Weidener berichten vom Landestreffen der Integrationsbeiräte
Neue Ideen für Integration

Wie gelingt Integration? Diese Frage stellt sich nicht nur die Wochenzeitung "Die Zeit". Auch Dr. Sema Tasali-Stoll und Veit Wagner diskutierten darüber beim Landestreffen der Integrationsbeiräte. Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
03.05.2016
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Klappt das mit den Flüchtlingen? Die Frage diskutierten natürlich auch die Teilnehmer beim Treffen der bayerischen Integrationsbeiräte. Die Weidener Vertreter brachten von dort eine ermutigende Antwort mit. Gleichzeitig haben sie selbst mehr Forderungen an die Stadtpolitik.

Natürlich ist es eine große Herausforderung. Und natürlich gab es auch skeptische Stimmen. Unterm Strich, sagt Veit Wagner, überwogen bei den meisten aber Engagement und Optimismus: Die Integration der Flüchtlinge - sie sei zu schaffen, lautete der Tenor. Die Leute, die sich da mehrheitlich zuversichtlich zeigten, wissen wovon sie reden. Sie alle sind in der Integrationsarbeit tätig, viele haben selbst Wurzeln im Ausland.

Gemeint sind die Teilnehmer der Vollversammlung der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (Agaby) im Würzburger Rathaus. Vom Weidener Integrationsbeirat waren Dr. Sema Tasali-Stoll als Delegierte und Vorsitzender Wagner in Unterfranken. Beide besuchten zudem am Tag vor der Versammlung ein Fachtreffen, bei dem unter anderem auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm und der bayerische Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer auftraten.

Bilder aus Weiden


Dabei waren es nicht in erster Linie die großen Namen, die Tasali-Stoll besonders beeindruckten. Es waren vor allem die engagierten Menschen, die sie am Rande kennenlernte. Leute, "die sich hier zu Hause fühlen, am sozialen Leben teilhaben wollen". Leute von Beiräten aus 26 Städten oder Regionen Bayerns. Sie blickten in der Versammlung zurück auf Aktionen wie den Tag gegen Rassismus, von dem auch Bilder aus Weiden zu sehen waren. Und sie verabschiedeten Resolutionen (siehe Kasten).

Für Wagner war das Treffen auch Anlass, neue Ideen für die Beiratsarbeit in Weiden zu entwickeln. Eine davon ist, dass sich das Weidener Gremium künftig öfter inoffziell treffen könnte. Schließlich kämen auch andere Beiräte mitunter monatlich, teils wöchentlich zusammen.

Noch weiter geht eine zweite Anregung: "Wir sollten die offizielle Schiene stärker nutzen." Sprich: mehr Themen in den Stadtrat hineintragen. "Wir sollten uns nicht nur als Eventmanager sehen und irgendwelche Feste organisieren, sondern politische Forderungen stellen."

Viele Ideen


Noch eine Idee: Der Beirat schafft Möglichkeiten der Begegnung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. Wobei sich die Vorzeichen durchaus mal ändern dürften. "Wir sollten nicht nur in die Unterkünfte rein." Stattdessen müsse man auch die Frage stellen, was die Gesellschaft umgekehrt von den Flüchtlingen bekommen könnte. Konkret könnte das beispielsweise so aussehen, dass die Neuankömmlinge den Alteingesessenen zeigen, wie in ihrer früheren Heimat gekocht wird. Oder dass sie privat Sprachkurse geben. Daneben, so ein weiterer Vorschlag, sollte die Stadtgesellschaft mehr auf Feste anderer Religionen hingewiesen werden. Und der Beirat sollte weitere Vernetzungen knüpfen, so Wagner. Wobei das nicht nur heißt, mehr mit anderen in der Integrationsarbeit zusammenzuarbeiten. Sondern auch auf Gruppen zugehen, die Ausländern gegenüber reserviert sind. Hier könnte der Beirat helfen, Vorurteile abzubauen.

Es wären Beiträge für ein besseres Miteinander. Wobei die Aktivität nicht nur von den Alteingesessenen ausgehen muss. Für Tasali-Stoll jedenfalls gibt es auch die andere Seite der Medaille. "Integration ist keine Selbstverständlichkeit." Auch die Neuankömmlinge müssten sich bemühen. Tun sie das, dann könnte es durchaus sein, dass die Zuversicht bei vielen Teilnehmern des Agaby-Treffens nicht nur reines Wunschdenken bleibt.

Die Resolutionen der BeiräteDrei Resolutionen und eine Stellungnahme verabschiedete die Vollversammlung der Agaby. Eine Resolution trägt den Titel "Vormarsch des Rassismus und der Rassisten stoppen". Die Integrationsbeiräte fordern darin null Toleranz gegenüber entsprechenden Äußerungen und Handlungen, Opferschutz und Anlaufstellen für Betroffene. Unter "Schule für alle zukunftsfähig machen" fordern sie, angesichts der vielen jungen Flüchtlinge Innovationen in der Bildungslandschaft, die auch einheimischen Kindern zugutekommen sollen. Unter anderem dürfe es keine dauerhafte "Ausländerklassen" geben. Außerdem sollten Klassen kleiner werden, Unterricht und Prüfungen sollten auch in den Muttersprachen angeboten werden. In einer Resolution zur Flüchtlingspolitik werden außerdem die Verschärfung des Asylrechts und Abschiebungen nach Afghanistan abgelehnt.

In einer Stellungnahme kritisiert Agaby außerdem den Entwurf für ein Bayerisches Integrationsgesetz. Migranten würde unterstellt, sie seien nicht an Integration interessiert. Stattdessen fordert Agaby, mehr Infrastruktur für Integration zu schaffen. (fku)
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