Tschechiens Stimme der Freiheit
Lída Rakušanová über ihre Zeit bei „Radio Free Europa“

Mit Robert Bayer (sitzend links) als Gesprächspartner tauchte Lída Rakusanová (sitzend, rechts) mit den Zuhörern tief in die frühere Welt des Ost-West-Konflikts ein. Organisiert hatte den Abend Dr. Ladislava Holubovà (stehend, Dritte von links) mit Marian Mure (stehend, links) vom Zentrum für Sprachen Mittel- und Osteuropa. Als Vizepräsident begrüßte Professor Dipl.-Ing. Ulrich Müller (stehend, Mitte) die Besucher. Bild: Bühner
Politik
Weiden in der Oberpfalz
02.05.2016
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Nach wie vor gilt sie als "die Stimme Tschechiens aus dem Westen" und wird in ihrem Heimatland noch immer mit "Radio Free Europe" identifiziert. Heute arbeitet Lída Rakusanová als freie Journalistin für deutsche und tschechische Zeitungen und Rundfunksender. Kurz nachdem die Truppen des Warschauer Paktes in Prag die als "Prager Frühling" bezeichnete Freiheitsbewegung niedergeschlagen hatte , verließ Rakusanová die damalige Tschechoslowakei. Im Westen war die Journalistin dann für Radio Free Europe (RFE) in München tätig, anfangs nur sporadisch, ab 1978 bis 1989 in fester Anstellung.

Über ihre Erlebnisse in dem für die Tschechoslowakei zuständigen Teil von RFE berichtete sie in einer Abendveranstaltung an der OTH in Weiden. Eingeladen hatte der Studiengang internationales Technologiemanagement zusammen mit dem Zentrum für Sprachen Mittel- und Osteuropa. Fragen an die Zeitzeugin stellte Journalist Robert Bayer. Lída Rakusanová bot den Zuhörern einen tiefen Einblick in die damalige Welt des Ost-West-Konflikts. So berichtete sie , dass RFE immer mit dem Satz "Hier ruft die Stimme der freien Tschechoslowakei" seine Beiträge in das kommunistische Nachbarland ausstrahlte. Primär seien solche Informationen gesendet worden, die im kommunistischen Machtbereich verheimlicht wurden. Vor den Olympischen Spielen 1972 in München habe Russland die Schließung von RFE gefordert und mit einem Boykott der Spiele gedroht. Trotz Ablehnung der Forderung sei aber der Boykott ausgeblieben.

Terror und Störsender


Im Jahre 1981 kam es zu einem Sprengstoffanschlag der "internationalen Terrorbrigade Carlos" auf den Sender. Dabei sei der gesamte Flügel der tschechoslowakischen Redaktion zerstört und eine Sekretärin schwer verletzt worden. Auch mit Störsendern habe man RFE bekämpft. Der vom kommunistischen Machtbereich wiederholt erhobene "Spionagevorwurf" sei völlig falsch. "Wir haben offene Quellen benutzt, Archive und Medien ausgewertet und so analytisches Material zusammengestellt" berichtete Lída Rakusanová. Informationen hätten auch die westlichen Botschaften in den Ostblockstaaten geliefert. "Wir waren auch nicht abhängig von den USA, eher umgekehrt. Dort war man auf unsere Informationen angewiesen."

In den 80-er Jahren habe sich die Situation in der Tschechoslowakei allmählich verändert. Die Strenge des Regimes habe sich aufgeweicht. Frühzeitig habe Kontakt mit dem späteren tschechischen Präsidenten Václav Havel bestanden. "Havel war über unsere Mikrofone oft zu hören." 1989 sei dann das "Aus" für den RFE in München gekommen und der Sender nach Prag gezogen. Von dort aus sendet der nach wie vor aus Mitteln des US-Haushalts finanzierte RFE noch heute in viele Länder. "Auch in die baltischen Staaten, um der russischen Propaganda zu widersprechen", wie Rakusanová erzählte. Dann ging sie auch noch auf die heutige Mediensituation in Tschechien ein. Die Boulevard-Presse sei "schlimmer als in Deutschland". Die öffentlich-rechtlichen Medien würden objektiv berichten, aber "die Tageszeitungen sind an tschechische Milliardäre verkauft". Darunter sei auch der derzeitige tschechische Finanzminister und Agrarkonzernchef Andrej Babis. "Dass dieser gleichzeitig Empfänger großer Agrarsubventionen und auch Kontrolleur des Finanzwesens ist, macht den Wählern offenbar nichts aus."
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