Zellennachbar sagt aus

Ein Mithäftling sagte am Mittwoch im Prozess gegen vier Vietnamesen vor der 3. Jugendkammer aus. Der 42-Jährige bezeichnete den Zellennachbarn als Drogenhändler. Die Verteidigung nahm den Zeugen schwer in die Mangel.

Weiden. (rns) Seit Juli wird am Landgericht gegen drei Vietnamesen und einen Tschechen vietnamesischer Herkunft verhandelt. Sie waren vor einem Jahr bei Waidhaus mit 418 Gramm Methamphetamin erwischt worden.

Der Zeuge vom Mittwoch sitzt ebenfalls wegen Rauschgiftschmuggels. Woher er wisse, dass der andere deale? "Die anderen wollen mich raushalten." Und: "Warum hast du so viel bezahlt?" Das soll einer der angeklagten Vietnamesen, ein 37-jähriger Koch, in der Justizvollzugsanstalt zu ihm gesagt haben. Wenn er ihn in Prag kontaktieren würde, bekäme er den Stoff erheblich billiger.

Mit penetranten Nachfragen versuchten die Verteidiger, dem Zeugen jedes Wort im Mund umzudrehen. Man habe sich mit "Händen und Füßen" unterhalten. Aber: Wie soll das bei den komplexen Verhältnissen gegangen sein, wenn man kein Wort Vietnamesisch versteht? Der Anwalt stellte in den Raum, dass der Berufskraftfahrer bloß aussage, um sich Pluspunkte für seine eigene Verhandlung in Weiden zu verschaffen.

Selbst die Sprachkenntnisse einer Jugendamtsmitarbeiterin stellte Anwalt Adam Zurawel in Frage. Die Sozialpädagogin, die bis zu ihrem zehnten Lebensjahr in Tschechien aufgewachsen war und noch wöchentlich Kontakte zu dortigen Verwandten pflegt, hatte sich mit dem jüngsten Angeklagten in ihrer Muttersprache unterhalten. Die Verteidiger zweifelten die Richtigkeit ihrer schriftlichen Aussage an, nämlich, dass es nach Schweden hätte gehen sollen. "Nach Schweden" und "in die Welt" klängen im Tschechischen ähnlich.

Gleich zu Beginn verkündete Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle den Beschluss, dass Rechtsanwalt Stephan Schütz nicht von der Verteidigung entpflichtet wird. Rechtsanwältin Katrin Gehre hatte dies beantragt, zudem die Aussetzung des ganzen Prozesses. Prof. Peter Betz vom rechtsmedizinischen Institut der Universität Erlangen hatte die Werte von Cannabis, Methamphetamin und Amphetamin im Blut von Zurawels Mandanten als "nicht exorbitant hoch" bezeichnet. Betz ließ sich, trotz hartnäckiger Versuche des Verteidigers, nicht umstimmen. Eine Einschätzung der Schuldfähigkeit bleibt Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder vorbehalten. Er tritt am 23. September in den Zeugenstand.
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