Tennet-Vorschläge zum Trassenverlauf
Zwei Varianten durch die Nordoberpfalz

"Schon jetzt ist klar, dass wir das Wort Monstertrassen aus unserem Sprachgebrauch streichen können." Zitat: Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)
Politik
Weiden in der Oberpfalz
26.09.2016
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Das also ist der vielbeschworene Neuanfang, mit dem Netzbetreiber Tennet die Umsetzung der beiden "Stromautobahnen" durch Bayern verträglicher gestalten möchte. Die schlechte Nachricht: Alle Varianten verlaufen durch die nördliche Oberpfalz.

Berlin/Weiden. (jrh/za/dpa) Die Bundestagsabgeordneten erfuhren die Vorschläge für den - erdverkabelten - Trassenverlauf als erste. Rund eine Stunde bemühte sich Albert Rupprecht, herauszufinden, welche Bereiche seines Wahlkreises betroffen sind: "Es gibt zwei Hauptansätze mit unzähligen Untervarianten", versucht der Waldthurner CSU-Abgeordnete die komplizierte Materie in Worte zu fassen. Die Ortschaften auf den Karten seien wohl bewusst nicht lesbar gewesen. "Karten wollte Tennet nicht austeilen, damit niemand einen Informationsvorsprung hat."

*Eine Variante verlasse die A9 bei Bayreuth und verlaufe durch den westlichen Landkreis Tirschenreuth.

*Die zweite orientiere sich am Ostbayernring und teilweise an der A 93. "Man kann zum großen Teil den Schutzstreifen des Ostbayernrings nutzen", sagt Rupprecht. "Ausgenommen davon: ein Streckenabschnitt zwischen Falkenberg und Parkstein."

*Untervarianten kämen in Ausnahmefällen zum Tragen: "Im Gesetz steht, dass eine gerade Linie beachtet werden muss, die nur bei Umgehung sensibler Räume oder der Bündelung von Baumaßnahmen verlassen werden darf", erklärt der CSU-Politiker.

Zufrieden mit dem zweiten Lösungsansatz zeigt sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch: "Damit ist unsere von Anfang an eingenommene Position - Erdverkabelung entlang des Ostbayernrings - durchgesetzt."

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will den Ministerrat heute in Kenntnis setzen. "Informationen darüber, was technisch und planerisch machbar erscheint, liegen auf dem Tisch. Es kommt jetzt darauf an, daraus gemeinsam mit den Bürgern die sinnvollste Streckenführung zu entwickeln", sagte sie am Montag in München. Vor allem Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte monatelang gegen vermeintliche "Monstertrassen" gekämpft. Die neuen Pläne lobte er nun als Ergebnis des bayerischen Widerstands. .

Die am Montagabend präsentierten Korridore sind lediglich Vorschläge - und nur teilweise in der Tiefe geplant. Diese Verlaufsoptionen sollen bis zum Frühjahr 2017 mit Kommunalpolitikern, Anwohnern und Interessensverbänden diskutiert werden. Erst dann kann das Genehmigungsverfahren formell eröffnet werden. Festgezurrt ist eine Trasse erst, wenn der Planfeststellungsbeschluss für sie ergangen ist - laut Wirtschaftsministerium frühestens im Jahr 2020. Viele halten das für optimistisch. Hilde Lindner-Hausner geht einen Schritt weiter. Zusammen mit mehreren regionalen Bürgerinitiativen will die Oberpfälzer Umweltaktivistin juristisch gegen das Projekt vorgehen: "Das ist ein Schwarzbau, der gegen die Aarhus-Konvention verstößt."

Schon jetzt ist klar, dass wir das Wort Monstertrassen aus unserem Sprachgebrauch streichen können.Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)
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