Fußball
Nur einer bricht das Schweigen

"Jetzt gilt es für jeden Spieler, 90 Minuten lang zu kämpfen und nicht bei jedem Elfmeter, den du kriegst, den Kopf hängen zu lassen." Zitat: Kurt Haas, Vorsitzender der SpVgg SV Weiden
Sport
Weiden in der Oberpfalz
18.10.2016
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Einen Tag nach dem Abgang von Tomas Galasek herrscht das große Schweigen am Wasserwerk. Von den Spielern geht keiner aus der Deckung, Interimstrainer Rainer Fachtan verweist auf eine Lagebesprechung im kleinen Kreis. Nur einer nimmt Stellung zum Trainerrücktritt.

Für Kurt Haas, Vorsitzender des Fußball-Bayernligisten SpVgg SV Weiden, kommt der Schritt von Tomas Galasek "nicht unbedingt überraschend." Diese Entwicklung, so Haas, habe sich zuletzt abgezeichnet. "Wir wollten eigentlich bis zur Winterpause mit ihm weitermachen", betont der Vereinschef. Aber manchmal entstehe im Fußballgeschäft "eine Eigendynamik. Und die ist dann nicht mehr aufzuhalten."

Vielleicht zu menschlich


Von den Qualitäten des ehemaligen tschechischen Nationalspielers ist Haas weiterhin überzeugt. "Tomas Galasek hat fußballerisch eine unglaubliche Erfahrung und charakterlich ist er ein super Typ." Bei so viel Lob stellt sich allerdings die Frage, wieso der Ex-Profi letztlich als Trainer bei den Schwarz-Blauen gescheitert ist. "Vielleicht war er zu menschlich und hat die Leine bei den Spielern zu weit gelassen", lautet ein Erklärungsversuch des Vorsitzenden.

Der fast schon kameradschaftliche Umgang mit den Spielern ist aber nicht der einzige Ansatz. Haas räumt ein, dass die Kommunikation zwischen Trainer und Mannschaft "nicht gepasst" habe: "Da war eine sprachliche Hürde vorhanden." Eine Beobachtung, die auch andere teilen. So sehr sich auch Galasek bemühte: Unterm Strich reichten seine Deutsch-Kenntnisse nicht aus, um den Spielern zielführend Anweisungen zu erteilen oder taktische Inhalte konkret darzulegen. "Am Schluss ist etwas zwischen dem Trainer und der Mannschaft gestanden", sagt Haas.

Eine Entfremdung, die sich in deftigen Pleiten niedergeschlagen hat: 0:4 in Neumarkt, 0:6 in Eichstätt, 2:5 gegen Feucht, 0:5 in Aschaffenburg. "Wir haben eine Mannschaft, die müsste vom Papier her vorne mitspielen", betont Haas. Und gibt ernüchtert zu: "Aber zum Schluss war das desaströs."

Wie die Spieler selbst zum Trainerrücktritt stehen, ist zumindest am Dienstag nicht zu erfahren. "Kein Kommentar" lautet ein halbes Dutzend Mal die Antwort, als es darum geht, gegenüber unserer Zeitung den Galasek-Abgang zu bewerten. Auch Interimstrainer Rainer Fachtan zeigt sich im Vorfeld einer "Besprechung im kleinen Kreis" zugeknöpft.

Klartext hingegen spricht Haas. Vor allem, was die nächsten Aufgaben betrifft. "Wir wollen einen anderen Fußball sehen", fordert der Vorsitzende in Hinblick auf die beiden Heimspiele gegen die Würzburger Kickers II (22.10., 14 Uhr) und den TSV Aubstadt (29.10., 14 Uhr). "Jetzt gilt es für jeden Spieler, 90 Minuten lang zu kämpfen und nicht bei jedem Elfmeter, den du kriegst, den Kopf hängen zu lassen."

"Neu justieren"


Auch wenn Haas ganz fest davon ausgeht, dass "wir die Bayernliga halten werden", so deutet sich doch eine Weichenstellung am Wasserwerk an. Man werde in den kommenden Wochen die Vereinsplanungen für die nächsten drei bis fünf Jahre "neu justieren", kündigt er an. Es stelle sich die Frage, ob die SpVgg SV in Zukunft nicht noch viel stärker auf die eigene Jugend setzen müsse. "Wir investieren viel Geld in die Ausbildung von 220 Kindern und Jugendlichen. Das muss sich auch für die Herrenmannschaften rechnen", sagt Haas. Dabei sei die Bayernliga kein unverrückbarer Maßstab: "Wir wollen höherklassig spielen. Aber durchaus mit anderen Mitteln und Methoden."

Sportvorstand Philipp Kaufmann stärkt Haas indes den Rücken. "Wer etwas verändern will, steht immer in der Kritik", weiß der Vorsitzende. "Ich habe ihm Mut zugesprochen, sich nicht durch diese schwierige sportliche Phase aus dem Tritt bringen zu lassen."

Jetzt gilt es für jeden Spieler, 90 Minuten lang zu kämpfen und nicht bei jedem Elfmeter, den du kriegst, den Kopf hängen zu lassen.Kurt Haas, Vorsitzender der SpVgg SV Weiden

Von Alfred Schwarzmeier

Vor drei Monaten noch Mitfavorit, jetzt fast schon ein Abstiegskandidat: Der Absturz der SpVgg SV Weiden ist beängstigend. Und wie immer in einer sportlichen Krise stellt sich die Frage nach dem Schuldigen.

Die alleinige Verantwortung gibt es aber nicht. Tomas Galasek mag man vieles vorwerfen: Mangelnde Deutsch-Kenntnisse, zu viel Kumpelei, Autoritätsverlust, vielleicht sogar Defizite im Trainingsaufbau und taktischen Bereich. Kein Tadel verdient jedoch sein Engagement.

In den 16 Monaten am Wasserwerk identifizierte er sich mit Schwarz-Blau, warf alles in die Waagschale bis hin zum Gehaltsverzicht, weil es so schlecht lief. Mancher Spieler muss sich hinterfragen, ob er ebenso viel eingebracht hat.
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