Vizepräsident der Bundesnetzagentur im Interview zur geplanten Trasse
Sauberer Strom, saubere Arbeit

"Die Entscheidung für Erdkabel war richtig." Zitat: Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur
Politik
Weiden in der Oberpfalz
14.10.2016
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Die grobe Route hat Tennet abgesteckt. Zumindest auf der Landkarte existieren erste Korridor-Varianten für die geplante Gleichstromtrasse Süd-Ost von Wolmirstedt nach Landshut. Wie geht es nun weiter? Darüber sprachen unsere Redakteure Frank Werner und Alexander Rädle mit Peter Franke, dem Vizepräsidenten der Bundesnetzagentur.

Pilotfall im Münsterland


Als die ersten Pläne für eine Gleichstromtrasse vorgelegt wurden, gab es massive Proteste. Inzwischen habe sich die Lage aber beruhigt. "Viele Bedenken und Sorgen, die es gab, konnten ausgeräumt werden. Die Entscheidung für Erdkabel war absolut richtig", sagt Franke. Dennoch liege die Akzeptanz nicht bei 100 Prozent. "Das kann man bei einem solchen Projekt nicht erwarten." Dass durch Erdkabel Landwirte mehr betroffen sind, räumt Franke ein. Entscheidungen darüber, wie Grundstücksbesitzer zu entschädigen wären, seien noch nicht getroffen. Bislang existiere nur ein Pilotfall im Münsterland. Dort wurden laut Franke einmalige Entschädigungen gezahlt, plus Zuschläge. Ein bislang übliches Verfahren.

Wie aber sieht es beispielsweise mit jährlichen Zahlungen aus? "Über andere Modelle, die Breitenwirkung für andere Projekte hätten, müsste der Gesetzgeber entscheiden", verweist Franke auf Berlin. Obwohl es um Entschädigungsfragen rein formal erst am Ende der Planfeststellung gehe, wolle die Bundesnetzagentur schon in der Planungsphase den Kontakt zu Landwirten suchen.

An den neuen Stromtrassen führt in den Augen Frankes kein Weg vorbei. Denn nur mit ihnen lasse sich die Energiewende verwirklichen. "Dezentrale Elemente sind wichtig, durch sie wird aber der Netzausbau nicht entbehrlich." Windkraftanlagen zum Beispiel seien extrem ungleich verteilt. Dazu komme die ungleiche Verteilung der Stromabnahme: "Nur etwa ein Drittel des Bedarfs entfällt auf Haushalte", erklärt Franke. Den Rest benötigten Industrie und Gewerbe, hauptsächlich in den Ballungsräumen. Befürchtungen, durch die neuen Leitungen könne hauptsächlich Braunkohlen-Strom geleitet werden, versucht Franke mit Verweis auf die Gesetzeslage zu entkräften. Regenerativ erzeugter Strom habe einen gesetzlich verbrieften Vorrang, ins Netz aufgenommen zu werden. "Erneuerbare Energien haben in jedem Fall die Nase vorn."

Erst grün, dann braun


Nur wenn die Stromabnahme die Menge des regenerativ erzeugten Stroms übersteigt, werde mit Atom- oder Braunkohlen-Strom sozusagen aufgefüllt. Dieser könne allerdings auch schon heute mit den bestehenden Kabeln abtransportiert werden. Für den Netzbetreiber Tennet, der die Leitung bauen wird, gehe es jetzt ums Herausfiltern der am besten geeigneten Trasse innerhalb des bereits abgesteckten Korridors. Daraus werde das Unternehmen laut Franke einen Vorzugskorridor vorstellen und bei der Bundesnetzagentur zur Genehmigung einreichen. Er rechnet damit Anfang 2017. Danach folge das Planfestellungsverfahren mit öffentlichen Antragskonferenzen und Erörterungsterminen. Bis zum Jahr 2025 soll die Leitung ans Netz gehen.

Transparenter Prozess


Rechnet Franke mit Klagen? Von konkreten Ankündigungen habe er noch nichts gehört. Neben direkt betroffenen Grundstückseigentümern hätten auch Kommunen und Verbände die Möglichkeit, gerichtlich gegen das Projekt vorgehen zu können. Franke sieht das gelassen. "Übertragungsnetzbetreiber wie auch die Bundesnetzagentur suchen bereits jetzt, also noch weit vor dem offiziellen Verfahren den Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort, um die örtlichen Gegebenheiten zu erfahren und zu berücksichtigen. Wir wollen den Prozess transparent, sorgfältig und konstruktiv führen."

Die Entscheidung für Erdkabel war richtig.Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur
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