Umfrage der Grünen bestätigt Vorzugsbehandlung für Privatpatienten
Das lange Warten auf einen Termin beim Facharzt

Bild: dpa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
29.12.2015
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Geahnt haben es die Kassenpatienten schon immer. Jetzt bestätigt eine repräsentative Untersuchung: Gesetzlich Versicherte warten im Schnitt 23 Tage länger auf einen Termin beim Facharzt als Privatversicherte. Ernüchternd sind die Ergebnisse in der nördlichen Oberpfalz.

/Amberg. Im Auftrag der Münchener Bundestagsabgeordneten Doris Wagner (Bündnis 90/Die Grünen) erfolgten Ende November bis Anfang Dezember insgesamt 700 Anrufe in 350 Facharztpraxen in Bayern: mit standardisierten Fragen jeweils als Kassen- und Privatpatient. Darunter wurden 40 Praxen mit 80 Anrufen im Raum Weiden-Amberg-Sulzbach-Rosenberg-Schwandorf kontaktiert. So wartet ein gesetzlich Versicherter bei einem Hautarzt "in der Umgebung von Weiden" 200 Tage auf einen Termin, ein Privatversicherter lediglich 2 Tage. "Es ist auffällig, dass mit dem Allgäu und Weiden/Oberpfalz zwei eher ländlich geprägte Regionen besonders lange Wartezeiten für Kassenpatienten aufweisen", heißt es in der Erhebung.

Die 350 angerufenen Facharztpraxen entsprechen knapp 9 Prozent des Gesamtbestands im Freistaat. "Die Ergebnisse sind somit belastbar und mehr als repräsentativ."

Insgesamt deutet sich ein Trend an, dass in ländlichen und strukturschwachen Gebieten Kassenpatienten länger auf einen Termin warten müssen.Erhebung im Auftrag der Bundestagsabgeordneten Doris Wagner (München)

Bereits im Frühsommer 2013 hatte die grüne Landtagsfraktion eine "nahezu identische Erhebung" in Auftrag gegeben. Im Vergleich dazu müssen Kassenpatienten heute im Schnitt 6 Tage länger wegen eines Termins ausharren. Bei den längeren Wartezeiten (gegenüber den Privatversicherten) sind 2015 das Allgäu und Oberfranken mit jeweils 27 Tagen die Spitzenreiter, gefolgt von Weiden/Oberpfalz und Würzburg mit je 24 Tagen; am kürzesten ist die Wartezeit für gesetzlich Versicherte in Passau und München mit je 19 Tagen. Der Bayern-Durchschnitt liegt bei 23 Tagen.

Immerhin machten 30 Prozent der Praxen keinen oder kaum einen Unterschied zwischen "Kasse" und "privat". "Problematisch ist die Situation für Kassenpatienten insbesondere bei Hautärzten. Hier müssen sie 31 Tage länger auf einen Termin warten als privat Versicherte: Ein deutlicher Unterschied zu den Orthopädie-Praxen, bei denen es nur 11 Tage sind, so die Erhebung. Die längere Wartezeit beträgt bei Neurologen 30 Tage, bei Augenärzten 28 Tage, bei Radiologen 23 Tage, bei HNO-Ärzten 14 Tage und bei Kardiologen 12 Tage.

85 Prozent der Bevölkerung Deutschlands sind gesetzlich krankenversichert, 11 Prozent privat. Für die Behandlung eines Privatpatienten erhält ein Arzt das 2,5-fache Honorar. Die 11 Prozent Privatversicherten sorgen im Schnitt für 25 Prozent der Einnahmen in den Praxen.


>> Zum Artikel: Kassenpatienten müssen sich hinten anstellen
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