Stocknüchterner Fahrer hat 0,8 Promille

Christian Pschierer (42) aus Parkstein. Bild: M. Ascherl
Politik
Weiden in der Oberpfalz
09.05.2015
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(ca) Es war ein Sonntag im März, kurz nach Mitternacht. Christian Pschierer aus Parkstein hatte seine Freundin mit seinem Mercedes von der Arbeit abgeholt, als ihn in der Nikolaistraße die Polizei anhielt. Alkoholkontrolle. "Da haben Sie Pech gehabt", scherzte der 42-Jährige noch. "Ich habe nämlich nichts getrunken." Er pustete in das Röhrchen. 0,8 Promille. Er pustete nochmal: 0,8. "Das gibt's nicht", protestierte der stocknüchterne Pschierer. "Das sagen sie alle", konterte der Polizist trocken.

Der Parksteiner ist von Beruf Lkw-Fahrer. Eine Stunde später, um 1 Uhr, sollte er mit einer Fuhre für seine Weidener Firma starten. Er stand unter Druck. Gleichzeitig hielten ihn die Polizisten für einen renitenten Trunkenheitsfahrer. Ein Wort gab das andere. Am Ende saß der Parksteiner in Handschellen auf dem Rücksitz des Streifenfahrzeugs auf dem Weg zur Blutabnahme ins Klinikum. Dort nahm ein Arzt eine Probe ab. Eine Medizinerin ließ den Parksteiner auf einer Linie spazieren. Das erledigte der 42-Jährige einwandfrei. "Ja, merkt ihr nicht, dass ich nichts getrunken habe?" Sein Protest verhallte ungehört.

Danach rief er seinen Arbeitgeber an. Der fand nicht lustig, dass sein Fahrer kurz vor einem Frachttermin mit 0,8 Promille aus dem Verkehr gezogen worden war - ein "Mordszirkus". Am Montag ging Pschierer gar zum Hausarzt und ließ die Leberwerte testen. "Der sagte: Du hast Leberwerte wie ein Kleinkind."

Jetzt - nach über einem Monat - ist Christian Pschierer endlich amtlich aus dem Schneider. Die Rechtsmedizin Erlangen hat seine Blutprobe untersucht. 0,0 Promille. Null komma Null. Zweifelsfrei. Die Polizei hat das Verfahren eingestellt. "Ein äußerst ungewöhnlicher Fall", sagt Polizeihauptkommissar Hans Wurm von der Inspektion Weiden.

Er hat recherchiert: Einen Defekt am Gerät schließt er aus. Es handelte sich um das Vortestgerät, das die Streife auf der Straße dabei habe. Wenn sich ein kritischer Wert ergibt, muss der Fahrer entweder zur Blutentnahme oder auf der Inspektion in ein weiteres Atemalkoholgerät blasen, das beweiskräftige "Evidencial 71". Aber auch schon das Vortestgerät gilt als zuverlässig. Bei der Einführung habe die Polizei serienmäßig Puste-Werte mit den Ergebnissen der Rechtsmedizin verglichen. "Es ergaben sich nur die zeitlich üblichen Abweichungen."

Der Polizeihauptkommissar hat Rücksprache mit der Rechtsmedizin gehalten. Es könnte eine Erklärung geben: Gärprozesse im Körper. Beispielsweise Blumenkohl oder Orangensaft könnten in seltenen Fällen im Körper Alkohol entstehen lassen. Verfälschte Werte könnten auch durch Eukalyptusbonbons oder Mundwasser entstehen.

Christian Pschierer bestätigt auf Nachfrage den Genuss von 0,75 Liter O-Saft an besagtem Nachmittag beim Grillen im Garten. Orangensaft?! "Mich wundert nichts mehr."
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