Vor der nächsten Bundestagswahl
In der CSU Kampf um Mandate

Von link: Barbara Lanzinger, Rainer Meier, Astrid Freudenstein. Bildmontage: hfz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
08.04.2016
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In der Oberpfalz erheben sich die über die Liste eingezogenen CSU-Abgeordneten gegen ihre direkt gewählten Parteifreunde. Eineinhalb Jahre vor der nächsten Bundestagswahl kommt es in den Bundeswahlkreisen Weiden, Amberg und Regensburg zu einem erbitterten Schlagabtausch.

Amberg/Weiden. Barbara Lanzinger (61) aus Amberg konkurriert mit dem Neumarkter Alois Karl (65) um das Bundestagsdirektmandat; in Regensburg meldet Astrid Freudenstein (43) Ambitionen gegen den "Platzhirschen" Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (63) an; in Weiden-Neustadt-Tirschenreuth will der Seehofer-Intimus Reiner Meier (62) dem wiedergenesenen Albert Rupprecht (47) das Direktmandat abjagen.

"Wenn ich nicht als Direktkandidatin antreten kann, dann ist für mich Schluss", sagte in dieser Woche Barbara Lanzinger. Sie rückte über die Landesliste 2002 und dann erst wieder 2013 in den Bundestag ein. Der ehemalige Neumarkter Oberbürgermeister Alois Karl sieht die Herausforderung ziemlich entspannt, verfügt der eindeutig hinter ihm positionierte CSU-Kreisverband Neumarkt doch über eine knappe Mehrheit von 82 zu 78 Delegiertenstimmen. Auch der selbstbewusste CSU-Bezirkschef, Finanzstaatssekretär Albert Füracker, stammt aus der südlichen Oberpfalz. Der Neumarkter Stadtverbandsvorsitzende Robert Renker unterstellte in einer - selbst für CSU-Verhältnisse - ungewöhnlich harschen Reaktion seiner Parteifreundin Lanzinger "Scheinargumente" und "erkennbare Eigeninteressen".

Für einen Donnerschlag sorgte am Freitagmorgen MdB Reiner Meier. Der Tirschenreuther kündigte gegenüber unserer Zeitung seine direkte Bewerbung für den nächsten Deutschen Bundestag an: "Dies ist keine Kandidatur gegen Albert Rupprecht, sondern für das Direktmandat." Er habe "gute Karten". Als einstiger Büroleiter von Horst Seehofer - in München und Berlin - von 2006 bis 2013 verfüge er über Verbindungen tief in das politische Netzwerk hinein. Ermutigt fühlt sich der 62-Jährige ("Alter ist kein Handicap") durch den "massiven Zuspruch", den er nicht nur aus seiner Partei, sondern von vielen Menschen und Firmen erfahre, "denen ich erfolgreich geholfen habe". Listig verweist Meier auf seine "starke Präsenz vor Ort": Ein Seitenhieb auf MdB Rupprecht, dessen Familie in Potsdam lebt, so Parteikreise.

"Mann mit Zukunft"


Vor seinem Schritt sprach Reiner Meier weder mit seinem Kreisvorsitzenden Tobias Reiß noch mit dem Neustädter Landrat Andreas Meier ("ich werde von Albert Rupprecht keinen Millimeter abrücken") oder mit dem Weidener CSU-Kreischef Stephan Gollwitzer ("ich bin von der neuen Lage total überrascht"). "Ich habe keinerlei Verständnis, dass eine so erfolgreiche Arbeit in Frage gestellt wird", setzt Andreas Meier klar auf Rupprecht als einen "Mann mit Zukunft". Zudem halte er es für äußerst fragwürdig, dass Reiner Meier ausgerechnet während der zehnwöchigen Krankheit von Rupprecht in die vermeintliche Lücke vorgestoßen sei. Auch mit Blick auf die "Solidarität in der Nordoberpfalz" spricht sich selbst der Tirschenreuther CSU-Kreisvorsitzende Reiß (in Abstimmung mit seinem geschäftsführenden Vorstand) für Rupprecht als Direktkandidaten aus - und einen "guten Platz auf der Liste" für Meier.

Füracker schweigt


"Es gibt wenige Abgeordnete, die in 13 Jahren so viel erreicht haben wie ich", betont Albert Rupprecht. Er habe sich aller kleinen und großen Anliegen angenommen: "Bis zur Erschöpfung. Ich gebe alles für mein Mandat." Durch seine Aktivitäten seien allein bei Bundesbehörden 1700 neue Arbeitsplätze entstanden. Von der Gegenkandidatur Meiers zeigt er sich "ein ganzes Stück überrascht". In der entscheidenden Delegiertenkonferenz verfügt der Kreisverband Neustadt über 73 Stimmen, Tirschenreuth 62 und Weiden 25.

CSU-Bezirksvorsitzender Füracker wollte am Freitag die Vorgänge "nicht kommentieren". Bei der Oberpfälzer CSU ist damit allein Karl Holmeier im Bundeswahlkreis Schwandorf als Direktkandidat unstrittig.
Dies ist keine Kandidatur gegen Albert Rupprecht, sondern für das Direktmandat.MdB Reiner Meier
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