Volle Kanne fair
Weiden bewirbt sich um Titel "Fairtrade Town"

Garantiert gerecht gehandelt: Mitarbeiterin Luise Müller-Engeßer zeigt das Kaffee-Sortiment im Eine-Welt-Laden (Braunmühlstraße). Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
26.01.2016
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Krieg und Verfolgung, meinte SPD-Fraktionschef Roland Richter, seien nicht die Hauptgründe für Flucht. Sondern: "Perspektivlosigkeit und Armut." Fair gehandelte Waren lieferten somit einen Beitrag, "den Leuten überall auf der Welt Perspektiven zu geben und Flucht zu bekämpfen". Demonstrativ unterstützt nun auch die Stadt Weiden den gerechten Handel. Nach einstimmigem Beschluss des Stadtrats bewirbt sie sich um den Titel "Fairtrade-Town". Die erste wäre sie damit nicht. Bereits 393 Kommunen in ganz Deutschland haben sich auf diese Weise bereits dem Fairtrade-Gedanken verpflichtet.

Der Titel ist an einige Bedingungen geknüpft. So müssen in Weiden mindestens neun Geschäfte und fünf gastronomische Betriebe fair gehandelte Waren anbieten - OB Kurt Seggewiß und eine Lenkungsgruppe steht da wohl einige Überzeugungsarbeit ins Haus. Zudem sollte der Beschluss vom Montag beinhalten, dass bei Stadtratssitzungen nur noch fair gehandelter Kaffee aus der Kanne fließt. Gisela Helgath (Grüne) reagierte irritiert: "Ich hätte lieber erfahren, wie viele Hektoliter wir bereits getrunken haben." Schließlich habe der Stadtrat bereits im Oktober 2006 beschlossen, nur noch Fairtrade-Kaffee zu schlürfen. Eine Anmerkung, über die sich andere Gremiumsmitglieder amüsierten. Helgath: "Wenn es nicht wichtig ist, dass Beschlüsse aus dem Stadtrat umgesetzt werden, können wir gleich heimgehen."

OB Seggewiß stellte klar, dass die Entscheidung von vor seinem Amtsantritt datiert. Die Grüne rüffelte er: "Sie hätten mich in den 10 Jahren schon mal erinnern können." Auch Bürgermeister Lothar Höher fand es "schwach, dass die Grünen so lange nicht nachgefragt haben, warum wir jetzt diesen ,Jacobs Krönung' trinken". Der damalige Beschluss sei "irgendwie untergegangen". Alois Schinabeck (SPD) nahm Helgath in Schutz: "Ich war beim Beschluss dabei. Auch ich habe angenommen, dass er gilt. Ich kann ja nicht in die Kaffeekanne hineinschauen."

Ausdrücklicher Dank für die Initiative galt dem KAB-Kreisverband. Der Titel "Fairtrade Town" sei "ein Mosaikstein im Bild, das von Nachhaltigkeit, ökologischer Zukunft und gerechtem Handel in der Welt gezeichnet ist", betonte Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau. Fraktionsmitglied Veit Wagner präsentierte noch andere Ideen - unter anderem Schulpatenschaften mit der Dritten Welt.
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