Familie, Freunde und Förderer freuen sich mit Philipp Wolf
Vom Realschulbad nach Rio

Ein Oberpfälzer Bub in seinem Element: Der neunjährige Philipp Wolf bei den Stadtmeisterschaften im Schwimmen 2002. Bild: privat
Sport
Weiden in der Oberpfalz
11.07.2016
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Beim Training im Realschul-Hallenbad: Seit Pfingsten feilte Philipp Wolf (links) vornehmlich in Weiden an seiner Olympia-Form. Sein Mentor Peter Dehling (rechts) dankt der Stadt für die schnelle und unbürokratische Genehmigung von Übungszeiten. Bild: A. Schwarzmeier

Er hat's spannend gemacht. Bis zuletzt. Jetzt ist der Jubel um so größer bei Familie, Freunden und Förderern: Philipp Wolf startet bei Olympia 2016.

Die Champagnerkorken knallten zwar noch nicht in Altenstadt. Stattdessen stieß die Familie Wolf am Samstagvormittag immerhin mit Prosecco auf die prickelnde Nachricht an: Der Philipp fliegt nach Rio! "Wir freuen uns für ihn", sagt Mutter Helga. "Das ist die Belohnung für sein jahrelanges Training." Und es ist eine Belohnung für die Eltern, die den Filius schon als zehnjährigen Steppke immer wieder ins Abendtraining des Schwimmvereins chauffierten - meist zur Weidener Realschul-Schwimmhalle. "Sonst ist so was ja gar nicht möglich", meint die Mama lapidar. "Aber das geht ja vielen Eltern so."

Bei den wenigsten freilich kommt dabei ein Olympia-Athlet raus. Der 9. August ist Philipp Wolfs großer Tag. Dann startet er am Zuckerhut in der 4x100-Meter-Freistil-Staffel - für die ihn der Bundestrainer nun quasi in letzter Sekunde nominiert hat. Der 23-Jährige machte es so spannend, dass seine Verwandten und Förderer nun keine Chance mehr haben, an Flüge und Karten für Rio zu kommen. Nicht tragisch, findet Mutter Helga: "Hauptsache, er fliegt."

Peter Dehling hat ganz mutig bereits vor vier Jahren angekündigt, Wolf bei Olympia anfeuern zu wollen. Aber auch er muss jetzt erkennen: "Das wird wohl nix. Man hätte das langfristig planen müssen." Bei den "German Open" in Berlin, wo sich Wolf gegen seine Konkurrenten hauchdünn durchsetzte, da war Dehling allerdings dabei. "Man hat ihm die Anspannung angesehen", erzählt der Weidener. "Das war kein normales Rennen. Er war etwas blockiert. Sein Potenzial ist noch größer."

"Er hat sich anders bewegt"


Peter Dehling und sein Bruder Wolfgang ("Er war sein großer Entdecker") trainierten Philipp Wolf beim SV Weiden schon als Kind. Beim damals 14-Jährigen stellten sie fest, dass er anders war als die anderen. "Er hat sich anders bewegt, war anders belastbar. Der liebe Gott hat ihm ein herausragendes Talent geschenkt." "Es war die Art, wie er im Wasser lag", bestätigt SV-Vorsitzender Reinhard Meier, der den kleinen Philipp schon als Siebenjährigen unter seine Fittiche genommen hatte. Wolf verkörpere die Philosophie des Schwimmvereins: "Wir verheizen unsere Talente nicht mit 14, 15 Jahren, sondern bauen sie kontinuierlich auf."

Die beiden Brüder Wolfs entschieden sich als Teenager für den Fußball, gegen das Schwimmen. Philipp grübelte eine Zeitlang. Und stürzte sich wieder ins Wasser. Dehling: "Es war eine schwere Entscheidung." Die Erfolge blieben nicht aus: Siege in Serie unter anderem bei Bayerischen Meisterschaften, Rekorde, die Bronzemedaille bei der Junioren-EM. Im Jahr 2012 fasste Wolf Olympia 2016 ins Auge. Der Altenstädter zog nach München, um Bauingenieurswesen zu studieren und, gefördert von Trainer Olaf Bünde, am Olympia-Stützpunkt seinem großen Traum entgegenzukraulen. Tatsächlich reifte er zum Weltklasse-Schwimmer. Nach sechs Semestern hätte er sein Studium nun abschließen können. Doch die Prüfungen vertragen sich so gar nicht mit dem Terminkalender für Rio. Darüber, dass der Sohn da wohl eine Ehrenrunde einlegen muss, sind Reinhard und Helga Wolf natürlich nicht böse. Auch die Geburtstagsfeier müssen sie verschieben. Seinen 24. begeht Philipp am 15. August bei den Olympischen Spielen.

"Supertyp" ohne Allüren


Den letzten Schliff für die entscheidenden Rennen in diesem Jahr holte sich der 23-Jährige in Weiden: Betreut von den Dehlings, machte er zuletzt "gut zwei Drittel seiner Vorbereitung" im Realschulbad, verrät Peter Dehling. Als die Trainingsmöglichkeiten im Münchener Olympia-Zentrum zu Pfingsten eingeschränkt worden waren, "hat uns die Stadt Weiden da sehr schnell und unbürokratisch weitergeholfen", lobt er. Bis zu 15 Stunden pro Woche muss ein Spitzenschwimmer wie Wolf trainieren. "Er ist da wie Michael Phelps. Er trainiert mit sehr hoher Intensität. Auch das ist eine seiner besonderen Stärken: Er kann hohe Belastungen aushalten, physisch wie psychisch." Nicht nur deshalb schildert auch Reinhard Meier den Ausnahmeschwimmer als "Supertyp". Allüren - Fehlanzeige.

Gute Voraussetzungen jedenfalls für die Strapazen der nächsten Tage und Wochen. Morgen wird der Oberpfälzer in Hannover eingekleidet, schon nächste Woche geht's ins Trainingslager nach Brasilien. Dazwischen eine letzte Stippvisite in der Heimat. "Am Wochenende kommt er nochmal heim", verrät die Mutter. Möglicherweise taucht der Olympionike dann auch im "Schätzler" auf. Das nächste Mal sieht man ihn dann am 9. August - im Fernsehen. Wie schätzt Peter Dehling die Chancen der deutschen Freistil-Staffel ein? "Im Finale", so tippt der Experte, "könnte ein fünfter oder sechster Platz drin sein." Ein guter Grund, damit in Altenstadt auch mal Champagnerkorken knallen.
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