Club stellt neuen Trainer vor
"Der Alois will anpacken"

Alois Schwartz schwärmt vom Club: Der Ex-Trainer von Sandhausen weiß aber auch um die Schwere der Aufgabe. Am Montag wurde der 49-Jährige vorgestellt. Bild: Bernd Müller
Sport
Weiden in der Oberpfalz
28.06.2016
141
0

Ein nicht enden wollendes Blitzlichtgewitter - so etwas kannte Alois Schwartz aus Sandhausen nicht. "Daran sieht man, was das für ein Verein ist." Der neue Trainer des Zweitligisten 1. FC Nürnberg wurde am Montag in einem Hotel am Vereinsgelände vorgestellt.

Nürnberg. Als er mal wieder im Nürnberger Stadion zur Gegnerbeobachtung war, lehnte sich Alois Schwartz, der Trainer des SV Sandhausen, zurück und dachte sich: "Einmal hier beim Club Trainer zu sein, das wär's". Diese Anekdote erzählte der 49-Jährige am Montag, dem Tag, an dem er als Coach des neunfachen deutschen Fußball-Meisters vorgestellt wurde. Jetzt sitzt Schwartz nicht mehr irgendwo im Stadionrund und kann träumen, jetzt sitzt er in der ersten Reihe und muss sich der harten Realität stellen.

Andere Erwartungen


Natürlich weiß er, dass der Club wieder einmal mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Er weiß aber auch, dass die Zielsetzung nicht einfach Platz zehn bis zwölf in der zweiten Bundesliga lauten kann. "Wir können hier sicherlich nicht spielen wie Sandhausen. Der Club muss natürlich eher agieren als reagieren", erklärte er. Mit dem SVS war er immer der Außenseiter, konnte nur gewinnen. In Nürnberg sind die Erwartungen ganz andere.

Ein Drei-Stufen-Plan


Da es in den letzten Tagen mit dem Wechsel aus Sandhausen ganz schnell ging, erläuterte er nur mal einen groben Drei-Stufen-Plan. "Kurzfristig müssen Siege her, mittelfristig ein guter Tabellenplatz und langfristig haben wir höhere Ziele." Hört sich alles wenig konkret an, aber Punkt drei lässt schon aufhorchen. Ist also doch der Bundesliga-Aufstieg das Ziel? Schwartz lächelt: "Jeder Trainer will einmal in die Bundesliga." Aber die Eliteliga ist derzeit beim Club noch weiter weg, als in den Mai-Tagen, als die Mannschaft grandios in der Relegation scheiterte.

Am Montagnachmittag leitete Schwartz schon das Auftakttraining. In den nächsten Tagen will er mit Sportvorstand Andreas Bornemann daran gehen, den Kader auch ein bisschen nach seinen Vorstellungen zu formen. Ein Budget dafür gibt es eigentlich keines. Und so hätten auch Spieler, die ausgeliehen waren und wieder zurückkommen, eine Chance. "Zudem ist es ganz wichtig, auch wieder junge Spieler einzubauen." Ein Glücksgriff wie in der vergangenen Saison mit dem Raigeringer Patrick Erras, wäre Gold wert.

Der Wunschkandidat


Diese Präferenz für junge Spieler sei auch ein Grund gewesen, Schwartz zu holen, sagte Sportvorstand Bornemann. "Und er hat gezeigt, dass er mit geringen und nicht allzu üppigen Voraussetzungen viel erreichen kann", sagte Bornemann. Mit dem SV aus Sandhausen, dem knapp 15 000 Einwohner zählenden Städtchen bei Heidelberg, wurde er in den vergangenen drei Jahren zwei Mal Zwölfter und ein Mal Dreizehnter. Normalerweise beeindrucken solche Bilanzen bei einem Traditionsclub nicht, doch am Valznerweiher sind die Ansprüche nicht mehr die von früher. "Alois war unser Wunschkandidat und der erste, mit dem wir am Verhandlungstisch waren", erklärte Bornemann und lobte schon mal vorab: "Der Alois will anpacken."

Dessen kurzfristiger Abgang aus der Kurpfalz hinterließ dort einige verärgerte Leute. "Es ist sicherlich nicht glücklich für Sandhausen und auch kein glücklicher Zeitpunkt", entschuldigte sich Schwartz etwas. Er habe seinen Wechselwunsch aber auch immer wieder angedeutet. Jetzt ist er in Nürnberg. Auch wegen der Fans, wie er verriet. Damals, als er noch zu Spiel-Beobachtungen da war, sei ihm eines aufgefallen. "Die Leute gehen hier nicht einfach ins Stadion, sie pilgern ins Stadion."

Alois SchwartzAlois Schwartz wurde in Nürtingen (Baden Württemberg) geboren und wurde Ende März 49 Jahre alt. Einen Großteil seiner Spielerkarriere verbrachte er bei den Stuttgarter Kickers, Er spielte aber auch für den MSV Duisburg, Rot-Weiss Essen, den SV Waldhof Mannheim und den FC Homburg.

Insgesamt bestritt der Mittelfeldspieler 85 Bundesligaspiele (4 Tore) und 127 Zweitligaspiele (10 Tore).

Seine Trainerkarriere begann Schwartz im Jahr 2002 bei Rot-Weiß Erfurt als Co-Trainer. Dort war er später auch Cheftrainer. Auch beim 1. FC Kaiserslautern arbeitete er. Der Durchbruch gelang ihm aber erst 2013 beim Zweitligisten SV Sandhausen. Am Wochenende erfolgte nun der Wechsel zum Club.

Schwartz soll einen Zweijahres-Vertrag unterschrieben haben, was der Verein nicht bestätigte. (mr)
Weitere Beiträge zu den Themen: 1. FC Nürnberg (147)Alois Schwartz (8)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.