Stadtrat wünscht sich besseren Internet-Auftritt
Facelifting statt Facebook

"Altbacken", "unübersichtlich", "nicht mehr zeitgemäß": So beurteilen Stadträte den Internet-Auftritt der Stadt. Auch das Rauten-Logo ist mittlerweile umstritten. Bild: rg
Bürgermeister Lothar Höher atmete hörbar auf. "Ich freue mich, dass das Thema ,Facebook' vom Tisch ist", bekannte der CSU-Mann in der Stadtratssitzung. Dabei ist es ein Wunsch der Jungen Union, der keine Chance auf Erfüllung hat: Die Stadt solle sich bei sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter einklinken, um sich im Internet zeitgemäß zu präsentieren. Dass das viel leichter gefordert ist als umgesetzt, sah dann aber auch JU-Funktionär und CSU-Stadtrat Markus Bäumler ein. Was bleibt, ist der Ruf nach einer attraktiveren Stadt-Homepage. Bäumler: "Die wirkt ein wenig altbacken, ist nicht ganz so übersichtlich, wie man sich's wünscht." Die Seiten brauchen ein "Facelifting" - da waren sich die Stadträte offenbar einig."

Das Problem bei Facebook und Co., wie es Bürgermeister Höher schilderte: "Man muss ständig dahinter sein. Und wir müssten echt Geld in die Hand nehmen." So müssten spezielle Online-Redakteure rund um die Uhr Kommentare und Diskussionen kontrollieren und moderieren, um schnell auf bedenkliche Inhalte reagieren zu können. "Kosten und Nutzen für die Stadt stünden in keinem auch nur angemessenen Verhältnis", heißt es in einem Vorlagebericht der Verwaltung. Bäumler räumte ein, die Kapazitäten seien dafür im Rathaus "sicher nicht vorhanden".

Reichhaltiges Angebot

Auch einen "Relaunch" der Homepage (www.weiden.de) - einen Neustart mit überarbeitetem Internet-Angebot - könnte die finanzklamme Stadt derzeit wohl kaum stemmen, deutete Dezernent Reiner Leibl an. Beispiel Regensburg: Dort habe der Relaunch zwei Jahre Vorlauf benötigt und 200.000 Euro gekostet. Aus heutiger Sicht sei das sogar noch günstig gewesen. Der Weidener Online-Auftritt umfasst etwa 1200 Seiten, 2400 Textdateien und 2600 Bilder - ein vergleichsweise gutes Angebot, wie Höher fand.

Dass die Optik "nicht mehr zeitgemäß" sei, mochte der Bürgermeister zugeben. Insbesondere auch die "Corporate Identity" mit der grünen und der roten Raute bezog er in dieses Urteil mit ein. Aber: "Ich stelle mich nicht vor die Vereine hin und sage: Ihr bekommt 25.000 Euro weniger, damit wir einen besseren Internet-Auftritt haben."

Aus der eigenen Erfahrung berichtete Grünen-Stadtrat Karl Bärnklau: "Als ich anfangs auf den Seiten etwas gesucht habe, wäre ich fast verzweifelt an mir." Mit der Zeit finde man sich zwar besser zurecht, die Frage nach besserer Übersichtlichkeit und Navigation aber bleibt. Und Bärnklau stellte noch eine andere Frage - die nach der Zielsetzung: "Wem dient das Medium wozu?" Ausgehend davon könnten womöglich OTH-Studenten der Medientechnik - im Zuge einer Studienarbeit - ein Konzept für das Facelifting austüfteln. Bürgermeister Jens Meyer sicherte zu, die Anregungen würden aufgenommen. Problem erkannt - aber es bleibt wohl erstmal: Zu einem konkreten Beschluss konnten sich die Stadträte nicht durchringen.
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