Zu den Gründen und Hintergründen sagt Hansjörg Bohm nichts
Baudezernent wirft hin

Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm kündigte bei der Stadt Weiden. Bild: Huber
Politik
Weiden in der Oberpfalz
29.09.2016
1981
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Nein, zu den Gründen und Hintergründen sagt Hansjörg Bohm nichts. Aber der Weidener Bau- und Planungsdezernent bestätigt am Donnerstag gegenüber dem NT, dass er am Dienstag gekündigt habe - mit Frist bis Ende Oktober.

Der heute 55-jährige Regierungsbaumeister nimmt derzeit seinen Jahresurlaub. Er deutete an, dass er nicht ins Rathaus zurückkehren werde. Zugleich betonte er, dass er "Kommentare zu meiner Kündigung - gleich welcher Art - nicht kommentieren" werde. Mit Schreiben vom 27. September 2016 habe er die Entlassung aus seinem Beamtenverhältnis mit Wirkung zum 31. Oktober 2016 beantragt. Zu den Gründen mache er keine Angaben. Bohm: "Nur so viel mitzuteilen, ist meine Entscheidung. Ich habe mich dazu gegenüber niemandem verpflichtet und werde das auch nicht tun."

Schon kurz nach seinem Amtsantritt in Weiden vor sechs Jahren hatte Bohm für Furore gesorgt: So wartete er mit überraschenden Ideen für die Neunutzung des seit langem brachliegenden "Bahnbetriebswerks" auf. Er sah das riesige Gelände als neuen Stadtteil mit Wohngebäuden und Schulen. Zugleich machte er deutlich, dass der Bahnhof neu gebaut werden müsste. Sogar das "Neue Rathaus" - zu klein geworden und nur mit höchstem finanziellen Aufwand energetisch sanierbar - hätte dort einen neuen Platz finden können. Seine Visionen begeisterten, waren zugleich aber auch umstritten. Sie überforderten viele Weidener, die sich keinen visionären Stadtplaner, sondern einen bodenständigen Bürokraten als Baudezernenten wünschten. Stets und konsequent als Fußgänger unterwegs, verfügte Bohm schnell über eine verblüffende Ortskenntnis. Sein Verhältnis zu OB Kurt Seggewiß und anderen Dezernenten kühlte zunehmend ab.

Der aus Öhringen (Baden-Württemberg) stammende Architekt und Stadtplaner gilt als Bahn-Kenner und -Fan. Mit zwei Kollegen hatte er zum Beispiel den Umbau des Stuttgarter Bahnhofs (Stuttgart 21) vorausgeplant. Ganz aktuell entsteht in Weiherhammer ein neues Güterverteilzentrum, zu dessen Initiatoren Bohm zählt.

Bohm kam im Jahr 2010 aus Kiel nach Weiden. Dort hatte er von 2001 bis 2009 das Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Kiel geleitet und war 2009 bis 2010 Leiter der Abteilung "Planung und Durchführung von Bauten" in der Immobilienwirtschaft der Landeshauptstadt Kiel.

OB Seggewiß bedauert Bohms Ausscheiden
In der obligatorischen Sitzung des Personalausschusses gab OB Kurt Seggewiß am Donnerstag den Entlassungswunsch von Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm bekannt. Gegenüber dem NT kommentierte Seggewiß den Brief des Dezernenten: "Ich bedauere Bohms Ausscheiden, danke ihm für seine geleisteten Dienste und wünsche ihm auf seinem weiteren Berufs- und Lebensweg alles erdenklich Gute."

Seggewiß bestätigte offiziell, dass Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis bei der Stadt Weiden zum 31. Oktober 2016 beantragt hat. "Ich werde diesem Wunsch nachkommen, obwohl derzeit große städtebauliche Projekte anstehen, die für die weitere Entwicklung unserer Stadt von wegweisender Bedeutung sind. Wir werden aus diesem Grund auch die Lücke, die Hansjörg Bohm hinterlässt, möglichst schnell schließen", versicherte Seggewiß.

Mit dieser Aussage entkräftete der Oberbürgermeister wohl auch die im Rathaus kursierenden Gerüchte, im Zuge einer Neuordnung solle das Bau- und Planungsdezernat aufgelöst, Stadtplanung und Bauordnung dem Rechtsamt, Hoch- und Tiefbau der Kämmerei zugeschlagen werden.
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