Faustball
Einmal Faustball, immer Faustball

Dieter Reimann (stehend, links) war auch schon in der Jugend erfolgreich. Zusammen mit Bernhard Gierisch, Gerhard Menner, Norbert Zeitler, Josef Höning (stehend, Zweiter bis Fünfter von links) sowie Peter Hausner, Trainer Karl Reiter, Achim Neubauer, Hansi Kropf und Karlheinz Egeter (sitzend, von links) gewann er 1977 die deutsche Jugendmeisterschaft in Bad Oeynhausen. Bild: privat
Sport
Weiden in der Oberpfalz
21.09.2016
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Rainer Heinold spielt immer noch beim TB Weiden, hier bei der süddeutschen Meisterschaft 2004. Bild: G. Büttner
 
Dieter Voith spielte beim TB Weiden und dem TV Floß. Das Bild entstand 1993/94, als er mit dem TV in der Bundesliga spielte. Bild: Archiv

Deutschland ist eine der führenden Faustball-Nationen. Neben Brasilien, Österreich und der Schweiz beherrscht Deutschland seit Jahren den Sport, holt sich in Grieskirchen (Österreich) in diesem Jahr den bereits 13. Europameistertitel. Trotzdem ist Faustball in unserer Region kaum präsent. Das war aber nicht immer so.

Gerade in der Oberpfalz gab es erfolgreiche Faustballer: Bundesligisten, Nationalmannschaftsspieler. Der TB Weiden, der TV Floß und die DJK Windischeschenbach waren führende Faustball-Vereine. Dieter Voith, ehemaliger Junioren-Nationalmannschaftsspieler und langjähriger Bundesligaspieler beim TB Weiden und beim TV Floß, erinnert sich an die goldene Zeit des Faustball in der Oberpfalz: "Mit dem TB Weiden und der DJK Windischeschenbach gab es zwei Oberpfälzer Vereine in der Bundesliga, die DJK wurde 1983 sogar deutscher Meister."

"Früher war im Faustball viel los. Heute ist das fast gar nicht mehr so." Das liege aber nicht an der Sportart an sich, betont Voith. "Es ist das Problem des Ehrenamts. Es sind einfach zu wenige bereit, sich um junge Leute zu bemühen und zu kümmern." Voith selbst ist über den Schulsport zum Faustball gekommen. "In Weiden gab es mit Karlheinz Schönberger einen Trainer und Förderer, der sich nach Talenten umschaute. Schönberger hat den Faustball am Leben gehalten." Voith spielte fortan beim TB Weiden in der Jugend, wurde mit 16 in die Junioren-Nationalmannschaft geholt. Mit 17 wurde er mit dem Turnerbund deutscher Vizemeister und mit 18 spielte er zehn Jahre lang in der ersten Bundesliga. Nach dem Abstieg mit dem TB Weiden wechselte Voith zum Zweitligisten TV Floß. Später formierte sich eine Mannschaft in der Altersklasse 30 mit Spielern aus Floß, aus Weiden und aus Windischeschenbach. Das Team, das für den TB gemeldet war, wurde zweimal deutscher Vizemeister und einmal Dritter bei der DM. Voith betont: "Faustball ist kein Altmänner-Sport, sondern ein Sport, den man sich anschauen kann."

Viel Engagement


Das sieht auch Rainer Heinold so. Er ist ein Faustball-Urgestein der Region. Seit seinem 13. Lebensjahr ist er tief verwurzelt beim TB Weiden. Als Kind besuchte er mit seinem Vater die Spiele des TB, am liebsten wenn der TSV 1860 München zu Gast war: "Das war mein Lieblingsverein. So kam ich dazu, jeden Sonntagvormittag beim TB Faustballspiele zu schauen." Heinolds Eltern pflegten gute Kontakte zum Turnerbund und so hieß es irgendwann: "Schickts doch mal den Rainer zum Faustball runter."

Mit 16 Jahren debütierte Heinold in der ersten Herrenmannschaft. "Wir hatten Glück, dass wir Spieler waren, die unwahrscheinlich gut zusammengespielt haben. Und es haben sich viele Leute um die Jugend gekümmert." Heute sei das nicht mehr so. Trotzdem sollten Kinder hauptsächlich Spaß am Sport haben, dann würden sie von selbst ein Interesse an sportlicher Fortbildung entwickeln.

