Weltmissionsmonat
Bischöfe holen Filipinos ins Boot

Im Stadtteil Tondo der philippinischen Hauptstadt Manila sind die Armutshütten auf Stelzen ins Wasser gebaut. Das Fortbewegungsmittel ist ein aus Styroporplatten gebautes Boot. Bild: missio/Friedrich Stark
Politik
Weiden in der Oberpfalz
04.10.2016
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Joseph Guevarra. Bild: missio

Reihenweise lassen sich katholische Bistümer in Deutschland von den Philippinen inspirieren. Basisgemeinden lautet das Zauberwort. Joseph Guevarra aus Manila hilft, diese in seiner Heimat zu etablieren. Er besucht derzeit die Oberpfalz.

An Fragen nach dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte kommt Joseph (Jojit) Guevarra bei seinen Begegnungen in Deutschland nie vorbei. Früher oder später werde er auf ihn angesprochen, erzählt der 41-Jährige am Dienstagnachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung in Weiden. Der Katholik ist Mitarbeiter am philippinischen Pastoral-Institut "Bukal ng Tipan" in der Metropolregion der philippinischen Hauptstadt Manila.

Der Staatschef ist wegen seiner Rhetorik, dem harten Vorgehen gegen Drogenabhängige und den außergerichtlichen Tötungen umstritten. Damit polarisiert er nicht nur in Europa, sondern auch innerhalb der katholischen Kirche der Philippinen. Es gibt ausgesprochene Kritiker, wie den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Socrates Villegas. Aber es gebe innerhalb der Kirche auch viel Unterstützung für Duterte darunter von Priestern und Bischöfen, sagt Guevarra.

Kandidat vom Rand


Der Präsident sei ein Kandidat der Peripherie, er stamme nicht aus "Imperial Manila", der Hauptstadt-Region, sondern von Mindanao, einer der ärmsten Inseln des Landes. Er habe zwar 16 Millionen Stimmen erzielt und damit bei der Wahl gewonnen, aber nicht die Mehrheit hinter sich. Die Wahl des 71-jährigen Duterte bezeichnet Guevarra als Reaktion auf die Verhältnisse auf den Philippinen.

Von den rund 101 Millionen Einwohnern lebt etwa ein Viertel unter der Armutsgrenze. 1,8 Millionen sind drogenabhängig, davon konsumieren 28 Prozent regelmäßig Crystal Meth, ergab eine Studie. 4,8 Millionen hätten mindestens einmal in ihrem Leben illegale Drogen genommen. Es herrscht Korruption. Menschenhandel und Prostitution sowie schwere Gewaltverbrechen sind an der Tagesordnung. Jahr für Jahr verwüsten Taifune das Land.

Guevarra besucht derzeit in Zuge des alljährlich von der Katholischen Kirche und der katholischen Hilfsorganisation Missio München veranstalteten Weltmissionsmonats das Bistum Regensburg. Die Philippinen sind das diesjährige Beispielland. Guevarra ist Koordinator für "Kleine Christliche Gemeinschaften" am Pastoral-Institut. Diese sind in Europa eher unter dem Begriff kirchliche Basisgemeinden bekannt.

Die Idee hat ihre Wurzeln in der aus Lateinamerika stammenden Befreiungstheologie. Die philippinische Kirche setzt auf dieses Konzept als Antwort auf die strukturellen Probleme im eigenen Land. Zwar sind 80 Prozent Katholiken, aber es gibt viel zu wenig Teilhabe. Das Ziel: Die Gläubigen sollen sich mehr in ihre Kirchengemeinde einbringen. Und: Es soll den Menschen helfen, Verantwortung für sich, ihre Familien, ihre Nachbarn und ihre örtliche Gemeinschaft zu übernehmen. Am Institut schulen sie die Teamleiter, erläutert Guevarra. Sie gäben diesen Instrumente an die Hand, damit sie für ihre Region passende Antwort finden könnten, um die Nachbarschaftsgemeinschaften aufzubauen.

Exportschlager


Das Konzept der Basisgemeinden ist ein Exportschlager. In den vergangenen vier Jahren haben sich 15 deutsche Delegationen von der Kirche auf den Philippinen beraten lassen. Und das obwohl die Idee der Basisgemeinden lange Zeit Bischöfen und Priestern Bauchgrimmen bereitete. Schließlich müssen sie Verantwortung abgeben. Zuletzt stieß die Idee der Basisgemeinden auch in Wien und Zürich auf Interesse.

Termine in der RegionMissio-Projektpartner Joseph (Jojit) Guevarra koordiniert am Pastoralinstitut "Bukal ng Tipan" in der philippinischen Hauptstadt Manila die Arbeit der kleinen Christlichen Gemeinschaften. Er wird von Dominik Abel begleitet. Der 25-jährige Student der Theologie und Volkswirtschaft übersetzt für den Gast.

5. Oktober: 19.30 Uhr Vortrag im katholischen Pfarrheim in Waldthurn (Kreis Neustadt/WN).

9. Oktober: 9.30 Uhr Gemeindegottesdienst in der Stiftbasilika Waldsassen (Kreis Tirschenreuth), 14 Uhr Rosenkranz-Prozession mit dem Gerwig-Kreis Waldsassen und gemeinsamer Abschluss gegen 15 Uhr in der Kapplkirche.

18. Oktober: 19 Uhr Kardinal Orlando B. Quevedo berichtet im Obermünsterzentrum Regensburg über sein Engagement für den Frieden und den interreligiösen Dialog auf der Insel Mindanao. (paa)
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Weitere Termine und Informationen:

www.missio.com

Das Missio-Video "Ein Zündfunke für die Kirche"


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