Überraschende Wendungen
Stadt und TB pokern um Bauland

33 000 Quadratmeter (Fußballplatz und Beachvolleyball-Felder) will der Turnerbund verkaufen. Luftbild: Michael Ascherl
Politik
Weiden in der Oberpfalz
06.08.2016
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Was ist das Vorkaufsrecht wert, das der Stadt auf dem Großteil der Sportflächen des Turnerbundes gesichert ist? Einige Hunderttausend Euro, meint die Stadt. Nichts, meint TB-Vorsitzender Bernhard Schlicht. Aber plötzlich sind ganz neue Überlegungen im Spiel.

Der Turnerbund will 33 000 Quadratmeter verkaufen. An wen? Egal. Hauptsache, er wird die ererbten Altschulden, rund 350 000 Euro, los. Zudem sollten noch ein paar Euro übrig bleiben, um die Tennishallen zu sanieren, die vier Volleyball-Felder, die der Bebauung weichen müssten, an anderer Stelle neu zu errichten und um das Glötznerstüberl abzureißen.

Rund 1,5 Millionen Euro würde ein Investor für den Grund bezahlen, um darauf 200 bis 250 Wohnungen zu errichten. Die Stadt will einen Anteil, als Ablöse für ihr Vorkaufsrecht. Sie forderte zunächst 70 Prozent, dann nur noch die Hälfte des "Erlöses", den der TB auch dadurch erzielt, weil Sportgelände Bauland wird.

Bei der Ablöse für die seit 1912 eingetragenen Grunddienstbarkeiten, ein Bau- und Düngeverbot, sind sich Stadt, Turnerbund und Investor relativ einig (zwischen 9600 und 10 000 Euro). Obwohl inzwischen die Stadt einräumt, dass sie keinen Rechtsanspruch auf eine finanzielle Ablöse für das Vorkaufsrecht hat, beharrt sie auf ihrer Forderung. Da der Verein diese "Auflage" aus dem Grundbuch tilgen wolle, müsse er "freiwillig" die Stadt entschädigen.

Soziale Wohnungsbau


Am Gesprächstisch saßen am Donnerstag im Rathaus offenbar durchaus gewiefte Pokerspieler. Die Stadt bluffte offenbar, als sie wieder ihre Forderung nach der Ablöse auf den Tisch brachte. Schlicht, der nur einen kleinen Bruchteil dieser Forderung anerkennen würde, spielte eine ganz neue Karte - und sorgte bei den Vertretern der Stadt für mehr als eine Schrecksekunde: Er kündigte an, auf die Löschung des Vorkaufsrechts einfach verzichten zu wollen. "Dann bekommt die Stadt keine 750 000 Euro, keine 450 000 Euro. Sie bekommt keinen Cent", erklärte er am Freitag gegenüber dem NT.

Aber Cornelia Taubmann wäre wohl nicht Stadtkämmerin, wenn sie nicht nach einer kurzen Pause ebenfalls eine überraschende Karte gezogen hätte: Sie könne einen Ausfall der Ablöse nicht akzeptieren. Wenn aber der Turnerbund so spielen wolle, müsse die Stadt natürlich überlegen, ihr Vorkaufsrecht auszuüben. Darauf habe die Stadt bisher ja verzichtet, um die Verhandlungen zwischen Turnerbund und Investor nicht zu stören. Die Stadtkämmerin kündigte ihrerseits, ebenso zu Schlichts Verblüffung, an, dass sie dem Ferienausschuss vorschlagen werde, die Flächen am Hammerweg zu erwerben. "Auch wir können darauf bauen."

Gegenüber dem NT sagte Taubmann, dass es Fördergelder für kommunale Sozialwohnungsbauprojekte gebe, mit denen der Grundstückskauf mitfinanziert werden könne. Dennoch sollen parallel Gespräche mit dem Investor geführt werden.
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