Weiden auf Platz 182 im Zukunftsatlas: Stadt nimmt dazu Stellung
"Vergleiche bringen uns nichts"

Mit spitzem Stift und klugem Kopf analysieren Rechtsdezernent Hermann Hubmann und Zukunftscoachin Roswitha Ruidisch den Zukunftsatlas, bei dem Weiden im deutschlandweiten Vergleich auf einem vorderen Mittelfeldplatz landet. Bild: mte
Politik
Weiden in der Oberpfalz
14.06.2016
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Der Zukunftsatlas, bei dem Weiden auf Rang 182 von 402 landet, ist für den Rechtsdezernenten der Stadt der Knochen, den das Forschungsinstitut Prognos den Städten Deutschlands hinwirft. Weiden wird nicht zuschnappen, erklärt er. Denn das Datenmaterial im Detail kostet viel Geld. Lieber beißt sich die Stadt selbst an der Aufarbeitung des Zahlenwerks fest - mit interessanten Ergebnissen.

Alle drei Jahre sorgt er für Aufsehen: der Zukunftsatlas des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos, der sämtliche 402 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands unter die Lupe nimmt. Auch Weiden (wir berichteten). Die Max-Reger-Stadt landet 2016 auf Rang 182, also im vorderen Mittelfeld: "Weiden werden damit zukünftig ausgeglichene Chancen und Risiken bescheinigt", betont Rechtsdezernent Hermann Hubmann - und Punkt.

Zumindest möchten er und Zukunftscoachin Roswitha Ruidisch diesen Punkt setzen. Denn Vergleiche etwa mit dem für Weiden um 66 Ränge positiveren Ergebnis von 2013 oder mit der Nachbarstadt Amberg (Rang 184) seien entweder wegen zwischen den Jahren variierenden Indikatoren nur eingeschränkt möglich. "Oder sie bringen uns nichts, weil sie uns als Stadt nicht wirklich weiterbringen", findet Hubmann.

Vielmehr stellt er fest, dass es sich beim Datenerheber um ein börsennotiertes Unternehmen handelt, "das mit dem Zahlenwerk gute Geschäfte machen muss". Sprich: Die Rangliste ist gratis. Eine Detailanalyse aber kostet. Mehrere Tausend Euro, weiß Zukunftscoachin Ruidisch. Zu viel, fand der Stadtrat bereits 2014. Deshalb lehnte er damals einen entsprechenden Antrag über die Beauftragung des Instituts ab. Heuer analysiert die Stadtverwaltung die Daten selbst - und präsentiert die durchaus interessanten Ergebnisse dem Stadtrat in der Montagssitzung.

Glanzpunkt Arbeitsmarkt?


So viel vorab: Zwei von vier Hauptindikatoren (Arbeitsmarkt, Demografie, Innovation und Wohlstand) zeigen die Problematik der Prognos-Studie. So glänzt Weiden laut Zukunftsatlas im Bereich Arbeitsmarkt (Rang 50 von 402), fällt aber in Sachen Demografie weit ab (Rang 333).

Hubmann erklärt: Die Stadt wuchert mit über 27 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und 40 502 Erwerbstätigen plus Beamte und Selbstständige (Stand 2014 Landesamt für Statistik). "Wir könnten hier also super zufrieden sein", kokettiert der Rechtsdezernent. Denn was bei Prognos in der Statistik schlicht nicht so sehr ins Gewicht fällt, ist Weidens Arbeitslosenquote. Das Problem: Sie ist eine der höchsten in Bayern. Im Mai lag sie bei 6,5 Prozent. Über 70 Prozent davon sind langzeitarbeitslos. "Damit kann man eben nicht zufrieden sein. Hier müssen wir weiter ran." Erste Förderprogramme fruchteten zwar. "Aber wir müssen weiter abbauen. Zur Not auch mit viel Aufwand. Sonst überlassen wir das Problem der nächsten Generation", sagt Hubmann.

Apropos Demografie: Das ist der zweite Hauptindikator der Studie, bei dem Weiden nicht gut aussieht. Während der Anteil junger Erwachsener, die Bevölkerungsentwicklung und der Wanderungssaldo junger Erwachsener im Rahmen liegt, falle die Geburtenrate in der Stadt im deutschlandweiten Vergleich stark ab: Sie liegt in der Bundesrepublik im Durchschnitt bei 1,47 Geburten pro gebärfähiger Frau. In Weiden liegt die Rate bei 1,28.

"Wir steigen tiefer ein"


Klingt nach keinem so großen Unterschied? Wegen statistischer Rechenverfahren schlage sich dieser aber mächtig nieder, weiß Ruidisch. "Zudem zeigt das Beispiel der Geburtenrate, nicht alles liegt in der Hand der Kommune. Hier haben wir ein gesamtgesellschaftliches Problem." Obendrein erkläre Prognos, junge Familien zögen wegen des Wohnraummangels in der Stadt oft ins Umland.

Das Fazit? "Die Studie ist durchaus interessant", findet Hubmann. In diesem Zusammenhang verweist er auch darauf, wie dynamisch (Rang 176) und wirtschaftlich stark (Rang 188) der Zukunftsatlas Weiden einstuft. Aber der Atlas werfe eben nur zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Schlaglicht auf die Stadt. "Wir verfügen aber über die Zeitreihen, wissen um die Entwicklung. Kurzum: Wir steigen tiefer ein." Ruidisch ergänzt: "Aber um das Gespräch anzuregen, dafür ist die Studie gut geeignet." Ob sie recht behält, zeigt sich in der Stadtratssitzung (Montag, 14.30 Uhr, Neues Rathaus).
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