Fan-Proteste nach Vorgehen von Vorstandschaft und Polizei gegen "Ultras"
"Brigade Stockerhut" auf dünnem Eis

Sonntagabend. In der Regensburger Fankurve wird ein Solidaritätsspruchband für die Kollegen aus Weiden entrollt. Bild: hfz
Sport
Weiden in der Oberpfalz
18.10.2016
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"Wir werden nicht akzeptieren, dass Spiele des EV Weiden von gewaltbereiten Tätern als Bühne benutzt werden." Zitat: Thomas Siller, Vorsitzender des 1. EV Weiden

Sonntagabend im Eisstadion. In der Kurve klafft eine Lücke. Die "Supporters" verweigern den Support. Die Fans dieser Gruppierung verpassen den Sieg ihrer "Blue Devils" gegen Peiting. Aus gutem Grund, wie sie sagen. Ein Missverständnis, sagt der 1. EV Weiden.

Parallel dazu wurden am Sonntag bayernweit in den Stadien Banner entrollt. "Gegen Polizeiwillkür - Ultra lässt sich nicht verbieten", war in der Regensburger Fankurve zu lesen. Ähnliche Solidaritätsplakate gab es in Landshut und Kaufbeuren: "Kämpfen Szene Weiden!"

Was war passiert? Auslöser ist eine Ansprache von EV-Vorsitzendem Thomas Siller vor dem ersten Heimspiel am 30. September. Die Polizei fing dazu die Anhänger der Ultra-Fangruppe "Brigade Stockerhut" und einige "Supporters" vor den Stadiontoren ab. Siller machte eine Ansage. Er kündigte an, keine Spruchbänder mit Provokationen und Beleidigungen mehr zu dulden. Siller: "Für mich war das nur eine Nebengeschichte. Mir ging es vor allem um das Verhalten im Stadion und außerhalb, gerade auswärts."

Eine Folge der Ansprache war, dass die "Supporters" im Auftaktspiel fünf Minuten schwiegen. Beim Folgespiel wurde ein Banner entrollt: "Keine Meinungsfreiheit - keine Stimmung."

Arbeitgeber informiert


"So kann man nicht in eine neue Saison gehen. Das hat mit Meinungsfreiheit nichts tun zu", sagt ein Sprecher der "Supporters", der seinen Namen nicht abgedruckt sehen will. Auch dafür hat er einen Grund: Wenige Tage später sei der Arbeitgeber eines Anhängers der "Brigade Stockerhut" informiert worden. Der Arbeitgeber sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass der junge Mann Unruhe stifte und bei Spielen besonders beobachtet werde. "Das geht gar nicht", empört sich der "Supporter"-Sprecher. "Das ist überzogen." Via Facebook rufen "Supporters" zum Zusammenhalt auf: "Ein Block. Ein Verein. Eine Liebe."

Was sagt die Polizei? "Wir geben dazu keine Stellungnahme ab", sagt Roland Ast, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Weiden. Nach NT-Recherchen kann es sich bei dem Arbeitgeber nur um den öffentlichen Dienst handeln. Das Polizeigesetz würde dann zur "Gefahrenabwehr" eine Information der Dienststelle ermöglichen. Private Arbeitgeber dürfen generell nicht in Kenntnis gesetzt werden. Laut Fankreisen handelt es sich bei dem betreffenden "Ultra" um einen Bundeswehrsoldaten.

Wir werden nicht akzeptieren, dass Spiele des EV Weiden von gewaltbereiten Tätern als Bühne benutzt werden.Thomas Siller, Vorsitzender des 1. EV Weiden

Tatsache ist, dass der 1. EV Weiden gewaltbereite Fans hat. Zwei Tage nach Sillers Ansprache, am 2. Oktober, gab es nach dem Auswärtsspiel in Höchstadt massiven Ärger. Während die Polizei die Fanbusse - wie üblich - nach Abpfiff zur Autobahn eskortierte, kehrten "Brigade"-Anhänger in privat gemieteten Kleinbussen wieder um. Sie fuhren gezielt das Vereinslokal der "Alligator-Ultras" an. "Das war unschön", sagt der stellvertretende Inspektionsleiter aus Höchstadt. Der Einsatzzug Erlangen war vor Ort und verhinderte eine Auseinandersetzung. Es wurden die Personalien der etwa 20 Krawallmacher aus Weiden festgestellt. Die Überraschung: Der überwiegende Teil ist gar nicht aus Weiden und Umgebung, sondern aus Marktoberndorf, Regensburg, Wunsiedel, Marktredwitz, Bayreuth, Fürth - "aber alle unter der Fahne Weidens".

Polizei-Vize Ast betont ausdrücklich, dass sich der Ärger nicht gegen sämtliche Eishockey-Fans richte. "Es geht um eine Handvoll. Bei den Heimspielen haben wir ohnehin keine großen Probleme. Den Ärger gibt's auswärts." EV-Vorsitzender Siller kündigt für diese Woche eine ausführliche Stellungnahme an. Auch er nimmt "Penaltys", "Blueliners", "Supporters" und "Links unten" ausdrücklich aus. Diese vier Fangruppen hätten sich immer anständig verhalten. "Wir sind um jeden Fan froh, der die Mannschaft unterstützt", sagt Siller. "Aber wir werden nicht akzeptieren, dass Spiele des EV Weiden von gewaltbereiten Tätern für ihre Zwecke als Bühne benutzt werden."

"Brigade Stockerhut"


Wer sind die Übeltäter? In Höchstadt waren es Kapuzenträger der "Brigade Stockerhut", die in der letzten Saison schon aufgefallen war. Was haben diese mit den "Supporters" zu tun? "Wir stehen nebeneinander, wir kennen uns. Wie 's Rote Kreuz und die Malteser", vergleicht ein "Supporter". Von den Ausfällen habe er nichts mitbekommen. "Wissen Sie: Ich geh' aufs Eishockey."
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