Eishockey: Markus Berwanger und Christian Meiler im Interview
Blue Devils stark im Kollektiv

Endlich ist wieder der Schläger im Spiel: Blue-Devils-Coach Markus Berwanger (rechts) und Teammanager Christian Meiler freuen sich auf den Saisonstart am Wochenende. Bild: Gebert
Sport
Weiden in der Oberpfalz
29.09.2016
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Mal teuflisch gut, dann wieder verteufelt schlecht - die Blue Devils haben in den vergangenen Jahren immer wieder zwei Gesichter gezeigt. In der neuen Oberliga-Saison heißt die Gleichung: Mehr Konstanz ist gleich mehr Erfolg.

Allerdings warnt Markus Berwanger vor zu hohen Erwartungen. "Wir werden nicht 46 Mal super spielen", betont der Trainer vor dem Saisonstart gegen den EV Lindau und Höchstadter EC. Wieso er und Teammanager Christian Meiler an eine erfolgreiche Spielzeit glauben, erklären sie im Interview.

Herr Berwanger, Herr Meiler, die Oberliga Süd hat das übliche Sommertheater hinter sich. Es sind jetzt 12 statt ursprünglich 9 Teams am Start, dazu ein neuer Modus - passen die Rahmenbedingungen?

Meiler: Bei einer Oberliga mit nur 9 Mannschaften wäre bei vielen Vereinen die wirtschaftliche Situation gefährdet gewesen. Wir sind dankbar, dass sich die drei Bayernligisten Waldkraiburg, Höchstadt und Lindau bereit erklärt haben, in der Oberliga zu spielen. Die jetzige Lösung passt, auch der Modus ist gut.

Berwanger: Ich finde auch, dass es eine interessante Liga ist. Bemerkenswert ist, dass sich diesmal alle Oberligisten einig waren.

Könnte die Eingliederung von Bayernligisten sportlich gesehen ein Problem werden? Droht vielleicht eine Zweiklassengesellschaft?

Berwanger: Ich denke nicht, dass dies ein Thema ist. Starke und Schwächere, diese Situation gibt's in allen Sportarten und Spielklassen.

Meiler: Die Bayernliga ist keine schlechte Liga. Die Vereine, die aufgerückt sind, haben sich auf dem Transfermarkt verstärkt. Die werden für Überraschungen sorgen.

Stichwort Liga-Stärke. Wer sind die Top-Favoriten?

Berwanger: Die Eishockey News hat das Feld schon mal in drei Vierergruppen eingeteilt. Regensburg, Selb, Bad Tölz und Peiting in der Favoritengruppe, wir mit Landshut, Sonthofen und Deggendorf in der mittleren Gruppe, der Rest kommt dahinter. Grundsätzlich ist das so in Ordnung, aber man muss wissen: Papier ist geduldig.

Die Saisonvorbereitung der Blue Devils verlief zunächst ansprechend. Weniger überzeugend war die Leistung dann gegen den Ligakonkurrenten Höchstadt. Und zuletzt gab es sogar eine Blamage gegen den Landesligisten Amberg ...

Berwanger: Über diese Niederlage habe ich mich unglaublich geärgert. Dass es so nicht geht, werde ich klar ansprechen. Aber als Trainer muss ich die Balance halten und es dann auch wieder gut sein lassen. Wenn einer missratenen Generalprobe eine erfolgreiche Premiere folgt, dann sind wir sicher diesmal gut dabei.

Meiler: Die Pleite gegen Amberg war furchtbar. Ich denke, dass unsere Spieler dies wiedergutmachen wollen. Wir werden am Freitag im Heimspiel gegen Lindau eine hochmotivierte Weidener Mannschaft sehen.

In der vergangenen Saison war eines deutlich: Die Blue Devils tun sich schwer, selbst das Spiel zu gestalten. Ist da Besserung in Sicht?

Berwanger: Unsere Stärke ist es, sich in ein Spiel reinzubeißen. Gegen einen starken Gegner ist dies manchmal leichter. Gegen ein Team wie Lindau werden wir aber auch mehr Offensivaktionen bekommen als zum Beispiel gegen Regensburg. Dafür müssen wir bereit sein. Wir werden auch diese Saison Gurkenspiele abliefern und nicht 46 Mal super spielen. Aber wir wollen einen Schritt nach vorne tun. Mittelfristiges Ziel muss es sein, im erweiterten Kreis der Oberliga-Spitze anzugreifen. Das bedeutet aber auch viel Aufbauarbeit, die noch vor uns liegt.

Meiler: Wir waren lange Zeit weit entfernt von einem kontrollierten Spielaufbau. Auch deshalb, weil man sich die individuelle Klasse von Spielern nicht backen kann. Es geht bei uns nur über das Kollektiv, um ein Spiel zu dominieren.

Auf den Ausländerpositionen spielen Matt Abercrombie und Jussi Tapio. Wie gut besetzt sind hier die Blue Devils?

Berwanger: Die Verpflichtung von zunächst Zack McQueen war ein Versuch. Das haben wir korrigiert. Ich glaube, dass Abercrombie noch kommt. Und klar ist, dass Tapio sich steigern muss. Insgesamt muss man aber eines sehen: Für die finanziellen Mittel, die uns zur Verfügung stehen, haben wir uns gut aufgestellt. Lediglich der Kader insgesamt ist mit 18 Feldspielern etwas knapp.

Meiler: Dass der Kader nicht so groß ist, bedeutet auch eine Chance für junge Spieler wie Thomas Schreyer und Marius Nägele. Wir leisten uns ja einen unglaublichen Nachwuchsapparat. Schade ist dann, dass ein Mann wie Dominik Schopper geht.

Wie bewerten Sie die einzelnen Mannschaftsteile?

Berwanger: Hönkhaus/Huber sind ohne Zweifel ein gutes Torwartduo. Die Verteidigung ist etwas dünn besetzt. Da muss jeder seinen Mann stehen. Verletzungen darf es nicht viele geben. Im Angriff haben wir drei ordentliche Reihen, durchaus oberes Oberliga-Niveau. Was letztlich zählt, ist das Teamgefüge. Jeder muss seine Rolle akzeptieren. Einen Stinkstiefel, der die Mannschaft runterzieht, darf es nicht geben.

Mit welchen Zielen treten die Blue Devils an?

Meiler: Wir wollen unter die ersten Acht, dann schauen wir weiter. Was wir brauchen, ist ein guter Start.

Berwanger: In der vergangenen Saison haben wir kein Spiel gewonnen, in dem wir schlechter waren als der Gegner. Ich würde mir wünschen, dass wir dies ein paar Mal schaffen.

Wie lautet Ihr Tipp zum Saisonstart?

Berwanger: Ich will in jedem Spiel drei Punkte holen.

Meiler: Dem schließe ich mich an. Was wichtig ist: Wir brauchen die Fans und eine gute Stimmung in der Kurve. Was wir nicht brauchen, sind Leute, die das Eishockey in Weiden als Plattform für Krawalle nutzen wollen. Wir haben keine Lust auf Stadionverbote und Polizeigespräche.

Wir brauchen die Fans und eine gute Stimmung in der Kurve.Teammanager Christian Meiler


Einen Stinkstiefel, der die Mannschaft runterzieht, darf es nicht geben.Trainer Markus Berwanger
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