Zum Abschied drei Bitten an den Stadtrat
Standing Ovations für Walter Leupold

Architekt Karlheinz Beer (links) beerbte Walter Leupold im Weidener Stadtrat. Nach 38 Jahren war dem streitbaren CSU-Mann der ausdrückliche Dank des Oberbürgermeisters, sondern auch der Applaus der ehemaligen Kollegen sicher. Bild: Götz
Politik
Weiden in der Oberpfalz
09.05.2016
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Gänsehautmomente im Rathaussaal. Zum letzten Mal tritt Walter Leupold, der dienstälteste Stadtrat, ans Rednerpult. Drei konkrete Bitten richtet er am Montag an seine ehemaligen Kollegen - im Wesentlichen aber impft er ihnen Selbstbewusstsein ein: "Sie können stolz sein auf das, was Sie leisten!" Am Ende erheben sich alle Stadträte von den Plätzen, um dem Scheidenden zu applaudieren. Die Vereidigung seines Nachfolgers, Architekt Karlheinz Beer, verfolgt Leupold schon vom Zuschauerplatz aus, in den Händen das Geschenk des Oberbürgermeisters an den Landgerichtspräsidenten: eine Verfassung des Königreichs Bayern aus dem Jahr 1818.

Dem Stadtparlament gehörte der Christsoziale 38 Jahre lang an, zeitweise auch als Fraktionsvorsitzender. OB Kurt Seggewiß dankt ihm für wichtige Weichenstellungen in der Stadtentwicklung, insbesondere auch bei der Gründung der Kliniken AG 2005. Leupold sei "ein Stadtrat mit Leib und Seele" gewesen - was er schon mal "wortgewaltig" bewiesen habe. "Irgendwann war ich mal der jüngste Stadtrat, der bin ich nicht mehr", meint der 65-Jährige. Seinen Wohnsitz hat er zwar zu seiner Frau nach Schwandorf verlagert. Aber: "Ich bin Weidener von Geburt und Überzeugung. Ich hänge an dieser Stadt und werde mich weiter engagieren." Seine Bitte Nr. 1 ans Gremium: "Lassen Sie sich von nichts und niemandem einreden, dass Politik nur ein garstiges Geschäft wäre." Die Stadträte leisteten wichtige Arbeit für die Demokratie. Ihre Stellung sollten sie nicht selbst untergraben - zum Beispiel in Diskussionen um die Ausstattung von Fraktionen und die Entschädigung von Stadträten. Bitte Nr. 2: "Lassen Sie sich von der Verwaltung nichts vorschreiben." So sei es ureigenste Aufgabe des Stadtrats, eine Geschäftsordnung zu erlassen. Und: Das Gremium sei Aufsichtsorgan der Verwaltung - "und nicht umgekehrt". Ausdrücklich dankt Leupold aber auch den "außergewöhnlich engagierten" städtischen Bediensteten für "Rat und Tat". Bitte Nr. 3: "Vergessen Sie angesichts der Alltagsprobleme nicht den Blick aufs Ganze." Konkret könne man den "Stadtwald nur ein Mal verkaufen", um den Haushalt zu entlasten.

Das, so merkt Leupold an, "wollte ich nur nochmal gesagt haben, so als letztes ... ,Testament' wäre wohl übertrieben". Interessiert werde er die Stadtpolitik weiter verfolgen, kündigt er an. Und falls ihm etwas gegen den Strich geht? "Dann werde ich mit Gerd Hofmann einen gemeinsamen Leserbrief schreiben und mich über die Politik beschweren".
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