Verkehrsunterricht für Asylbewerber
Rechts vor links auf Arabisch

"Einfach sicherer unterwegs" oder auf Englisch "For more road safety" nennt sich die ADAC-Broschüre, die Polizeipressesprecher Günther Burkhard (rechts) zur Verteilung an Veit Wagner vom Arbeitskreis Asyl weiterreichte. Besonders hilfreich dürften jedoch die Info-Schriften der Verkehrswacht Schwandorf sein: Sie liegen in zwölf Sprachen vor. Bild: Schönberger
Politik
Weiden in der Oberpfalz
20.02.2016
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"Wenn ihr Fahrräder an die Asylbewerber verteilt, dann sorgt auch dafür, dass sie die Verkehrsregeln einhalten." Diese Aufforderung nimmt sich der Arbeitskreis Asyl zu Herzen und wird aktiv. Aber auch die Polizei ist nicht untätig.

Dabei sind es durchaus nicht nur die Flüchtlinge unter den Radfahrern, die mit den Verkehrsregeln so ihre Probleme haben. Das macht Polizeipressesprecher Günther Burkhard klar. "Verkehrsverstöße von Radfahrern sind allgemein nach wie vor ein Thema." Die beliebtesten Verstöße von Radlern, egal, welcher Herkunft: Fahren auf dem Gehweg, Fahren auf dem Gehweg in die falsche Richtung, Fahren auf dem Radweg in die falsche Richtung und Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot.

Doch: Obwohl sich "viele Radler falsch verhalten", also auch einheimische, erreichen den Arbeitskreis Asyl und die Polizei verstärkt Klagen über Flüchtlinge, die gegen Verkehrsregeln verstoßen. Die gebe es durchaus, räumt Burkhard ein, aber: "Bei Asylbewerbern ist es oft Unwissenheit." Bei einer vom Polizeipräsidium initiierten Besprechung in Weiden wurden deshalb Beamte aus der ganzen Oberpfalz am Mittwoch darüber informiert, welche Möglichkeiten es gibt, Flüchtlinge entsprechend zu beschulen. Die Weidener Beamten selbst wurden bereits vor einigen Wochen aktiv: "Wir haben im Verkehrsgarten bei der Berufsschule Kurse für rund 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge abgehalten", sagt Burkhard. Auch Theorie wurde hier erläutert. Seine Bilanz: "Trotz der Sprachbarrieren ist das recht gut gelaufen."

Das Problem laut Burkhard: "Wir können zwar noch den einen oder anderen Unterricht abhalten, wenn großer Handlungsbedarf besteht. Aber wir können nicht jeden Asylbewerber beschulen. Dafür reicht unsere Kapazität nicht aus." Hier werden nun das Netzwerk Asyl und der Arbeitskreis Asyl aktiv.

Arbeitskreis verteilt Flyer


Das Netzwerk Asyl plant in den nächsten Wochen Unterricht für Asylbewerber im Verkehrsgarten am Stockerhutweg. Der Arbeitskreis Asyl wird mit den gespendeten Fahrrädern, die er in den nächsten Wochen verteilt, auch Flyer ausgeben, auf denen die wichtigsten Verkehrsregeln in den unterschiedlichsten Sprachen erklärt werden. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub und der ADAC stellen hierfür mehrsprachige Informationsblätter zur Verfügung. Eine ganz besondere Hilfe dürfte allerdings die Sammlung von Verkehrsregeln sein, welche die Verkehrswacht Schwandorf für Ehrenamtliche bereithält und die in sage und schreibe zwölf Sprachen existieren: Von Albanisch über arabisch, Farsi, kroatisch bis hin zu russisch.

Immerhin: Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist ungebrochen. Nach einem Spendenaufruf im "Neuen Tag" stand das Telefon beim Arbeitskreis Asyl nicht mehr still. "Über 70 Leute haben angerufen, um Fahrräder zu stiften", freut sich Veit Wagner. Die werden in den nächsten Tagen abgeholt, falls nötig, von den Radl-Checkern instandgesetzt und dann an Asylbewerber verteilt. "Zusammen mit dem Fahrrad erhalten die Asylbewerber auch einen Flyer mit den Verkehrsregeln in ihrer Sprache und einen Radlpass", erklärt Wagner.

Radlpass und Schloss


Für entsprechende Formulare hat Burkhard gesorgt. "Mit den Fahrradpässen wird auch den Asylbewerbern der Eigentumsnachweis erleichtert", erklärt er. "Außerdem haben wir dann im Falle eines Diebstahls die wichtigsten Daten." Wagner hofft allerdings, dass es erst gar nicht so weit kommt. Der Arbeitskreis Asyl wird deshalb mit den gespendeten Rädern zugleich Fahrradschlösser verteilen.

Immer mehr Unfälle mit Radfahrern in WeidenSo viel steht fest: "Asylbewerber sind bei Unfällen, an denen Radfahrer beteiligt sind, keinesfalls überproportional vertreten", sagt Polizeipressesprecher Günther Burkhard. Allerdings gibt die allgemeine Entwicklung bei Verkehrsunfällen mit Radfahrern in Weiden Anlass zur Sorge. "Letztes Jahr hatten wir eine Steigerung um 15 Prozent." Er vermutet allerdings, dass der schöne Sommer und der steigende Trend zum Radfahren hier mit eine Rolle spielen.

2014 wurden immerhin 61 Verkehrsunfälle registriert, an denen Radler beteiligt waren. "In 32 Fällen davon lag die Hauptursache beim Fahrradfahrer und in weiteren sieben Fällen war der Radfahrer zumindest Mitverursacher." Dabei machen die Folgen mehr als deutlich, dass Radler keine Knautschzone haben. In 54 der 61 Fälle kamen Personen zu Schaden. Acht Mal war bei Radlerunfällen Alkohol die Ursache. Hier ging die Zahl 2015 erfreulicherweise auf drei zurück.

Was der Polizei aber ebenfalls große Sorge bereitet, sind die beinahe schon alltäglichen Verkehrsverstöße von Radlern. Denn falls diese ohne schlimme Folgen bleiben, sei das oft nur dem Zufall zu verdanken. Der Kreisverkehr vor der Polizeiinspektion bildet mittlerweile einen "kleinen Brennpunkt", berichtet Burkhard. "Viele sind auf dem Radweg bei der Gärtnerei in falscher Richtung unterwegs." Damit nicht genug. "Beim Kreisverkehr gilt auch für Radfahrer, dass sie Vorfahrt gewähren müssen", betont Polizeidirektor Klaus Müller. "Aber die kommen von der Leimbergerstraße an und schießen einfach über die Einmündung bei der Gärtnerei drüber, ohne anzuhalten."

Die verstärkten Radler-Kontrollen der Polizei hätten zwar Wirkung, berichtet Burkhard. Doch nur so lange sie laufen. Ebenso zeige die Erfahrung: "Eine mündliche Verwarnung, also der erhobene Zeigefinger, reicht meistens nicht aus. Viele reagieren erst, wenn's ihnen an den Geldbeutel geht." (ps)
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