Tschetschenen: Drei Angeklagte gestehen

(ca) Die "Mauer des Schweigens" ist eingebrochen. Am Donnerstag haben drei der fünf Angeklagten im Schleuser-Prozess über ihre Anwälte Geständnisse abgelegt. Im Gegenzug wurde zuvor in Verständigungsgesprächen die Einstellung von je 3 bis 5 (von ursprünglich 8 bis 15) Anklagepunkten vereinbart. Das Verfahren gegen diese drei Tschetschenen (40, 33 und 28 Jahre) wird so bald wie möglich abgetrennt und soll noch vor der Sommerpause im August zu Ende gebracht werden.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger einigten sich auf einen Strafrahmen von 2,5 bis 4 Jahre. Zum Vergleich: Beim letzten gescheiterten Gespräch hatten noch 3 bis 5 Jahre - ein Drittel des denkbaren Strafrahmens - im Raum gestanden. Die Verteidiger Christoph Schönhofer, Ole Sierck, Jörg Sodan, Franz Schlama und Raphael Brugger argumentierten, dass ein Nachweis der Taten aus ihrer Sicht nicht geführt werden kann. Bestandteil des Deals ist, dass das Trio keine Mittäter nennen muss. Auf den Vorwurf des "bandenmäßigen" Schleusens wird verzichtet. Mit den Schleusungen habe man den Lebensunterhalt gesichert.

Nach Haft Abschiebung

Seit Anfang 2014 sind die Männer in Untersuchungshaft und haben damit einen Teil ihrer Strafe schon abgesessen. Nach etwa der Halbzeit der Haft droht ihnen die Abschiebung: der Flug nach Grosny. Ob das auch für den 33-Jährigen gilt, der in Berlin eine Familie mit sieben minderjährigen Kindern hat, ist noch nicht klar.

Gegen die zwei übrigen Angeklagten geht der seit Dezember 2014 andauernde Prozess wie geplant weiter. Darunter ist der 49-Jährige, der am Mittwoch wegen Ungebühr aus dem Saal entfernt wurde. Richter Walter Leupold legte beiden nahe, Geständnisse in Betracht zu ziehen, die "möglicherweise ein ganzes Eck weniger Strafe" bedeuten. Der 49-Jährige haderte damit, dass "weitere acht Verdächtige schon Champagner trinken". Leupold: "Wir können hier nur über Angeklagte verhandeln."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.