Fußball
Auf der Jagd nach Erinnerungen

Stolz zeigt Josef Schmeilzl Bilder und Zeitungsartikel aus seinem Fundus: Der frühere Torwart der SpVgg Weiden erfüllte einem Sammler aus dem tschechischen Most die Bitte nach Autogrammen und Widmungen. Bild: A. Schwarzmeier
Sport
Weiden in der Oberpfalz
06.02.2016
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Sepp Schmeilzl ist eine regionale Fußball-Legende. Wenn der Ex-Torwart durch die Weidener Fußgängerzone geht, kommt es schon mal vor, dass ihm jemand auf die Schultern klopft. "Das sind dann ältere Fans. Manchmal werde ich von ihnen noch auf damals angesprochen", sagt der 81-Jährige. Damals, das sind jene Zeiten, als Schmeilzl in den Fünfziger und Sechziger Jahren bei der SpVgg Weiden und der SpVgg Fürth zwischen den Pfosten stand, als er unter Bundestrainer Sepp Herberger Lehrgänge bei der Nationalmannschaft absolvierte und für bayerische sowie süddeutsche Auswahlmannschaften nominiert wurde.

Die Erinnerung aber verblasst. Auch weil die Zeitzeugen immer weniger werden. Um so überraschter war Schmeilzl, als er kurz vor Weihnachten seinen Briefkasten öffnete. Darin lag ein Schreiben, abgestempelt im tschechischen Most. "Sehr geehrter Freund ..." lautete die Anrede. Dann bat der Verfasser in umständlichem, aber höflichem Deutsch um Gefälligkeiten. Um Autogramme und Widmungen auf Bildern, die wohl vom Internet heruntergeladen waren. Die zeigten Schmeilzl in Aktion, im Kreise von Teamkollegen und zusammen mit der Weidener Mannschaft, mit der er 1965 den glorreichen Aufstieg in die Regionalliga Süd geschafft hatte.

"Das hat mich gefreut, dass sich jemand noch an früher erinnert", ist Schmeilzl ein Stück weit gerührt. Natürlich erfüllte er dem Bittsteller, einem Mila Aschenbrenner aus Most, dessen Wunsch. Zumal dieser sich charmant "für die schöne Zeit, wenn Sie uns, den Fans von Fußball, Freude verschenkten", innig bedankte. Schmeilzl unterschrieb die Bilder, legte Materialien aus dem eigenen Fundus bei - darunter ein Erinnerungsfoto an ein Länderspiel zwischen Süddeutschland und Norditalien im März 1955 im Grünwalder Stadion - und schickte das Bündel an den Autogrammsammler zurück.

Das hat mich schon gefreut, dass sich jemand nach so langer Zeit noch an früher erinnert.Josef Schmeilzl

Die Frage, wer genau hinter der Anfrage steckt, lässt Schmeilzl aber keine Ruhe. Eine Spur führt zurück in die Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. "Da hat es einen Torwart mit dem Namen Aschenbrenner bei der SpVgg Weiden gegeben. Vielleicht ist es ein Nachkomme", rätselt der 81-Jährige. Licht ins Dunkle könnte eine Antwort des Autogrammjägers bringen. "Der bedankt sich bestimmt", ist sich Schmeilzl sicher.
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