Vortrag über Leben in Syrien vor dem Bürgerkrieg und jetzt
Zwischen Diktatur und Revolution

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In "Iblackers Zoiglstüberl" referierte Kartograph Bernhard Spachmüller (stehend), Grünen-Kreisvorsitzender in Schwabach, zum Thema Syrien vor und während des Bürgerkrieges. Bild: Dobmeier
Politik
Weiden in der Oberpfalz
13.02.2016
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Seit im Frühjahr 2011 die ersten Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings begannen, befindet sich Syrien in einem blutigen Bürgerkrieg. Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen treuen Assad-Truppen, örtlichen Rebellengruppen und dem Islamischen Staat haben zahlreiche Leben gefordert und eine der größten Flüchtlingswellen unserer Zeit ausgelöst.

Über "Die arabische Republik Syrien", ihre Geschichte und die Lebensumstände vor dem Bürgerkrieg referierte auf Einladung des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen der Geograph Bernhard Spachmüller, Vorsitzender des Grünen-Kreisverbandes Schwabach. Während seines Kartographiestudiums war er von 1989 bis 1995 fünf Mal in Syrien.

6000-jährige Geschichte


An der Ostküste bestimmen mediterrane Charakteristika die Landschaft. Im Landesinneren wird das Land von der Wüste beherrscht. Die Hauptstadt Damaskus gilt als der am längsten durchgängig besiedelte Ort mit über 6000 Jahren Geschichte. Viele Kulturstätten des Landes sind dem Krieg zum Opfer gefallen.

Früher war Syrien kein Staat, sondern vielmehr ein Landschaftsbegriff, der sich bereits in der Weihnachtsgeschichte findet. Die Bevölkerung musste sich eintragen lassen, das geschah zur Zeit, "da Quirinius Stadthalter in Syrien war". Es sei wichtig, die Zusammenhänge zu kennen, sagte der Referent. Es gebe viele Religionsgemeinschaften, die sich "spinnefeind" seien: 74 Prozent der Bevölkerung seien Sunniten, 12 Prozent Alawiten, 10 Prozent Christen mit verschiedenen Absplitterungen, 2 Prozent Drusen sowie 1 Prozent Schiiten. All diese Gruppen versuchten durch Mitglieder in den Militärs, Einfluss auf die Regierung zu nehmen.

Gegenseitige Überwachung


Die Lebenssituation der Bevölkerung sei vor dem Bürgerkrieg nicht schlecht gewesen. Es gab wirtschaftliche Handelsfreiheit und Schulpflicht. Auf einer Fläche von 185 180 Quadratkilometern lebten damals über 21 Millionen Menschen.

Der Überwachungsstaat unterhalte fünf Geheimdienste, die sich gegenseitig kontrollierten. Das verschaffe der Regierung Sicherheit. Menschen verschwänden spurlos, und es herrsche Kriegsrecht. Korruption ("wasta") im Großen und Kleinen gehöre zum Alltag, um sich über Wasser zu halten. Von 1970 bis 2000 war Hafiz al-Assad Staatschef. Seit seinem Tod ist sein Sohn Baschar al-Assad Staatspräsident. Viele Menschen seien durch den Bürgerkrieg bereits ums Leben gekommen oder auf der Flucht. Die Bevölkerung fürchte zudem ein weiteres Massaker wie bei der Niederschlagung eines Aufstandes der Muslimbruderschaft in der Stadt Hama 1982 durch syrisches Militär. Stephan Korb, Sprecher der Weidener Grünen, dankte Spachmüller für den Vortrag, der mit beeindruckenden Bildern unterlegt war.

Zukunft bleibt offen


In der Diskussion sprachen Gäste die Gefahr an, dass das syrische Konfliktpotenzial nach Deutschland importiert werde. Ob Europas Staatengemeinschaft in der Lage sein wird, die Zwistigkeiten zu beenden, ließ Spachmüller offen.

DelegierteAls Delegierte wählte die Grünen-Kreisversammlung Weiden für die Bezirksversammlung am 22. April Andrea Schuch-Leitl und Veit Wagner. Kleiner Parteitag am 16. April in München: Dr. Stefan Helgath. Landesdelegiertenkonferenz, 15./16. Oktober, in Schweinfurt: Andrea König und Stephan Korb. Bundesdelegiertenkonferenz, 11. bis 13. November, Münster: Stephan Korb. (rdo)
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