutiert über Abschneiden Weidens beim Zukunftsatlas "Prognos"
"Fürze aus Nachbarland" sorgen für Stunk

"Ich wünsche mir etwas mehr Gelassenheit angesichts dieser Fürze, die ein Nachbarland da lässt. Wir wissen doch selbst, wo's in unserer Stadt hakt. Dazu brauchen wir keine Firma aus der Schweiz." Zitat: Dr. Christian Deglmann
Politik
Weiden in der Oberpfalz
29.06.2016
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Der Zukunftsatlas sorgt gegenwärtig weiter für heftige Diskussion. Rechtsdezernent Hermann Hubmann stellt dem Stadtrat die Ergebnisse für Weiden vor (wir berichteten) - zur Kenntnisnahme. "Das allein ist mir zu wenig", sagt Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau. Doch alles der Reihe nach.

Als "sehr interessante Studie" wertet SPD-Fraktionschef Roland Richter das Zahlenwerk der Schweizer Firma Prognos, das Weiden insgesamt einen ausgeglichenen Chancen- und Risikenmix für die Zukunft verheißt und bei der die Stadt "ein bisschen besser liegt als der umliegende Landkreis Neustadt". Interessant sei die Studie gerade auch wegen der Defizite, die offenbar werden, aber kaum überraschen können.

"Unser Problem ist die niedrige Geburtenziffer", erklärt Rechtsdezernent Hermann Hubmann. Sie liegt in Weiden bei 1,287 pro gebährfähiger Frau in. Der deutsche Durchschnitt rangiere bei 1,47. "Vielleicht sollten wir uns deshalb Gedanken darüber machen, wie wir das Umfeld in unserer Stadt für Familien und Kinder freundlicher gestalten können", meint Bärnklau und schlägt als "ganz kleinen Ansatz" Tempo 30 in Wohngebieten und als größere Maßnahme einen "Aktionsplan familienfreundliche Innenstadt vor". CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch wirft hier die Frage auf: "Warum können es sich viele Familien nicht leisten, sich Wohnraum in Weiden zu schaffen?"

Keine Hightech-Industrie


Richter schlägt in eine andere Kerbe: In der Studie liege Weiden im Vergleich zu allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands in Sachen Wohlstand (Rang 297) und Innovation (Rang 271) "ziemlich weit hinten". Ehemalige Porzelliner und Eisenbahner drückten eben das Bruttoinlandsprodukt: "Sie bekamen schlechte Löhne und nun miese Renten." Die Folge: "Wir verfügen über relativ wenig Hightech-Industrie." Wenn nun die Stadt aber darauf abzielen würde, Weiden zum Highlight im Naabtal-Valley zu machen, sei die Studie für etwas gut gewesen.

Dr. Christian Deglmann sieht das ganz anders: "Ich wünsche mir etwas mehr Gelassenheit angesichts dieser Fürze, die ein Nachbarland da lässt. Wir wissen doch selbst, wo's in unserer Stadt hakt. Dazu brauchen wir keine Firma aus der Schweiz." Die Detailanalyse der Daten will sie übrigens gemäß ihres Geschäftsmodells für 4750 Euro plus Mehrwertsteuer verkaufen, sagt Hubmann.

OB Kurt Seggewiß gibt gratis eine Kurzanalyse über die Situation der Stadt: So habe die Einwohnerzahl leicht auf über 43 000 zugenommen. Die Bildungseinrichtungen würden stetig verbessert, das Frauenhofer-Institut werde sich in Weiden ansiedeln, und bis vor zwei Jahren habe jeder hier einen Krippenplatz bekommen. Wenn die rechtlichen Grundlagen es zulassen, baue die Stadt zudem die Tempo-30-Zonen aus. "Bei der Digitalisierung 4.0 sind wir als Erste in der Region dabei." Und trotz der höchsten Arbeitslosenquote in der Oberpfalz gelte: "Wir halten für 40 000 Menschen in unserer Stadt Arbeit vor. Das ist doch Wahnsinn. Wir sollten endlich mal mit stolzer Brust durch diese Stadt gehen."

Warten auf "tollen Investor"


"Und vielleicht kommt dann noch irgendein toller Investor nach Weiden-West IV", ergänzt Deglmann, "und dann haben wir auch die Hightech-Industrie im Naabtal-Valley."

Ich wünsche mir etwas mehr Gelassenheit angesichts dieser Fürze, die ein Nachbarland da lässt. Wir wissen doch selbst, wo's in unserer Stadt hakt. Dazu brauchen wir keine Firma aus der Schweiz.Dr. Christian Deglmann
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Dietmar Pahlseck aus Grafenwöhr | 29.06.2016 | 14:23  
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