Ich will den Sport aufrecht erhalten. Es wäre jammerschade, wenn der Faustball von der Sportfläche verschwindet. Es bedarf dafür auch nicht viel, ein Ball, eine Schnur und Spaß - schon gehts los.Rainer Heinold


Faustball ist sein Lebenssport. Eine Sache wurmt ihn allerdings, ist immer ein Traum geblieben: "Ich habe nie den deutschen Meistertitel erreicht. Drei Mal war ich im Endspiel, aber nie Meister." In der ersten Herrenmannschaft spielte Heinold bis er 30 wurde, lange Jahre mit dem Turnerbund Weiden in der ersten Bundesliga. Auch heute engagiert er sich noch. "Ich will den Sport aufrecht erhalten. Es wäre jammerschade, wenn der Faustball von der Sportfläche verschwindet. Es bedarf dafür auch nicht viel, ein Ball, eine Schnur und Spaß - schon gehts los." Er selbst hatte Glück: "Wir hatten die richtigen Leute, Trainer und Vorbilder. Den gesunden Ehrgeiz hat jeder selbst mitgebracht."

Weltmeister 1982


Auch Dieter Reimann war einer der Glücklichen. Der ehemalige Spieler bei der DJK Windischeschenbach schaffte von der Bundesliga aus sogar den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft, wurde 1982 Weltmeister im eigenen Land. "In Windischeschenbach gab es damals noch keine sehr große Sportauswahl, also habe ich Faustball begonnen. Wir hatten einen sportbegeisterten Trainer, der hat uns Jugendliche an den Sport herangeführt. Ab 1972 spielten wir für ungefähr 15 Jahre leistungsmäßig Faustball." Auch heute engagiert er sich noch, trainiert die Faustball-Mädels der TSG Mantel-Weiherhammer, die seit diesem Jahr in der zweiten Bundesliga spielen.

Trotz der Erfolge seines Teams bedauert Reimann, in welche Richtung sich der Sport entwickelt hat. Den fehlenden Nachwuchs macht auch er als Problem aus. "Wir waren zu meiner Zeit damals zwar erfolgreich, aber keiner hat in den Nachwuchs investiert", sagt er. Das habe sich bei der DJK Windischeschenbach gerächt, als die Herrenmannschaft nach 10 Jahren aus der ersten Bundesliga abgestiegen ist. "Das war 1985/1986. Die Faustballabteilung des Vereins hat sich aufgelöst, wir wollten nicht in der zweiten Bundesliga spielen." Junge Spieler habe es zu dieser Zeit zwar gegeben: "Allerdings kamen sie wegen ihrer fehlenden Erfahrung nicht zum Zug und haben aufgegeben."

Er sieht auch die geringe Begeisterung für Sport als Problem. "Wir waren früher verrückt, spielten jede freie Sekunde. Heute muss ich froh sein, wenn ich es schaffe, die Mädels einmal in der Woche zum Training zusammenzutrommeln." In der Blütezeit des Faustballs sei die Begeisterung der Spieler eine ganz andere gewesen. "Wir haben das damals wirklich ernsthaft betrieben, trainierten jeden Tag. Die Erfolge lügen nicht." Aber Reimann ist stolz auf die Faustballerinnen der TSG: "Die können schon was, zweite Bundesliga ist kein Freizeitsport, da gehört schon was dazu." Die Einstellung der Spielerinnen sei zwar eine andere, als bei ihm damals, aber "solange die Mädels Spaß am Sport haben, sollen sie lieber mit einer eher lässigen Einstellung dabei bleiben, als komplett aufzuhören."

Wir Faustballer waren eine verschworene Gemeinschaft, haben uns jahrelang die Bälle um die Ohren geklopft.Dieter Reimann


Der Höhepunkt seiner Karriere war für Reimann die Weltmeisterschaft 1982 in Deutschland. "Die Brasilianer sind nach unserem WM-Endspiel auf uns zugekommen, und haben uns eingeladen. So haben wir ein vierwöchiges Trainingslager in Brasilien verbracht." Die drei damaligen Spitzenvereine der Region, der TV Floß, der TB Weiden und die DJK Windischeschenbach, hätten sich spannende Wettkämpfe geliefert. Eine Zeit, die Reimann nicht missen will. "Wir Faustballer waren eine verschworene Gemeinschaft, haben uns jahrelang die Bälle um die Ohren geklopft." Der Zusammenhalt unter den Faustballern sei enorm, auch jetzt treffe er bei Meisterschaften alte Spielerkollegen - mittlerweile aber als Trainer oder Zuschauer. "Die meisten sind dem Sport treu geblieben. So schnell kommt man davon nicht los."
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