Wir sind schon da

Einer der ersten Schritte einer groß angelegten Luftlande-Operation: Per Helikopter werden Kampfverbände als Vorhut abgesetzt, um das beabsichtigte Landefeld für die wenig später nachgeführten Fallschirmjäger handstreichartig zu nehmen und zu sichern. Bilder: bö (3)

Die größte Luftlande-Übung von Nato-Truppen seit Ende des Kalten Krieges ist angelaufen. 1200 Fallschirmjäger wurden abgesetzt.

(bö) Vom Horizont her, hinter dem einst Raversdorf lag, kommt ein monotones Brummen auf und nähert sich. Es sind die C-130-Transporter vom Typ Hercules der US-Streitkräfte und Transall-Maschinen der Bundeswehr. Sie nehmen Kurs auf das Deinfelder Tal. An Bord haben die in Rotten anfliegenden Maschinen knapp 1200 Fallschirmjäger, die wenige Augenblicke später auf dem Jura-Hochplateau an ihren Rundkappen-Schirmen geräuschlos zu Boden gleiten werden. In der heißen Nachmittagssonne sehen die Soldaten aus der Ferne wie verwehte, durch die Luft getriebene Löwenzahn-Samen aus. Das Brummen hat sich derweil verzogen.

"Der Wind passt heute besonders gut", urteilt mit Kennermiene Generalmajor Eberhard Zorn. Etwa 650 der gerade abgesetzten Luftlandetruppen stammen aus dem von ihm geführten Kontingent der Schnellen Eingreifreserve. Schwere Verletzungen hat es bei diesem "Big Jump" (übersetzt: großer Sprung) über Hohenfels nicht gegeben. Auch die bereitstehenden Baumkletterer des Bundesforstes brauchten nicht in Aktion treten. Bereits im Vorfeld hatten luftgelandete Kräfte die ehemalige Ortschaft Raversdorf mit einer Zugriffsoperation vom Boden aus gesichert. Angetroffene feindlichen Gruppen waren laut Manöver-Drehbuch im Handstreich in Gewahrsam genommen worden. Das Dorf und ein angenommenes Tanklager konnten ebenso wie die gesamte Absprungzone gesichert worden.

96 Stunden reichen

Die Manöverleitung erklärt, was Ziel dieser groß angelegten Übung ist: "Im Ernstfall hat man nur wenig Zeit zu handeln. Verbündete Truppen aus anderen Nationen zur Hilfe zu holen, ist aber relativ schnell möglich." So hat sich die Schnelle Eingreiftruppe der US-Army auf die Fahne geschrieben, innerhalb von 96 Stunden weltweit agieren zu können.

Diese multinationale militärische Übung sprengt sehr wohl bisher übliche Dimensionen. Sie zieht sich noch bis Mitte September hin und schließt neben Deutschland auch Rumänien, Bulgarien und Italien als Manövergebiete mit ein. Swift Response (prompte Antwort) - so der Name - stellt die bisher größte LuftlandeÜbung in Europa seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes Anfang der 1990-er Jahre dar. Unter anderem werden simultan auf den Übungsplätzen Hohenfels und Novo Selo in Bulgarien Soldaten aus der Luft abgesetzt, um nahtlos auf dem Boden in den simulierten infantristischen Kampfeinsatz überzugehen.

Derartige Eckpunkte skizzierten Generalleutnant Ben Hogdes seitens der US-Streitkräfte und der Kommandeur der Schnellen Eingreifreserve der Bundeswehr, Generalmajor Eberhard Zorn, aus dem oberhessischen Stadtallendorf. Gut 4800 Soldaten aus elf Nationen trainieren im Zuge von Swift Response. Die Leitung hat die 82. US-Luftlandedivision inne, die damit seit vielen Jahren in Europa wieder militärische Flagge zeigt. Am Übungsgeschehen in Süddeutschland nehmen zudem etwa 650 Soldaten der Division Schnelle Kräfte teil.

Aus elf Nationen

Geübt wird die schnelle Reaktionsfähigkeit bei Luftlandeoperationen sowie das multinationale Zusammenspiel unter Nato-Partnern. Neben den USA und Deutschland stellen Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Polen, Portugal und Spanien Soldatenkontingente. (Hintergrund)
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