Fußball
Franz Koller neuer Trainer der SpVgg SV Weiden [Aktualisierung]

Die drei Kapitäne sollen das Schiff der SpVgg SV Weiden wieder in ruhigere Fahrwasser geleiten. Sportvorstand Phillipp Kaufmann (links) und NLZ-Leiter Rainer Fachtan (rechts) präsentierten am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz Franz Koller als neuen Cheftrainer. Bild: Schönberger
Sport
Weiden in der Oberpfalz
02.11.2016
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SpVgg Trainer Koller *** Local Caption *** SpVgg Trainer Koller

Franz Koller ist neuer Trainer der SpVgg SV Weiden. Der 40-jährige Ostbayer war zuletzt vereinslos und kann daher sofort loslegen. Noch am Mittwochabend leitet er das erste Training mit seiner neuen Mannschaft. Für Wildenauer, Forster, Hegenbart und Co. werden die nächsten Wochen "brutal".

Die Gerüchteküche brodelte und Unmengen an Namen kursierten rund um das Traineramt bei der SpVgg SV Weiden. Den neuen Mann, den Philipp Kaufmann, Rainer Fachtan und der Rest des Vorstands dann aber aus dem Hut zauberten, dürften die wenigsten auf dem Zettel gehabt haben. Franz Koller, 40 Jahre, selbstständiger Immobilienhändler aus Furth im Wald, ist in Fachkreisen kein Unbekannter, in der nördlichen Oberpfalz aber bisher nur als Gästetrainer in Erscheinung getreten.

DJK Vilzing, FC Ränkam, TSV Kareth-Lappersdorf und SV Neukirchen b. Hl. Blut zieren seine Trainer-Vita. "Daneben machte sich der A-Lizenz-Inhaber als Jugendförderer am Nachwuchsleistungszentrum des ASV Cham, Regionalauswahl- sowie DFB-Stützpunkttrainer einen Namen", stellte Fachtan quasi seinen eigenen Nachfolger vor. Und Koller machte gleich bei seiner Einführung deutlich, dass er auf seinen neuen Job brennt. "Ich benötigte zuletzt eine Auszeit, weil ich ein 7-Tage-Vollzeit-Coach bin, der nebenbei noch arbeitet." Bei der Anfrage aus Weiden habe er nicht lange überlegen müssen. Die SpVgg SV ist sein erstes Engagement in der Bayernliga. "Ich komme aus der Jugendarbeit, identifiziere mich voll und ganz mit der Vereinsphilosophie und will diesen Verein wieder auf Kurs bringen." Allerdings wird er von seiner Spielphilosophie anfangs abweichen müssen. "Meine Mannschaften spielen brutal offensiv, pressen früh und suchen ihr Heil in der Offensive. Dies erscheint mir in der derzeitigen Verfassung der SpVgg SV aber eher unpassend."

Bis Weihnachten sollen der "Turnaround" geschafft und die bedrohlichen Tabellenplätze verlassen werden. Koller will zunächst die Köpfe der Spieler freibekommen. "Ich bin ein brutaler Pusher und sehr emotional. Ich will die brutale Qualität dieser Truppe wieder auf den Platz bringen", sagte Koller, der den ehemaligen Chamer Coach und jetzigen Schalker Co-Trainer Wolfgang Beller als geistigen Mentor bezeichnet. "Wir haben jetzt kein Casting veranstaltet, sondern freuen uns über diese schnelle Lösung", sagte Philipp Kaufmann.

Rainer Fachtan wird dem neuen Mann weiter zur Seite stehen, einen Co-Trainer benötigt Koller zunächst aber nicht. "Wir danken Rainer und Ralph Egeter für ihren Einsatz, brauchen sie jetzt aber wieder an ihren ursprünglichen Einsatzorten: bei der Jugend und im Sturm", stellte der Sportvorstand klar.

Kaum Zuschauer am Wasserwerk: Übertriebene ErwartungshaltungEhrlich und offen äußerte sich Philipp Kaufmann im NT-Gespräch zu den bayernligaunwürdigen Zuschauerzahlen. Lautete die offizielle Vereinsangabe etwa gegen Aubstadt 200 Zuschauer, gesteht der Sportvorstand, dass "kaum mehr als 100 zahlende Zuschauer" den Weg ins Weidener Stadion fanden. "Wie schon in den vergangenen Partien, da waren es sogar noch weniger."

Kaufmann sieht hier die übertriebene Erwartungshaltung im Umfeld als Hauptgrund für das Fernbleiben so dringend benötigter Unterstützer an. "Wir spielen in der 5. Liga. Das ist mittlerer Leistungsbereich. Die Leute träumen immer noch von Duellen gegen Augsburg oder 1860 München aus Zeiten als die Bayernliga die dritthöchste Liga war." Die SpVgg SV sei aber kein Profiteam und derzeit wäre selbst die Regionalliga eine Nummer zu groß. "Da brauchen wir nur nach Hof oder Seligenporten blicken, wie es denen dort ergeht."

Den emotionalen Gegenpol zur Bayernliga-Tristesse stelle derzeit der Kreisliga-Höhenflug der 2. Mannschaft der SpVgg SV dar. Die blutjunge Mannschaft ist seit zehn Spielen ungeschlagen und belegt derzeit Platz zwei, der zur Bezirksliga-Relegation berechtigen würde. "Das ist eine schöne Momentaufnahme. Für Rainer Fachtan, den Vater dieses Erfolgs, und die vielen Nachwuchsspieler freut es mich ungemein." Jahrelang hätte die SpVgg SV die Ausbildung junger Talente übernommen und so andere Vereine im Seniorenbereich gefüttert.

"Jetzt haben diese Jungs endlich eine Zukunft in ihrem Verein. Sie bilden das zukünftige schwarz-blaue Fundament." Noch nie hätte sich ein Bayernliga-Akteur beschwert, wenn er in der Kreisliga ran musste. Im Gegenteil: "Christoph Hegenbart hat etwa schon zweimal angerufen und sich selbst für die 'Zweite' angeboten. Die haben inzwischen auch kapiert, dass es ohne einen Unterbau nicht geht." (fle)
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