Veraltete Ausstattung und Raumprobleme: Ausbildung nicht mehr auf dem Stand der Wirtschaft
Großbaustelle Berufsschule

Politik
Weiden in der Oberpfalz
07.07.2016
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Jahrelang vernachlässigt und nur das Notwendigste investiert. Das rächt sich: Die Staatliche Berufsschule, die größte in Bayern, ist Großbaustelle: 4,5 Millionen Euro wären nötig. Aber die Stadt hat kein Geld. Da kommen die Stadträte Im Finanzausschuss schon mal auf überraschende Ideen.

Norbert Freundorfer (SPD und selbst Lehrer) wünscht sich angesichts des gewaltigen Aufwands der notwendig ist, aber nicht finanziert wird, eine "andere Art der Förderung". Er schlägt vor, den Staat als Sachaufwandsträger (bisher ist es die Stadt) ins Boot zu holen. Schließlich ist die Europa-Berufsschule staatlich. In einem neuen Modell solle die "Sachaufwandsträgerschaft" an den Freistaat übergehen. Es gebe durchaus Berufsschulen, die vom Staat oder berufsständischen Verbänden getragen würden, erklärt Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. "Wir können versuchen, in Gespräche einzutreten. Man sollte damit keine großen Hoffnungen verbinden. Der Staat bindet sich so etwas nicht gerne ans Bein." Dort, wo der Staat Sachaufwandsträger sei, gebe es meist historische Hintergründe.

Ausstattung viel zu alt


Die Diskussion um die nötigen Investitionen in Ausstattung und bauliche Erweiterung stieß die CSU mit ihren Antrag an. Gerade die berufliche Bildung sei wichtig, betont Fraktionschef Wolfgang Pausch. Laut IHG-Studie brauche die Region 2300 akademisch Ausgebildete. "Im Facharbeiter-Bereich ist die Zahl zehnmal so hoch." Die CSU fordert, die mit der Schulleitung erstellte Prioritätenliste für Investitionen zur Aktualisierung der technischen Ausstattung im Werkstättenbereich abzuarbeiten.

"Wir kommen auf dem bisherigen Weg nicht weiter", klagt SPD-Fraktionschef Roland Richter. "Wir hinken mit der Ausstattung weit hinter dem Standard der Betriebe hinterher, bilden die Leute nicht mehr so aus, wie sie die Wirtschaft braucht." Auch eine Prioritätenliste helfe nicht. "Wir machen der Schule nur weiter etwas vor. Ich sehe keinen Spielraum." So sei der Erwerb von Ausstattung ohne bauliche Investitionen unmöglich. "Dann sind wir nicht bei 4,5 Millionen, sondern schnell im zweistelligen Millionen-Bereich." Die Stadt müsse im großen Stil Kredite aufnehmen dürfen, um die Schulsanierungen zu finanzieren, erläutert Richter.

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß kündigt an, dass er heute wieder Gespräche im Finanzministerium führe. In Weiden sei "allein bei den Volksschulen ein Handlungsbedarf von 10 Millionen Euro" aufgelaufen. Die Stadt brauche Stabilisierungshilfen, um Schulden zu tilgen, aber auch, um Sonderprojekte schultern, also investieren zu können, betont Seggewiß. "Wir müssen den Notstand an unseren Schulen zumindest teilweise beheben." Wenn nichts geschehe, seien bald 15, 20 Millionen Euro nötig. 3500 Schüler besuchen die Berufsschule. "Es gibt keine Mensa. Und das ist nicht vertretbar."

Nie fertig


Pausch wiederum warnt vor einer weiteren massiven Verschuldung und forderte eine langfristige Festlegung der Investitionsprioritäten. "Wie entwickeln sich wo die Schülerzahlen, und was müssen wir sofort, in 10 oder 15 Jahren machen?" Zugleich bedauert er, dass die Stadt mit den Erlösen aus Grundstücksverkäufen nur den laufenden Betrieb finanziert, aber nichts investiert habe.

CSU-Kreisvorsitzender Stephan Gollwitzer befürchtet, mit der großzügigen Aufnahme von Krediten würden Begehrlichkeiten bei den anderen Schulen geweckt. Die Berufsschule müsse ein Sonderfall bleiben. Reinhard Meier (Bürgerliste) meint: "Mit einem 10-.Jahres-Programm werden wir nie fertig." Einen massiven Handlungsbedarf unterstreicht auch Karl Bärnklau (Grüne).
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